Enzo FerrariDer Mythosmacher

Als Kind wollte er Opernsänger werden – heute verbinden alle seinen Namen mit Geschwindigkeit und Luxus: Enzo Ferrari. Vor 25 Jahren starb der Unternehmer. Ein Porträt von 

Aceto di Balsamico, Lambrusco – und Metallbearbeitung: Das sind die Spezialitäten der Region um Modena in Norditalien. Auch Alfredo Ferrari arbeitete als Schlosser. Ob es an der vielen Arbeit lag oder am hohen Schnee im Winter 1897/1898: Er schaffte es erst zwei Tage nach der Geburt seines zweiten Sohnes Enzo Anselmo zum Standesamt; in Enzos Geburtsurkunde steht der 20. Februar, geboren ist er am 18. Februar.

Alfredo Ferraris Hauptauftraggeber war die Eisenbahn, seine Schlosserwerkstatt in Modena ist seit 2012 ein Museum. 1905 konnte er sich ein Auto leisten, einen Einzylinder des französischen Herstellers De Dion-Bouton. Darin kutschierte er Enzo und dessen älteren Bruder Alfredo, genannt Dino, zu Autorennen in der Umgebung. Enzo wollte Operntenor werden, Sportjournalist – oder Rennfahrer. Erst einmal lernte er das Handwerk des Vaters.

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Vater und Bruder kehrten aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurück, Enzo kam krank von den Gebirgsjägern nach Hause. 1918 bewarb er sich als Werksfahrer bei Fiat in Turin, vergeblich. Stattdessen fuhr Ferrari für einen Turiner Autohändler ausgemusterte Militärfahrzeuge zum Ausschlachten. Hier lernte er Ugo Sivocci kennen, einen Automechaniker und Radrennfahrer aus Mailand. Zusammen heuerten sie bei den Costruzioni Meccaniche Nazionali (CMN) an, einem Mailänder Autohersteller.

Ferrari wurde Testfahrer und durfte bald an Rennen teilnehmen. Er wechselte zu Alfa Romeo und wurde 1920 Zweiter bei der Targa Florio, einem der bedeutendsten Rennen Europas. Doch größer als sein fahrerisches Talent waren offenbar seine Führungsqualitäten als Chef der Alfa-Motorsportabteilung. Ein bequemer Vorgesetzter war er allerdings nicht: Er wurde Il Drago genannt, der Drache.

Rennstall mit Geld aus der Textilbranche

Bei einem Abendessen in Bologna am 16. November 1929 gelang es Enzo Ferrari, die Textilfabrikanten Augusto und Alfredo Caniato und den reichen Amateurfahrer Mario Tadini als Finanziers für seinen eigenen Rennstall zu gewinnen: die Scuderia Ferrari. Von 1932 an fuhr Ferrari selbst keine Rennen mehr; seine Frau, die Tänzerin Laura Garello, bekam ein Kind. Sein Fahrer Tazio Nuvolari hängte 1935 auf dem Nürburgring im Alfa Romeo P3 die deutsche Konkurrenz von Auto Union und Mercedes ab – vor den Augen eines erzürnten Adolf Hitler.

1938 gründete Alfa eine eigene Rennabteilung, die Ferrari allerdings nur kurzzeitig leitete; er warf bald hin. Eine Vereinbarung verbot ihm allerdings, den Namen Ferrari für Fahrzeuge oder im Zusammenhang mit Rennen zu verwenden. So gründete Enzo noch im selben Jahr im alten Hauptquartier der Scuderia in der Via Trento e Trieste in Modena die Firma Auto Avio Costruzioni (AAC).

AAC war dabei, als 1940 ein letztes Mal die Mille Miglia gefahren wurde, bevor Italien in den Zweiten Weltkrieg eintrat. Zwei AAC Tipo 815 mit 1,5 Liter großen Achtzylindermotoren fuhren das klassische Straßen-Langstreckenrennen. Einen hatte Ferrari für den Grafen von Modena gebaut, im anderen saß Alberto Ascari. Es war das erste Autorennen des späteren 13-fachen Grand-Prix-Siegers. Beide mussten wegen Motorenproblemen abbrechen.

Leserkommentare
  1. Jeremy Clarkson über Ferrari:

    "Ferrari, das ist für mich eine abgespeckte Version von Gott."

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