Dann und wann mal eine Aufklärungsaktion der Polizei vor der Dorfdisco, ein warnend erhobener Zeigefinger von Politikerseite – bisher hat sich wenig getan, um das seit Jahrzehnten bekannte Problem der Hochrisikogruppe Fahranfänger anzugehen. Dabei weiß man seit Langem, dass junge Autofahrer die am meisten gefährdete Gruppe unter den Verkehrsteilnehmern sind. Nur jeder zwölfte Deutsche zählt zu den 18- bis 25-Jährigen, im Straßenverkehr kommt laut Deutscher Verkehrswacht (DVW) aber jeder fünfte Getötete und Verletzte aus dieser Altersgruppe.

Nun kommt neue Bewegung in die Sache – schließlich haben Länder wie Österreich in der Zwischenzeit bewiesen, dass sich etwas gegen das Problem machen lässt. In Österreich wurde die Fahrausbildung renoviert: Neu ist die Mehrphasigkeit, ein Fahrschüler wird nach dem Erhalt der Fahrerlaubnis nicht einfach so in die Verkehrswelt entlassen.

Schließlich ist das größte Problem der jungen Fahrer die gefährliche Kombination aus Unerfahrenheit bei gleichzeitiger Risikobereitschaft. Man kann hohe Geschwindigkeiten noch nicht einschätzen, kostet sie aber gern einmal aus. Man hat noch nie erlebt, wie riskant Müdigkeit am Lenkrad ist, setzt sich daher auch noch nach langer Tanznacht hinter das Lenkrad.

"Das sind ja nicht alles Rowdys"

Die Österreicher versuchen, die Unerfahrenheit zu beheben durch eine sogenannte Rückmeldungsfahrt und ein spezielles Fahrsicherheitstraining, das die Anfänger absolvieren müssen. Darin erleben die Neulinge vor allem, dass es Fahrsituationen gibt, die sich schwer oder gar nicht kontrollieren lassen. Das alles ist zudem mit einem Gespräch mit den Ausbildern kombiniert.

Die Ergebnisse sind beachtlich, berichtet der Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino vom ADAC. "Man hat einen Unfallrückgang in dieser Altersgruppe um bis zu 30 Prozent erreicht. Vor allem die besonders gefährlichen Alleinunfälle ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer sind um mehr als 60 Prozent zurückgegangen."

Chiellino nimmt die jungen Fahrer in Schutz: "Das sind ja nicht alles Rowdys, sie sind einfach jung und unerfahren." Was vor allem dann zu einem Problem wird, wenn sie die ersten Male allein fahren dürfen und die damit verbundene Euphorie erleben. Nicht umsonst gelten die ersten 10.000 Kilometer in einem Autofahrerleben als die gefährlichsten. "Diese Zeit und das euphorische Gefühl muss man begleiten und eventuell auffangen", fordert der ADAC-Fachmann. Er kritisiert zudem, dass Lehrer in der Schule oft nicht genügend geschult sind, um Jugendliche schon früh auf die Probleme des Verkehrsalltags vorzubereiten.