ElektroautoDer Einsitzer aus der Hochschule

Neben den Autokonzernen entwickeln auch Unis Elektroautos. Die TU Chemnitz ist an einem Stromer beteiligt, der vor allem eine Zielgruppe ansprechen soll. von Walther Wuttke

Das Einsitzer-Elektroauto Colibri

Das Einsitzer-Elektroauto Colibri  |  © IMA

Die deutschen Universitäten entwickeln sich zu Ateliers der Elektromobilität. Nach dem Streetscooter der Technischen Hochschule Aachen und dem an der TU München entwickelten Mute kommt demnächst der elektrisch betriebene Einsitzer Colibri des Unternehmens Innovative Mobility Automobile (IMA) auf die Straßen. An der Entwicklung des E-Mobils ist die Technische Universität Chemnitz beteiligt: Die Mitarbeiter am Lehrstuhl für Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung entwarfen die Innenausstattung. Das Projekt wurde vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Der Colibri ist 2,75 Meter lang, gerade einmal 1,30 Meter hoch und 1,18 Meter breit. Trotz der kompakten Abmessungen bietet der Flitzer einen durchaus großzügigen Innenraum, in dem der einzige Sitz fest und tief montiert ist. Diese Sitzposition wurde gewählt, um den Fahrer im Falle eines seitlichen Aufpralls optimal zu schützen. Mit einem speziellen Hubmechanismus wird die Sitzfläche nach oben und unten bewegt, um das Ein- und Aussteigen zu erleichtern.

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Die Pedale und das Lenkrad lassen sich für Fahrer mit einer Körpergröße zwischen 1,58 und 1,98 Meter optimal einstellen. Im Kofferraum reicht der Platz für zwei Getränkekisten und eine Tasche. Nicht viel, aber für ein Stadtauto ausreichend. Die Bedienung des Fahrzeugs basiert auf einer Tablet-Lösung, sodass sich der Colibri problemlos aus der Ferne steuern lässt. Der Fahrer kann zum Beispiel das Fahrzeug nach seinen Wünschen klimatisieren, den aktuellen Ladezustand abrufen oder den Standort feststellen.

Den Antrieb übernehmen zwei TwinDrive-Motoren, die insgesamt 24 kW (33 PS) leisten. Die Triebwerke stammen von dem Unternehmen CTM, das sich auf extrem kompakte Motoren spezialisiert hat. Laut CTM sind die Motoren nicht größer als eine Coladose. Sie beschleunigen den Colibri auf maximal 120 km/h.

Magnesium macht den Wagen leichter

Als Energiespeicher dient eine Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie mit einer Kapazität von 6,5 Kilowattstunden. Rund sechs Kilowattstunden Strom braucht der Wagen den Entwicklern zufolge auf 100 Kilometer. Zum Vergleich: Der Smart electric drive erreicht einen Normwert von 15,1 Kilowattstunden je 100 Kilometer. Für den Colibri ergibt sich somit eine potenzielle Reichweite von 110 Kilometern. Zwei Stunden soll es dauern, den Akku an einer Haushaltssteckdose wieder vollzuladen; an einer Ladesäule sollen nach 20 Minuten 80 Prozent der Kapazität wieder zur Verfügung stehen.

Neben der kompakten Größe trägt auch der Leichtbaurahmen auf Magnesium-Stahl-Basis zu dem günstigen Verbrauchswert bei. Trotz der Leichtbauweise sind die Entwickler davon überzeugt, dass der Einsitzer als erstes Modell seiner Klasse den EURO-NCAP-Crashtest bestehen wird.

2016 soll nach den Planungen von IMA der Colibri auf den Markt kommen. Das Unternehmen verspricht einen Preis von weniger als 10.000 Euro plus Miete für den Akku. Neben Privatkunden avisieren die Verantwortlichen vor allem Flottenbetreiber wie Kommunen und Carsharing-Unternehmen. Nach Berechnungen des Herstellers spart zum Beispiel ein Carsharing-Anbieter, der in seiner Flotte von 800 Fahrzeugen 250 Colibri einsetzt, wegen geringerer Mobilitätskosten bis zu 475.000 Euro im Jahr.

Das Tablet im Innenraum bewährt sich dann auch für den Carsharing-Kunden: Er kann sich beispielsweise über eine voreingestellte Route zum Bahnhof führen lassen, wo er zuvor einen Parkplatz reserviert hat, und dort in den Zug umsteigen.

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Leserkommentare
  1. ... bietet besondere "Übersicht" im Straßenverkehr. :-/

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    • porph
    • 13. August 2013 9:20 Uhr

    Sie haben Recht, aber eigentlich ist das im Gesamtkontext gesehen eine positive Entwicklung. Da die meisten Menschen gerne aufrecht im Auto sitzen möchten, ist die Tieferlegung der eigentlichen Sitzfläche so ziemlich die einzige Möglichkeit, die Gesamthöhe eines Autos zu verringern. Und die Gesamthöhe ist (neben der Breite) einer der entscheidensten Faktoren des Luftwiderstandes bei höheren Geschwindigkeiten, und damit direkt des Energieverbrauchs.

    Es ist richtig, dass es in den letzten Jahren leider eine Entwicklung im Strassenverkehr gab, die völlig in die andere Richtung ging. Das betrifft insbesondere SUVs, die einfach nur höher sind, ohne tatsächlich bedeutend mehr Innenraufreiheit zu bieten als gewöhnliche Fahrzeuge ohne "Höherlegung". Diese Fahrzeuge sind das eigentliche Übersichtlichkeitsproblem im Strassenverkehr, da sie die Sicht auf andere Verkehrsteilnehmer blockieren. Beschilderungen, Strassenverläufe, etc. sind praktisch immer auch von einer niedrigeren Sitzposition aus gut erkennbar - wenn eben kein übermässig hohes Auto vor einem fährt...

    bei den meisten anderen Verkehrsteilnehmern unten durch gucken.

  2. Man hätte die Karosserie bestimmt steifer bauen können, wenn man auf den Show-Effekt einer Flügeltür verzichtet.

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    Was ist den das schon wieder für ein Beißreflex?
    Flügeltür = Supersportwagen = Prollkarre oder wie?
    Mal angenommen, man will den Fahrer während der Fahrt tief platzieren, um Stirnfläche zu sparen. Ferner angenommen, man verwendet dazu einen absenkbaren Sitz, damit der Einstieg nicht nur Schlangenmenschen möglich ist, sondern auch solchen, die "Rücken" haben (damit die sich nämlich nicht schon wieder ein böses, böses SUV kaufen). Jetzt mal scharf nachdenken: Wo wird sich wohl beim Einstieg der Kopf des Fahrers befinden? Ober- oder unterhalb der Dachlinie? Wie muß folglich die Tür gestaltet sein?

    • Quas
    • 13. August 2013 10:15 Uhr

    dass Unis verstärkt eigene Projekte oder in Kooperation vorantreiben.

    Mir erschließt sich jedoch der Sinn eines Einsitzers nicht so ganz. Soll das Fahrzeug nur für Mietangebote benutzt werden?
    Privat brauche ich mindestens zwei Sitze und würde mir so ein Gefährt niemals zulegen.

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    >>Mir erschließt sich jedoch der Sinn eines Einsitzers nicht so ganz. Soll das Fahrzeug nur für Mietangebote benutzt werden?
    Privat brauche ich mindestens zwei Sitze und würde mir so ein Gefährt niemals zulegen.<<

    Dann denken Sie mal über ihr Leben hinaus. Mir erschließt sich der Sinn schon, so als Single. So ein Gefährt würde für die gelegentliche Fahrt in die Stadt völlig ausreichen. Nicht alle Dinge lassen sich per Fahrrad nämlich ordentlich transportieren. Und es gibt viele Single-Haushalte in unserer Republik.

    Die anderen Einwände verstehe ich stellenweise nicht so ganz: einem tiefsitzenden Fahrer Übersicht zu verschaffen ist ein Problem, das jeder Sportwagenhersteller kennt. Ich finde es gut, daß die Entwickler hier mal mitgedacht haben, ich komme nämlich auf deutlich über 190cm Körperlänge und würde in einem normalen Auto dieses Zuschnitts sitzen wie der Affe auf dem Schleifstein.

    Auch das Schließen der Flügeltür sollte wohl kein Problem sein, wenn man 1,58m groß ist - ich vermute mal, da drückt man im Innenraum auf das Tablet-Display, an der Stelle, an der "Tür schließen" steht ;-)

    Wenn sich sowas zu einem vernünftigen Preis und innerhalb eines Gesamtkonzepts anbieten läßt, werden sich Car-Sharing-Unternehmen in großen Städten sicher dafür interessieren. Ich denke, der Erstkontakt mit einem Stromer wird in Zukunft oft über Car-Sharing erfolgen.

    • c2j2
    • 14. August 2013 6:24 Uhr

    kwT

  3. bei den meisten anderen Verkehrsteilnehmern unten durch gucken.

    4 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hochschule | Akku | Elektroauto | Elektromobilität
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