BenzinpreisePer Smartphone zur günstigsten Tankstelle

Tankstellen müssen ab sofort Preisänderungen unverzüglich dem Kartellamt melden. Bald sollen Autofahrer die Daten abfragen können. Ob Sprit dadurch billiger wird? von 

Am heutigen Samstag geht es los: Die zentrale Spritpreismeldestelle nimmt ihre Arbeit auf. Alle Tankstellenbetreiber in Deutschland müssen ab jetzt Änderungen der Spritpreise ohne Zeitverzögerung elektronisch an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe übermitteln, wie die beim Bundeskartellamt angesiedelte Sammelstelle offiziell heißt.

Davon werden die Autofahrer allerdings erst mal nichts mitbekommen. Das Kartellamt testet zunächst nur das System. In den vergangenen Wochen haben Tankstellenbetreiber bereits freiwillig erste Daten geliefert. Sobald das neue Meldesystem zuverlässig funktioniert, sollen die Daten öffentlich zugänglich gemacht werden. Autofahrer können dann Benzinpreise über Smartphones, Tabletcomputer oder Navigationsgeräte abfragen, um die günstigste Tankstelle in ihrer Umgebung zu finden. Einen genauen Starttermin nennt das Kartellamt bisher nicht.

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Die Meldestelle selbst wird keine Website oder App anbieten, sondern leitet lediglich die erhaltenen Preisdaten unentgeltlich im Minutentakt an Informationsdienste wie etwa clever-tanken.de und mehr-tanken.de weiter. Auch der ADAC hat sich als Anbieter beim Kartellamt registrieren lassen und will künftig die Preisdaten über seine Website und eine neue App kostenfrei bereitstellen, auch für Nichtmitglieder.

Inzwischen sind mehr als 13.000 der rund 14.700 bundesweiten Tankstellen ans System angeschlossen.  Von den rund 2.250 freien Tankstellen fehlte vor Kurzem noch etwa die Hälfte. Aber auch sie müssen ab jetzt ihre Daten an die Meldestelle übermitteln, da sie sonst gegen die neue Meldepflicht verstoßen. Ausgenommen sind nur kleine Tankstellen, die im Jahr weniger als 750.000 Liter Kraftstoff verkaufen.

Bei falschen Daten droht ein Bußgeld

Die Meldepflicht ist in der sogenannten MTS-Kraftstoffverordnung geregelt, die im März 2013 in Kraft trat. Die Regelung schreibt Tankstellenbetreibern vor, Preisänderungen bei den gängigen Sorten Super E5, Super E10 und Diesel innerhalb von fünf Minuten an die Markttransparenzstelle zu melden.

Um prüfen zu können, ob die übermittelten Preise auch stimmen, müssen die Informationsdienste eine Beschwerdestelle einrichten, bei der die Nutzer falsche Daten melden können. "Das Übermitteln unzutreffender Preisdaten ist gemäß dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro belegt werden kann", sagt Olaf Wrede vom Bundeskartellamt.

Es ist das erste Mal, dass Kraftstoffpreise amtlich erfasst werden. Es gibt zwar schon Benzinpreisvergleichsportale im Internet, doch deren Daten stammen in der Regel von Autofahrern und sind nicht immer aktuell. Die neue Meldepflicht soll Verbrauchern einen besseren Überblick verschaffen und so den Wettbewerb unter den Tankstellen erhöhen. Zudem hofft das Kartellamt, dass das Datenmaterial Kartellrechtsverstöße transparenter macht, etwa wenn große Mineralölkonzerne versuchen, freie Tankstellen zu verdrängen.

Leserkommentare
  1. ob es demnächst noch günstige Tankstellen geben wird, wenn erstmal Krieg im Nahen Osten ist.

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  2. bestimmt der Tankstellenpächter, an dessen Tanke die falsche Preisauszeichnung entdeckt wird.

    • rsi99
    • 31. August 2013 11:17 Uhr

    Letztendlich ist es ein zusätzlicher Aufwand, für den die Angestellten/Beamten bezahlt werden wollen. Alles, was bei Herstellung und den Vertrieb verteuert, muss auf das Produkt umgelegt werden. Nur: Wer will die Kosten lokalisieren? In welcher Steuerzahlung wird der Preis für den Aufwand des Kartellamtes enthalten sein und wieviel ist es? Auch der Tankstellenpächter an einen Mehraufwand, wie sein Nachbarpächter auch, also benötigen sie alle zusammen einen leicht erhöhten Deckungsbeitrag.

    Ich kann mir obendrein vorstellen, dass mithilfte der Apps die Preisabsprachen zwischen den Pächtern leichter gemacht wird, und jeder darauf achtet, dass er seinen Mitbewerber nicht unnötig unterbietet. Das Kartellamt übernimmt dann sozusagen die Koordination einer stillen Preisabsprache. Ohne dass sie die Absprache direkt miteinander treffen müssen.

    3 Leserempfehlungen
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    • hakufu
    • 31. August 2013 21:37 Uhr

    "Ich kann mir obendrein vorstellen, dass mithilfte der Apps die Preisabsprachen zwischen den Pächtern leichter gemacht wird, und jeder darauf achtet, dass er seinen Mitbewerber nicht unnötig unterbietet. Das Kartellamt übernimmt dann sozusagen die Koordination einer stillen Preisabsprache. Ohne dass sie die Absprache direkt miteinander treffen müssen"

    Leider haben Sie recht.

    Die Tankstellen / Konzerne basieren ihre Preise nicht auf den tatsächlichen Kosten, sondern bauen weiter ihr System aus, den momentan günstigsten Preis zu erzielen. Habe noch nie gesehen, dass der Tankwagen kommt, und sich danach der Preis ändert. Der angezeigte Preis richtet sich also nicht nach den Gestehungskosten.

    Es gibt nur minimale Unterschiede zwischen den lokalen Tankstellen. Konnte bisher auch noch nicht sehen, dass man Kundschafter schickt, um zu sehen, wie der Konkurrent gerade anbietet.

    Es handelt sich also um ein gut funktionierendes System der Konzerne.

    Wozu braucht man dafür ein Kartellamt, um den Konzernen zu bescheinigen, dass es sich um freie Marktwirtschaft handelt ?

    Oder trägt es eher dazu bei, dass das System funktioniert ?

  3. Warum wird in diesem Artikel indirekt Werbung für das Wischtelefon gemacht? Ich kann die Preise auch ohne diese Geräte überprüfen. Das mache ich schon seit einigen Jahren.

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    Haben Sie ganz richtig erkannt. Der Artikel wirbt natürlich auch versteckt für Autos, Tabletts, Navigationsgeräte und nicht zuletzt Tankstellen . . .

    Würde mich ja mal interessieren, wie Sie als Autofahrer unterwegs ohne Smartphone / o.g. Geräte die Preise einzelner Tankstellen zeitnah vergleichen können.

  4. Haben Sie ganz richtig erkannt. Der Artikel wirbt natürlich auch versteckt für Autos, Tabletts, Navigationsgeräte und nicht zuletzt Tankstellen . . .

    Würde mich ja mal interessieren, wie Sie als Autofahrer unterwegs ohne Smartphone / o.g. Geräte die Preise einzelner Tankstellen zeitnah vergleichen können.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Per Smartphone"
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    ... wie die Menschheit, insbesondere Sie, ohne Smartphone überhaupt existieren konnte. Ich kann seit über 40 Jahren die Preise einzelner Tankstellen zeitnah vergleichen. Ganz ohne Smartphone und irgendwelche Äps. Da die Preise innerhalb einer Stadt und deren Umland hierzulande eher weniger variieren, gibt es Geheimmaschinen, deren man nur wenige in Anspruch zu nehmen braucht, um eine ganz gute Orientierung zu erhalten. Die eine Kategorie nennt sich Preisanzeigetafeln und die andere Augen. In Frankreich ist das z. B. anders, da gibt's innerorts schon Differenz von schon malö 10, 12 Centimes pro Liter. Aber das lernt man auch schnell, und bei Supermärkten der großen Ketten ist es fast immer am billigsten (Mitte April bei Auchan in Sens Super 98 für 1,526 ct/L).

  5. ... wie die Menschheit, insbesondere Sie, ohne Smartphone überhaupt existieren konnte. Ich kann seit über 40 Jahren die Preise einzelner Tankstellen zeitnah vergleichen. Ganz ohne Smartphone und irgendwelche Äps. Da die Preise innerhalb einer Stadt und deren Umland hierzulande eher weniger variieren, gibt es Geheimmaschinen, deren man nur wenige in Anspruch zu nehmen braucht, um eine ganz gute Orientierung zu erhalten. Die eine Kategorie nennt sich Preisanzeigetafeln und die andere Augen. In Frankreich ist das z. B. anders, da gibt's innerorts schon Differenz von schon malö 10, 12 Centimes pro Liter. Aber das lernt man auch schnell, und bei Supermärkten der großen Ketten ist es fast immer am billigsten (Mitte April bei Auchan in Sens Super 98 für 1,526 ct/L).

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    Fakt ist, dass die Preise selbst innerhalb derselben Stadt teilweise erheblich voneinander abweichen. Fakt ist weiterhin, dass man natürlich überall rumkurven und auf die Anzeigetafel sehen kann, dass es aber wesentlich einfacher, schneller (und im Übrigen spritsparender) ist, mit wenigen Klicks auf dem Smartphone sofort alle Preise in der Umgebung verfügbar zu haben.

    • hakufu
    • 31. August 2013 21:37 Uhr

    "Ich kann mir obendrein vorstellen, dass mithilfte der Apps die Preisabsprachen zwischen den Pächtern leichter gemacht wird, und jeder darauf achtet, dass er seinen Mitbewerber nicht unnötig unterbietet. Das Kartellamt übernimmt dann sozusagen die Koordination einer stillen Preisabsprache. Ohne dass sie die Absprache direkt miteinander treffen müssen"

    Leider haben Sie recht.

    Die Tankstellen / Konzerne basieren ihre Preise nicht auf den tatsächlichen Kosten, sondern bauen weiter ihr System aus, den momentan günstigsten Preis zu erzielen. Habe noch nie gesehen, dass der Tankwagen kommt, und sich danach der Preis ändert. Der angezeigte Preis richtet sich also nicht nach den Gestehungskosten.

    Es gibt nur minimale Unterschiede zwischen den lokalen Tankstellen. Konnte bisher auch noch nicht sehen, dass man Kundschafter schickt, um zu sehen, wie der Konkurrent gerade anbietet.

    Es handelt sich also um ein gut funktionierendes System der Konzerne.

    Wozu braucht man dafür ein Kartellamt, um den Konzernen zu bescheinigen, dass es sich um freie Marktwirtschaft handelt ?

    Oder trägt es eher dazu bei, dass das System funktioniert ?

    Antwort auf "Wäre unlogisch"
  6. 8. Börse

    Die Markttransparenzstelle kann gerne Börse heissen.Denn dieses auf und ab der Preise, die elektronischen Preistafeln, das alles erinnert mich an die Börse.
    Wer in der realen Wirtschaft hat so treue Kunden, dass er sie mit sich im minutentakt veränderden Preisen uebers Leder ziehen kann. Da fallen mit nur die Tankstellen ein.Normalerweise habe ich nichts gegen den freien Markt, aber zu viel ist zu viel.
    Diese Gesetz wurde fuer uns Kunden geschaffen, aber vielleicht noch viel mehr fuer den Markt der smartphone-Apps, fuer Webseiten wie etwa "clever-tanken.de und mehr-tanken.de" und fuer Navisoftware-Abbonements.
    Das Argument das die Preiseabsprache jetzt noch besser funktioniert als vorher, kaufe ich. Aber das ist gut so, jetzt haben alle die gleichen Bedingungen. Die grossen und die kleinen Tankstellen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bundeskartellamt | ADAC | App | Autofahrer | Bußgeld | Kartellamt
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