Ein Smart von Car2go vor einem Omnibus in Lyon (Archivbild) © Philippe Merle/AFP/Getty Images

Wenn man auf Berlins Straßen unterwegs ist, vergehen keine fünf Minuten, bis ein Carsharing-Auto vorbeifährt. Car2go, DriveNow, Multicity Carsharing Berlin oder Flinkster heißen die Anbieter dieser nahezu überall in der Stadt verfügbaren Fahrzeuge. Berlin ist nach absoluten Zahlen die Welthauptstadt des Carsharings, mit mehr als 3.000 Fahrzeugen. Über 2.300 davon sind Autos des sogenannten One-Way-Carsharings, bei dem Kunden sich per Smartphone-App ein freies Fahrzeug suchen und es am Ende der Fahrt auf einem freien Parkplatz wieder abstellen.

Glaubt man den Angaben der Unternehmen, dann haben sich bereits mehr als 200.000 Kunden in Deutschland registriert. Neben Berlin sind mittlerweile auch in Düsseldorf, Köln, Hamburg, München und Wien solche Angebote mit mehreren Hundert Fahrzeugen pro Stadt verfügbar, ebenso in London und in Nordamerika. Die Nutzerzahl wächst kräftig.

Das One-Way-Carsharing hat sich als Gegenentwurf zum stationsbezogenen Carsharing entwickelt, bei dem die Kunden ein Auto buchen, an einem Standort abholen und auch dort wieder abgeben müssen. Das klassische Modell gilt unter allen Experten als umweltfreundliche und verkehrspolitisch höchst attraktive Form der Autonutzung: Ein Carsharing-Auto ersetzt rund 16 private Fahrzeuge. Wie aber sieht die Bilanz des flexiblen Modells aus?

Das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) in Berlin verfolgt seit Beginn des Booms weltweit jede Bewegung der flexiblen Carsharing-Fahrzeuge – nicht der Nutzer. Erste Ergebnisse liegen jetzt vor. Die Analyse zeigt für alle Städte das gleiche Bild: Die höchste Nutzungsfrequenz findet sich an und um große Haltepunkte des öffentlichen Verkehrs, also an Bahnhöfen oder an großen Umsteigestationen. Je dichter das Stationsnetz für U- und S-Bahnen ist, umso häufiger werden die Fahrzeuge genutzt.

Man kann sogar sagen, dass sich das flexible Carsharing überhaupt nur dort entwickelt, wo ein starker Nahverkehr mit vielen Kunden existiert. Das lässt sich nicht nur in Berlin oder Wien sehr gut erkennen, sondern auch in US-amerikanischen und kanadischen Städten wie Washington oder San Diego, in Vancouver oder Calgary.

Das scheint auch völlig plausibel und hängt entscheidend mit den Tarifen zusammen. Denn so angenehm dieses neue Verkehrsmittel auch ist, es ist sehr teuer. Die Preise fangen bei 28 Cent pro Minute an und steigen bei einigen Anbietern auf bis zu 34 Cent. Das bedeutet: Eine Fahrt von zehn Minuten kostet schon mal zwischen 2,80 und 3,40 Euro, eine Stunde ist nicht unter 14,90 Euro zu haben. Zum Vergleich: Beim klassischen Carsharing wird für eine Stunde inklusive der in dieser Zeit zurückgelegten Kilometer weniger als acht Euro berechnet.