SchwertransporteKein Platz für die ganz Großen

Der Parkraum entlang der Autobahnen wird knapp, weil die Zahl der Schwertransporte steigt. Daran ist auch die Energiewende schuld. Die Polizei stößt an ihre Grenzen. von Norbert Böwing

Schwertransport auf einem Autobahnrastplatz

Schwertransport auf einem Autobahnrastplatz  |  © Norbert Böwing/SP-X

Rund 150.000 Schwertransporte gab es in Bayern im vergangenen Jahr – dreimal so viele wie noch 1995. Der Freistaat ist das einzige Bundesland, das die Zahl offiziell erfasst. Über die Großraumtransporte in ganz Deutschland fehlt Datenmaterial. Was den Trend betrifft, schätzt Wolfgang Draaf, Geschäftsführer der Bundesfachgruppe Schwertransporte und Kranarbeiten (BSK) in Frankfurt, für 2012 die Zunahme auf zehn bis zwölf Prozent. "Vor allem Aggregate, Baumaschinen und Windkraftanlagen sind nachts unterwegs. Deutschland ist in jeder Beziehung ein weltweit bedeutender Exporteur und auch ein wichtiges Transitland", sagt Draaf.

Tagsüber dürfen die Schwertransporte nicht fahren und müssen spätestens um sechs Uhr an Rastanlagen abgestellt werden. Sie können, anders als normale Lkw, nicht auf abseits der Autobahn gelegene Gewerbegebiete ausweichen, sondern müssen die vorgeschriebenen Fahrtrouten einhalten. Ein Abweichen vom geplanten Weg würde aufgrund der XXL-Abmessungen und -Gewichte zu einem Verkehrschaos führen.

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Weil viele Länder Europas begonnen haben, auf erneuerbare Energien umzusteigen, sind immer mehr Windkraftanlagen per Lkw unterwegs. Ein Großteil wird im ostfriesischen Aurich hergestellt und gelangt über die Autobahnen A 27 und A 2 nach Osteuropa. Für die gewaltigen Offshore-Windparks, die in der Nordsee entstehen, werden wiederum Anlagen aus Polen und Tschechien nach Bremerhaven transportiert.

Besonders die A 27 und die A 2 sind deshalb zu neuralgischen Strecken geworden. An beiden gibt es bereits Parkplätze, die ausschließlich für Schwertransporte reserviert sind. Damit soll ein Parkkollaps an den Tank- und Rastanlagen verhindert werden. Außerdem verfügen noch längst nicht alle Raststätten über geeignete Parkflächen für die Großraumtransporte.

"Manchmal versperren sie sogar die Fahrstreifen der Rasthöfe"

Besonders problematisch ist, dass die riesigen Frachten zwar angemeldet und genehmigt werden müssen, ihr Eintreffen an den Rastanlagen jedoch nicht koordiniert werden kann. "Die einzelnen Unternehmen wissen natürlich nicht voneinander. So treffen dann manchmal bis zu 20 Schwertransporter ein und es gibt kaum eine Möglichkeit, sie alle ordnungsgemäß abzustellen", schildert Jörg Evers von der Autobahnpolizeiwache im niedersächsischen Langwedel. "Manchmal versperren sie sogar die Fahrstreifen der Rasthöfe, was natürlich nicht erlaubt ist." Manchmal müssten die Transporter sogar in zwei Reihen parken, was den übrigen Lkw-Verkehr beeinträchtige. Doch für die Fahrer gibt es keine Alternativen: Die Fahrzeit ist abgelaufen, sie dürfen nicht weiter.

Die "Grenze des Machbaren" sieht auch Jens Sieker von der Autobahnpolizeiwache Langwedel erreicht. "Unsere Kräfte schaffen es kaum noch, immer und überall pünktlich zu sein. Mitunter binden diese Transporte in einer Nacht drei komplette Streifenwagenbesatzungen", sagt Sieker. Sie begleiten mitunter ein einzelnes, Hunderte Tonnen schweres Maschinenbauteil oder einen Windgenerator. Der Einsatz der Polizei ist bei den meisten Transporten unverzichtbar, weil Brücken von einigen nur mit minimaler Geschwindigkeit befahren werden dürfen.

Aufgrund des Schritttempos der Megatrucks müssen Streifenwagen nicht selten den Verkehr auf der Autobahn warnen. "Die Erfahrung zeigt leider, dass viele Verkehrsteilnehmer nur vor Blaulicht Respekt haben. Die würden sonst den Konvoi sogar trotz Überbreite oder Überlänge rücksichtslos überholen", sagt Sieker. Doch das ist nicht die einzige Sorge. Mittlerweile sind immer mehr Streckenabschnitte wegen maroder Brückenbauwerke gesperrt, etwa die Sauerlandlinie A 45. In der Praxis bedeutet das für die Fahrer der Schwertransporte Umwege von einigen Hundert Kilometern, die nicht selten zu weiteren Komplikationen führen.

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Leserkommentare
  1. ... grünt und grünt. Eine schöne grüne Zukunft. Chaos überall.

    2 Leserempfehlungen
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    • fx66
    • 22. August 2013 0:13 Uhr

    > Der Parkraum entlang der Autobahnen wird knapp, weil die Zahl der
    > Schwertransporte steigt.

    Das ist eine glatte Lüge! Der Parkraum schrumpft, weil es generell immer mehr LKW-Verkehr auf deutschen Autobahnen gibt. Das ist vor allem an Raststätten zu sehen, wo nur ein Toilettenhäuschen steht - und Schwerlasttransporte gar keinen Platz hätten.

    Mir scheint hier wird umgekehrt das erhöhte Verkehrsaufkommen für Propaganda gegen die Energiewende missbraucht - für Leser, die sowieso nachts schlafen dürften und nicht wissen wie die Realität draußen aussieht.

    Alles in allem: ein sehr schlechter Artikel!

    Ihre Spitzen gegen alles, was "grün" ist, gehen hier fehl, denn die aktuelle Energiewende - erinnern Sie sich? - eines schönen Morgens anno 2011 unsere einsame Kanzlerin ausgerufen. Im Ergebnis richtig, aber mit Sicherheit nicht aus sachlicher Einsicht, sondern in der Erkenntnis geboren, dass die Ereignisse in Fukushima ihr höchst abträgliche Wahlergebnisse bescheren könnten.

    So weit im Ergebnis gut. Nur hat ihr leider niemand gesagt (wer auch?), dass bei solch einem gewaltigen Projekt "Verkünden" allein nicht reicht - ab dem Folgetag hätte als "Chefsache" intensiv und mit gewaltigem Druck auf die imposante Riege der Bedenkenträger, Zuständigkeitsfetischisten und Moneymaker eine umfassende, über allem stehende Planungsarbeit einsetzen müssen.

    Statt dessen galt das Motto "Ich habe verkündet, und jetzt macht mal ihr alle die ihr irgendwie betroffen seid". Und daraus, liebe(r) Pripari, resultiert das "Chaos überall", das Sie beklagen. Denkmale Merkelscher Inkompetenz.

  2. zuzupflastern. So blöd muss man erstmal sein.

    4 Leserempfehlungen
    • Rolf28
    • 21. August 2013 20:08 Uhr

    Es heißt im Text: "Besonders problematisch ist, dass die riesigen Frachten zwar angemeldet und genehmigt werden müssen, ihr Eintreffen an den Rastanlagen jedoch nicht koordiniert werden kann."

    Ehrlich gesagt, kapiere ich das nicht. Wenn jemand (vermutlich eine Behörde) eine Liste mit allen Schwertransporten an Tag X besitzt, dann ist es doch ein Leichtes, diese zu koordinieren und ggf. weitere Schwertransportanmeldungen für diesen Tag zu verschieben. Sogar ein Programm dafür, das automatisch die Anmeldungen verwaltet und Transportgenehmigungen koordiniert, wäre auf Excel-Level.

    Nun die Schuld bei den Windrädern zu suchen ("Daran ist auch die Energiewende schuld"), halte ich für eine geradezu beschämende Aussage. Wenn jetzt Panzer oder Kernkraftwerksteile transportiert werden müssten, wäre das wohl in Ordnung? Ein paar weitere Raststätten an den Transportwegen und stabile Brücken sollten die Menschheit nicht aufhalten, sich im Sinne ihrer Nachkommen erneuerbaren Energien zuzuwenden!

    18 Leserempfehlungen
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    ... "erneuerbare Energien" sein?

    • Zigarre
    • 21. August 2013 20:22 Uhr

    Energiewende sofort stoppen!! Das haben sich doch die Grünen von Anfang an so ausgedacht. Erst verbieten sie uns das Fleisch und jetzt auch noch die Pinkelpausen! Bestimmt vergehen sich die grünen Schwertransportfahrer derweil an Kindern und bringen unter den Rotorflügeln Türken ins Land. Aber dieser Tropfen hat das Fass zum überlaufen gebracht, der deutsche Michel wird sich endlich erheben (vorher aber noch den Sanifair-Bon einlösen) und Merkel wird Roth höchstpersönlich einen Holzpflock ins Herz treiben, damit dieser aschgrüne Vampir nicht noch mehr Ökosteuern aus uns saugen kann.

    Aber mal ernsthaft: Nach hunderten Meldungen über verstopfte Rastplätze wegen hohen LKW-Aufkommens beeindruckt diese Nachricht kaum noch. Und unlösbar scheint das Problem sowieso nicht zu sein.

    4 Leserempfehlungen
  3. die Leute haben auch vor Blitzlicht bzw. Bußgelbescheiden respekt. Warum gibt es keine Blitzer am Schwertransport sowie ein Plakat mit fettem Überholverbot und Blitzerwarnung anstatt der sündhaft teuren Polizeieskorte?

  4. ... "erneuerbare Energien" sein?

    2 Leserempfehlungen
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    http://lmgtfy.com/?q=Erne...

    Erstes Ergebnis: http://de.wikipedia.org/w...

    Viel Spass beim lesen.

  5. Schaut man sich mal an, was da bisher in Bayern so an Windrädern aufgestellt wurde, muss man aber schon zu dem Schluss kommen, dass die Windenergie an dem Verkehrsaufkommen keinen relevanten Anteil hat.

  6. Gegen Abend wird, dank des zunehmenden LKW-Verkehrs auch der Parkraum auf den Rastplätzen ganz ohne diese Schwertransporte knapp.

    Da wird es für PKW-Fahrer, die dort mal nur eine kleine Pause machen wollen, ganz schnell hibbelig. Sind die Parkmöglichkeiten für die LKW ausgeschöpft, dann parken die Brüder auch ganz gerne auf der Fahrspur und warten bis mal was frei wird. Dann ist für den PKW-Fahrer eine Vollbremsung angesagt und die spannende Frage zu beantworten: Wie komme ich hier wieder raus, ohne den Geisterfahrer zu machen.

    Die Autobahnbrücken werden durch die ganzen LKW und Schwerlasttransporter so ramponiert. Selbst wenn die Maut die reinen Reparaturkosten tragen sollte, die Nerven und Kosten durch die Staus tragen alle Verkehrsteilnehmer.

    Es ist mir unverständlich, dass solche Schwerlasttransporte nicht generell genehmigungpflichtig sind und die Unternehmen nicht gezwungen werden, den größten Teil der Strecke mit Schiff oder der Bahn zurückzulegen.
    Beide Verkehrsmittel kommen wesentlich besser mit hohen Gewichten zurecht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Autobahn | LKW | Transport
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