Das Umweltlabel für ein Pkw-Modell © Dena

Sparsam Auto fahren wollen viele. Das dafür nötige Auto kaufen die meisten dagegen nicht. Das könnte an mangelnder Information liegen, wie eine Studie herausgefunden hat. Ein Ökolabel für Neuwagen gibt es bereits seit Dezember 2011, doch offenbar beziehen die wenigsten es in ihre Kaufplanung mit ein – oftmals schlicht deshalb, weil sie es nicht kennen. Würden sie es kennen, sähe es anders aus, ergab die Untersuchung von der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach.

Befragt wurden Personen, die sich seit Januar 2012 einen Neuwagen, ein Fahrzeug mit Tageszulassung oder einen Vorführwagen zulegten. Zwei Drittel von ihnen haben nach eigener Aussage das Umweltlabel noch nicht im Zusammenhang mit Pkw gesehen. 89 Prozent kannten die Effizienzangaben immerhin von Kühlschränken.

Dass das Ökolabel für Autokäufer nicht richtungsweisend ist, spiegelt sich auch in den Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) wieder. Das hat der Auto Club Europa (ACE) in einer aktuellen Untersuchung ermittelt. Demnach fallen lediglich rund 38 Prozent (1,2 Millionen) aller im Jahr 2012 neu zugelassenen Pkw unter die als günstig angesehenen Energieeffizienzklassen A+, A oder B. Mit der besten Klasse A+ wurden nur 45.840 oder 1,5 Prozent aller neu zugelassenen Autos bewertet.

Das Ökolabel markiert auf einer farbigen Balkengrafik die Effizienzklasse des Fahrzeugs. Außerdem enthält es neben fahrzeugspezifischen Angaben auch Infos zu den Kraftstoffkosten und die CO2-basierte Kfz-Steuer. A+ wird fast nur von Elektro- und Hybridautos erreicht, A schaffen auch neue Dieselmodelle. Fahrzeuge mit B-Wertung finden sich heute in nahezu allen Segmenten und mit allen Motorisierungen. Mit den schlechtesten Effizienzklassen F und G werden in der Regel Sportwagen, SUV mit Ottomotor, aber auch kleine Autos mit betagter Antriebstechnik gewertet.

Händler unterschätzen Interesse am Label

Nach Einschätzung der Studienautoren der FHDW in Bergisch Gladbach unterschätzen vor allem Autohäuser und Hersteller das Ökolabel noch. "Viele Konsumenten suchen verlässliche Orientierungshilfen bei der Kaufentscheidung gerade in puncto Energie und Umwelt", sagt Studienleiter Stefan Bratzel. Das zeigen die Umfrageergebnisse. Von denjenigen, die das Label kannten, nutzten 61 Prozent die Hinweise als Orientierungshilfe beim Autokauf. 30 Prozent wären sogar bereit, aufgrund eines Vergleichs der Effizienzangaben ihre Kaufentscheidung zu ändern. Entsprechend wünschen sich 58 Prozent der Konsumenten eine Erwähnung des Labels im Verkaufsgespräch.

Dagegen glauben nur 18 Prozent der ebenfalls befragten Verantwortlichen in Autohäusern, dass das Ökolabel vom Kunden als Verkaufsargument akzeptiert wird. Dementsprechend kommen die Berater auch nur in einem Drittel der Fälle im Verkaufsgespräch direkt auf die Effizienzangaben zu sprechen. Immerhin 59 Prozent behandeln das Thema auf Nachfrage, zehn Prozent klären überhaupt nicht über die Angaben auf. Befragt wurden 507 Autokäufer und 119 Autoverkäufer.

Die Angaben auf dem Label beziehen sich allerdings auf direkte Vergleichsmodelle und nicht auf alle Pkw im Neuwagenmarkt. Über die Effizienzklasse entscheide bislang nicht die absolute Menge des CO2-Ausstoßes, sondern die CO2-Emissionen im Verhältnis zum Gewicht des Fahrzeugs. Das führe zu Fehlinterpretationen der Verbraucher, kritisiert der Auto Club Europa.

Der Automobilklub zitiert dazu eine Studie der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: Demnach erwarten 69 Prozent der Verbraucher bei einem als A+ eingestuften Pkw insgesamt gesehen einen sehr niedrigen Verbrauch. "Nur 17 Prozent dagegen folgen der eigenwilligen Logik des Labels und gehen von einem niedrigen Spritverbrauch im Verhältnis zum Fahrzeuggewicht aus", so der ACE. Die Bundesregierung müsse die Labelverordnung deshalb überprüfen. CO2-Ausstoß und Kraftstoffverbrauch hängen unmittelbar zusammen, geringe Emissionen bedeuten automatisch auch einen relativ sparsamen Verbrauch.