Deutsche AutoherstellerDer gefährliche Kunde China

Die deutschen Autohersteller glänzen in China, 40 Prozent aller verkauften VW gehen an chinesische Kunden. Doch die Abhängigkeit von Fernost birgt ein großes Risiko. von 

Alte Fernsehbilder aus chinesischen Großstädten scheinen einem Traum der Ökologiebewegung entsprungen zu sein. Auf Straßen, die vier und mehr Fahrspuren für jede Richtung haben, drängen sich Radfahrer, Autos sind kaum zu sehen. Die Wirklichkeit hat sich inzwischen ins Gegenteil verkehrt. Heute stehen die Chinesen im Stau, sie sitzen in ihrem Auto – und das kommt bevorzugt von einem deutschen Hersteller.

Der Erfolg von Volkswagen, Audi, Porsche, Mercedes und Smart sowie BMW mit Mini und Rolls-Royce in China ist gigantisch. 22 Prozent aller Autos, die im ersten Halbjahr im bevölkerungsreichsten Land der Erde verkauft wurden, stammen von diesen Marken. Dieser Boom ist Fluch und Segen zugleich.

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Nach einer Analyse des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen ist der chinesische Markt inzwischen beinahe genauso groß wie der US-amerikanische: 7,739 Millionen Autos wurden bis Ende Juni 2013 verkauft; in den USA waren es 7,789 Millionen. Zum Vergleich: In der EU wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 6,205 Millionen Autos abgesetzt, davon in Deutschland 1,503 Millionen.

Mit Ausnahme von Mercedes haben alle genannten deutschen Marken in China mehr Pkw verkauft als im Heimatmarkt. Deutsche Modelle haben eine überragende Strahlkraft. Eine Limousine soll es bitte sein, gerne von BMW, und noch lieber von Volkswagen. Niemand ist in der Volksrepublik so gut aufgestellt wie VW: 40 Prozent aller weltweit produzierten Volkswagen wurden von einem chinesischen Kunden geordert, errechnete das CAR.

Nur indirekte Arbeitsplatzeffekte

"Volkswagen erntet damit die Früchte des frühzeitigen Engagements", erklärt Hendrik Todte vom Beratungsunternehmen Berylls Strategy Advisors den Vorsprung. Jetzt zahlt sich aus, was der damalige VW-Vorstandsvorsitzende Carl H. Hahn in den achtziger Jahren angestoßen hat. 1984 wurde in Shanghai die spätere Shanghai Volkswagen Automotive Corporation gegründet, die damals die Fertigung des VW Santana aufnahm.

Der erfolgreiche Verkauf von VW-Fahrzeugen in China wirkt sich jedoch nur indirekt positiv auf die Arbeitsplätze in Deutschland aus. 94 Prozent aller in der Volksrepublik vertriebenen Volkswagen würden auch dort produziert, sagt Berater Todte. Selten werden komplette Autos aus dem VW-Konzern in China importiert, und das sind in erster Linie Modelle aus dem Luxussegment wie der Audi A8. Der läuft wie gehabt in Neckarsulm vom Band.

Allerdings ist laut Berylls die technische Entwicklung zu rund 70 Prozent in Deutschland angesiedelt. Zudem würden viele hochwertige Fahrzeugsysteme zwar in China zum endgültigen Auto montiert, kämen aber als vorgefertigte Komponenten aus Europa, sagt Todte.

Leserkommentare
  1. Jaja, die Herrn Wissenschaftler. Selten so einen Stumpfsinn gelesen. Was wäre denn die Alternative? So wie Opel es leider zeigen muß? Eingeschlossen auf dem heimischen Markt? Prost Mahlzeit. Ich hoffe der Herr Prof. Dr. Winterkorn macht sich einmal die Mühe und guckt sich andere Märkte an wo es ebenfalls lohnt zu investieren. Malaysia, Thailand, Indonesien, Singapur auf der einen Seite und die Türkei auf der anderen Seite sind ebenfalls Märkte, die man im Auge haben muß. Vorallem für Malaysia, Thailand haben die Wolfsburger geeignete Fahrzeuge im Programm, warum sie dort den Polo lokalisieren wissen sie wohl nur selber. Da könnte der Prof. Dr. Dudenhöffer einen Aufsatz drüber schreiben... schlechte Marktforschung. Toyota baut dort 500.000 Hillux jährlich und Volkswagen baut dort genau 0 Amarok. Mahlzeit.

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    • ManRai
    • 23. August 2013 15:34 Uhr

    CEO (Erlaubnis ein Auto zu kaufen) ca. S$78.000 und dann erst das Auto, Umsatz Luxusmarken (RR, B, AM, F, L...) zusammengebrochen und endlose Staus, die deutschen Autohersteller sollten mal herfleigen und sich das taegliche Leben ansehen

    "Was wäre denn die Alternative? So wie Opel es leider zeigen muß? Eingeschlossen auf dem heimischen Markt? "

    Opel kann man damit nicht vergleichen, denn es gehört nicht dem gleichnamigen Konzern, sondern General Motors (GM). Es würde keine Vorteile bringen, Opel nach China zu bringen, damit es dort die Fahrzeuge von Chevrolet gleicher Bauart verdrängt. Die Gewinne fließen nach Detroit, egal welche Konzern eigene Marke auf dem verkauften Fahrzeug steht.

  2. "Das Fahrrad, einst Symbol des erwachenden Riesen, könnte wieder populär werden." - In Deutschland. Es gibt nämlich immer mehr Leute im Niedriglohnsektor, die einfach nicht das Geld haben sich für 15.000 und mehr Euro ein Auto zu leisten. Man braucht als Paar ja auch zwei Autos, weil die Arbeitsstätten so weit voneinander entfernt sind.

    Der Drohung mit verschärften Abgasnormen bis zum Nullpunkt (Elektroauto) könnte die Autoindustrie gelassen entgegen sehen, wenn sie nicht in der EU gegen strengere Gesetze lobbyieren würde. Auch beim Elektroauto wird es so sein wie bei den Hybriden. Die deutsche Industrie wird kaum brauchbare Produkte auf den Markt werfen, die zu teuer sind.

    Was wir brauchen ist die Brennstoffzelle aber auch da winkt die Industrie ab. Ich sage für Wolfsburg nur: Willkommen in Detroit. Dann wird dieses Konstrukt des NS-Staates endlich einmal aufwachen.

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    • ManRai
    • 23. August 2013 15:34 Uhr

    CEO (Erlaubnis ein Auto zu kaufen) ca. S$78.000 und dann erst das Auto, Umsatz Luxusmarken (RR, B, AM, F, L...) zusammengebrochen und endlose Staus, die deutschen Autohersteller sollten mal herfleigen und sich das taegliche Leben ansehen

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Pseudo Wissenschaftler"
  3. China die 'gelbe Gefahr'... könnte die Überschrift lauten
    - Eine Garantie für etwas gibt es nirgends
    - China schützt die Interessen des Volkes, das könnten wir denen nachmachen

    Des Weiteren ist bekannt, dass das christlich-jüdische Abendland am Abgrund ist.

    http://www.youtube.com/watch?v=BZn23vuCXXc

    Deutsche aufs Velo und Chinesen fahren VW!! Ist doch allen längst bekannt, dass es so kommen wird!

    Da sage

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  4. Für China geht die Rechnung auf. Deutsche Premiumhersteller werden aber mit chinesischen Forderungen zum kostenlosen Technologietransfer konfrontiert. Sie müssen darauf eigehen, weil sonst ihr Absatz im Reich der Mitte gefährdet ist, trotz lokalem Fertigungsanteil.
    Das geschieht dann (wie im Fall BMW) über ein erzwungenes Joint Venture, für das in Deutschland ein Auto in kürzester Zeit (18 Monate!)vollständig entwickelt werden muß, mit vollständigem know-how transfer zum Nulltarif an die chinesischen Partner. Das neue Auto ist dann eine neue chinesische Marke, made in China, etc etc.. Na denn Prost.

  5. getan hat, also wenn die chinesischen Firmen von den deutschen Premiummarken gelernt haben wie es geht, dann braucht man ihn nicht mehr. Dann werden die chinesischen Staatsmegakonzerne die deutsche Konkurrenz einfach verdrängen oder, noch besser, schlucken, so wie es die Solarbranche schon hinter sich hat. Zwerge, vor allem solche, die sich partout dafür halten, sollten sich nicht von Riesen abhängig machen.

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  6. wenn eh die ganzen Autos in China für den chinesischen Markt hergestellt werden und die Einnahmen dort wahrscheinlich versteuert werden, gähn......

    • Radeba
    • 23. August 2013 17:57 Uhr

    大众汽车 heisst Volkswagen:)
    [...]
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  • Schlagworte China | Volkswagen | BMW | Audi | Mercedes | Autohersteller
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