Die deutschen Universitäten entwickeln sich zu Ateliers der Elektromobilität. Nach dem Streetscooter der Technischen Hochschule Aachen und dem an der TU München entwickelten Mute kommt demnächst der elektrisch betriebene Einsitzer Colibri des Unternehmens Innovative Mobility Automobile (IMA) auf die Straßen. An der Entwicklung des E-Mobils ist die Technische Universität Chemnitz beteiligt: Die Mitarbeiter am Lehrstuhl für Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung entwarfen die Innenausstattung. Das Projekt wurde vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Der Colibri ist 2,75 Meter lang, gerade einmal 1,30 Meter hoch und 1,18 Meter breit. Trotz der kompakten Abmessungen bietet der Flitzer einen durchaus großzügigen Innenraum, in dem der einzige Sitz fest und tief montiert ist. Diese Sitzposition wurde gewählt, um den Fahrer im Falle eines seitlichen Aufpralls optimal zu schützen. Mit einem speziellen Hubmechanismus wird die Sitzfläche nach oben und unten bewegt, um das Ein- und Aussteigen zu erleichtern.

Die Pedale und das Lenkrad lassen sich für Fahrer mit einer Körpergröße zwischen 1,58 und 1,98 Meter optimal einstellen. Im Kofferraum reicht der Platz für zwei Getränkekisten und eine Tasche. Nicht viel, aber für ein Stadtauto ausreichend. Die Bedienung des Fahrzeugs basiert auf einer Tablet-Lösung, sodass sich der Colibri problemlos aus der Ferne steuern lässt. Der Fahrer kann zum Beispiel das Fahrzeug nach seinen Wünschen klimatisieren, den aktuellen Ladezustand abrufen oder den Standort feststellen.

Den Antrieb übernehmen zwei TwinDrive-Motoren, die insgesamt 24 kW (33 PS) leisten. Die Triebwerke stammen von dem Unternehmen CTM, das sich auf extrem kompakte Motoren spezialisiert hat. Laut CTM sind die Motoren nicht größer als eine Coladose. Sie beschleunigen den Colibri auf maximal 120 km/h.

Magnesium macht den Wagen leichter

Als Energiespeicher dient eine Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie mit einer Kapazität von 6,5 Kilowattstunden. Rund sechs Kilowattstunden Strom braucht der Wagen den Entwicklern zufolge auf 100 Kilometer. Zum Vergleich: Der Smart electric drive erreicht einen Normwert von 15,1 Kilowattstunden je 100 Kilometer. Für den Colibri ergibt sich somit eine potenzielle Reichweite von 110 Kilometern. Zwei Stunden soll es dauern, den Akku an einer Haushaltssteckdose wieder vollzuladen; an einer Ladesäule sollen nach 20 Minuten 80 Prozent der Kapazität wieder zur Verfügung stehen.

Neben der kompakten Größe trägt auch der Leichtbaurahmen auf Magnesium-Stahl-Basis zu dem günstigen Verbrauchswert bei. Trotz der Leichtbauweise sind die Entwickler davon überzeugt, dass der Einsitzer als erstes Modell seiner Klasse den EURO-NCAP-Crashtest bestehen wird.

2016 soll nach den Planungen von IMA der Colibri auf den Markt kommen. Das Unternehmen verspricht einen Preis von weniger als 10.000 Euro plus Miete für den Akku. Neben Privatkunden avisieren die Verantwortlichen vor allem Flottenbetreiber wie Kommunen und Carsharing-Unternehmen. Nach Berechnungen des Herstellers spart zum Beispiel ein Carsharing-Anbieter, der in seiner Flotte von 800 Fahrzeugen 250 Colibri einsetzt, wegen geringerer Mobilitätskosten bis zu 475.000 Euro im Jahr.

Das Tablet im Innenraum bewährt sich dann auch für den Carsharing-Kunden: Er kann sich beispielsweise über eine voreingestellte Route zum Bahnhof führen lassen, wo er zuvor einen Parkplatz reserviert hat, und dort in den Zug umsteigen.