Mifa-Chef Peter Wicht"Es gibt einen Trend zum Zweitrad"

Der deutsche Fahrradmarkt ist gesättigt, sagt Peter Wicht, Chef des Fahrradherstellers Mifa. Im Interview erklärt er, wie sich mit Rädern dennoch Geld verdienen lässt. von Alfons Frese

Frage: Herr Wicht, haben Sie das kalte und nasse Frühjahr gut überstanden?

Peter Wicht: Wir haben schon unter dem langen Winter gelitten. Doch mit dem Halbjahr bin ich sehr zufrieden. Trotz eines wie geplant geringeren Absatzes haben wir unseren Umsatz gesteigert. Der Trend zu höherwertigen Produkten und zur Marke macht sich bemerkbar.

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Frage: Die traditionelle Mifa-Strategie mit Billigprodukten für Discounter und Baumärkte hat sich überlebt?

Wicht: Nein, der Vertrieb von Fahrrädern im Preiseinstiegssegment bleibt unser Brot-und-Butter-Geschäft, das uns im Einkauf und bei der Produktionseffizienz stark macht. Allerdings bedienen wir mit unseren Eigenmarken Grace und Steppenwolf nun verstärkt höhere Preissegmente. Die großen Discounter haben Marktanteile verloren, da die Kunden beim Fahrradkauf preisbereiter werden.

Karriere

Peter Wicht (57) studierte Betriebswirtschaft und Ingenieurwissenschaften in Ilmenau. Mit 26 wurde er Leiter der Gießerei im Kombinat Robotron, später Direktor für Produktion. 1996 übernahm er die Mitteldeutsche Fahrradwerke GmbH. Wicht hält rund ein Viertel an der seit 2004 börsennotierten Mifa und führt sie als alleiniges Vorstandsmitglied.

Unternehmen

Mifa mit Sitz in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) hat im ersten Halbjahr 400.000 Fahrräder verkauft. Mit den 2012 übernommenen Marken Steppenwolf und Grace soll das Billigimage überwunden werden. Größter Aktionär (28 Prozent) ist der frühere Finanzunternehmer (AWD) Carsten Maschmeyer.

Frage: Und wie entwickeln die sich?

Wicht: Die E-Bike-Marke Grace ist das erste Jahr voll auf dem Markt. Hier werden wir die Stückzahlen auch im Ausland deutlich erhöhen. Für die Premiummarke Steppenwolf haben wir eine neue Marketingstrategie und ein neues Design entwickelt. Für beide Marken erwarten wir in den kommenden Jahren saftige Umsatzsteigerungen.

Frage: Was ist der Unterschied zwischen einem Steppenwolf für 800 Euro und einem Discounter-Fahrrad für 150 Euro?

Wicht: Natürlich sind die Margen im Fachhandel höher, dort gibt es auch keine Preisgrenzen nach oben. Aber auch die Fahrräder im Discounter sind von hoher Qualität. Der große Unterschied liegt im Einsatz der Komponenten. Ein Shimano-Schaltwerk etwa kann 15 Euro kosten oder 200 Euro.

Frage: Der Durchschnittspreis für ein neues Rad ist seit 2009 von 446 auf 513 Euro gestiegen. Geht der Trend zum Hochpreisrad?

Wicht: Jein. Es gibt nach wie vor den Standardnutzer, der nur 150 oder 200 Euro ausgeben will. Hier liegt unser Vorteil, weil wir in Sangerhausen die effizienteste Produktion haben und deshalb auch Fahrräder im Preiseinstiegsbereich anbieten können. Mit unseren Eigenmarken wie Steppenwolf bedienen wir das höhere Preissegment, das günstigste Rad kostet schon 500 Euro.

Frage: Gut 70 Millionen Räder gibt es in Deutschland, jedes Jahr werden vier Millionen neu verkauft. Wie viel Potenzial hat der Markt?

Wicht: Der Markt ist seit vielen Jahren gesättigt. 1991 hat man in Deutschland mehr als sechs Millionen Räder verkauft, weil damals Mountainbikes auf den Markt kamen und weil die Ostdeutschen ein Rad mit Shimano-Schaltung fahren wollten. Seit Mitte der 90er Jahre liegt das Volumen konstant bei rund vier Millionen Rädern.

Leserkommentare
  1. Zu DDR-Zeiten studierte keiner Betriebswirtschaft sondern bestenfalls sozialistische Betriebswirtschaft.

    1996 haben wir angefangen .... irgendwann gibt es auch eine Dividende (2012: 110 Mio. Umsatz und so ca. 1% Umsatzrendite) ....
    unsere Aktionäre verstehen dass ...
    Peter Wicht und Familie 24,0%
    Carsten Maschmeyer und Familie 27,5%

    2 Leserempfehlungen
  2. und die MIFA-Räder sind technisch und auch optisch wirklich Jahre hinterher.

    Gut, sie bedienen auch den absoluten Billigmarkt, aber ich würde die Räder, die ich so auf der Homepage gesehen habe, höchstens einem unambitionierten Einsteiger empfehlen. Aber auch nur sehr eingeschränkt.

    Wir verkaufen wirklich mehrere Räder pro Monat, die 3000 und nicht selten deutlich mehr kosten. Der Markt scheint nicht allzu gesättigt. Die Leute rennen uns auch bei hochwertigem Zubehör die Bude ein!

    Steppenwolf spielt in der Szene überhaupt keine Rolle und die Grace-Räder sind sehr pannenanfällig und extrem wartungsinstensiv. Das kann der Kunde auch selten zuhause machen, selbst ein Platter muss im Prinzip von kundigen Händen behandelt werden. Zudem sind die wirklich teuer (bis zu 9.000 € oder so) und wiegen 30 Kilo!

    7 Leserempfehlungen
  3. Auf den Mifa-Websites steht was von der Übernahme des Premiumherstellers Steppenwolf.
    Allerdings hat der Premiumhersteller da schon 3 Wochen zuvor den Insolvenzantrag gestellt gehabt.

    Wäre irgendwie interessanter zu erfahren, was sich da seitdem verbessert hat ?

    Und dieses Zitat von Mifa : ...Die Räder werden ausschließlich in Deutschland produziert und über den qualifizierten Fachhandel verkauft....

    Das bedeutet nich annähernd das, was üblicher Weise als Produktion bei Radherstellern gilt. Das liegt allerdngs nicht an Mifa, so untypisch war's schon mindestens ein Jahrzehnt zuvor bei Steppenwolf.

    Eine Leserempfehlung
  4. Wirklich! Kenne viele Kunden, die sich nach einem MTB und dem zweiten noch ein drittes hochwertiges kaufen und sich dann evtl. noch ein gutes Rennrad oder ein schickes Reise- oder Trekkingrad aufbauen.

    So kommt man schnell auf einen Wert von manchmal locker 10.000 € in der Garage! Und es ist wirklich keine Seltenheit. Sogar Studenten fahren Böcke für einen Preis, der jede Vorstellung sprengt!

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    • porph
    • 19. August 2013 17:02 Uhr

    Die Vorstellungen beim Preis werden wohl vor allem deshalb gesprengt, weil manche Menschen Vorstellungen haben, die sich mit der Realität nur schwer in Einklang bringen lassen. Anders formuliert: Manche Menschen würden einen Fahrradbesitzer bereits als "Spinner" bezeichnen, wenn dieser mehr als 500 € für sein Rad ausgegeben hat. Das finde ich etwas lächerlich. Man muss sich doch nur mal die häufigsten Nutzungsszenarien für hochwertige Räder anschauen:

    1). Das Rad wird als Alltags-Verkehrsmittel genutzt. Damit dient es z.B. zum Pendeln, eventuell auch für Einkäufe und ersetzt im besten Fall sogar ein Auto komplett. Viel Geld für ein Auto auszugeben, erscheint den meisten Menschen aber gar nicht seltsam, sondern normal.

    2). Das Rad wird als Sportgerät genutzt. Spätestens hier erübrigen sich sowieso "rationale" Argumente in Punkto Preis, da Sport ein Hobby darstellt und für Hobbys nunmal "irrational" viel Geld ausgegeben wird. Viele Sportgeräte sind bedeutend teurer als sogar sehr hochwertige Fahrräder.

    Davon abseits möchte ich folgendes zu Bedenken geben: Wenn man sich auf ein Fahrrad setzt und dieses bewegt, setzt man sich potentiell sehr großen Gefahren für Leib und Leben aus. Wenn diese Gefährdung durch Investition von etwas Geld, etwa um ausfallsicherere Komponenten, besser haftende Reifen, zuverlässigere Bremsen usw. zu erhalten, minimiert werden kann, dann ist das ein sogar überaus rationaler Grund, oder?

    Also mein Fazit: Hochpreisige Räder haben schon ihren Sinn...

    • porph
    • 19. August 2013 17:02 Uhr

    Die Vorstellungen beim Preis werden wohl vor allem deshalb gesprengt, weil manche Menschen Vorstellungen haben, die sich mit der Realität nur schwer in Einklang bringen lassen. Anders formuliert: Manche Menschen würden einen Fahrradbesitzer bereits als "Spinner" bezeichnen, wenn dieser mehr als 500 € für sein Rad ausgegeben hat. Das finde ich etwas lächerlich. Man muss sich doch nur mal die häufigsten Nutzungsszenarien für hochwertige Räder anschauen:

    1). Das Rad wird als Alltags-Verkehrsmittel genutzt. Damit dient es z.B. zum Pendeln, eventuell auch für Einkäufe und ersetzt im besten Fall sogar ein Auto komplett. Viel Geld für ein Auto auszugeben, erscheint den meisten Menschen aber gar nicht seltsam, sondern normal.

    2). Das Rad wird als Sportgerät genutzt. Spätestens hier erübrigen sich sowieso "rationale" Argumente in Punkto Preis, da Sport ein Hobby darstellt und für Hobbys nunmal "irrational" viel Geld ausgegeben wird. Viele Sportgeräte sind bedeutend teurer als sogar sehr hochwertige Fahrräder.

    Davon abseits möchte ich folgendes zu Bedenken geben: Wenn man sich auf ein Fahrrad setzt und dieses bewegt, setzt man sich potentiell sehr großen Gefahren für Leib und Leben aus. Wenn diese Gefährdung durch Investition von etwas Geld, etwa um ausfallsicherere Komponenten, besser haftende Reifen, zuverlässigere Bremsen usw. zu erhalten, minimiert werden kann, dann ist das ein sogar überaus rationaler Grund, oder?

    Also mein Fazit: Hochpreisige Räder haben schon ihren Sinn...

    8 Leserempfehlungen
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    Qualitativ hochwertige auch! Dennoch, für ein Rad 5.000 € auszugeben, ist keine Seltenheit!

    "1). Das Rad wird als Alltags-Verkehrsmittel genutzt. Damit dient es z.B. zum Pendeln, ..."

    Und genau dafür braucht man schon mal zwingend ein Back-up, wenn man nicht alle Ersatzteile selbst bevorraten möchte, was ja in der Summe ebenfalls ein zweites Fahrrad bedeuten würde. Wer also Ernst macht, hat auf jeden Fall ein zweites Fahrrad. Ob das Dritte und Vierte dann unbedingt auch noch sein müssen, darüber kann man meinetwegen streiten - muß man aber nicht.

    subj. Steppenwolf: Vor 10 - 15 Jahren waren das mal richtig interessante Fahrräder (MTB). In der Folge gings aber immer weiter bergab, wurde immer langweiliger, und den Nimbus einer Premium-Marke hatten die lange vor der Insolvenz schon verloren.

    subj. Mifa: Die Tatsache, daß sich ein derartiger Billigheimer ausgerechnet in Deutschland hält, finde ich beunruhigend bis erschreckend. Bei Licht betrachtet werden da zwar nur irgendwo in der Welt produzierte Billigkomponenten zusammengenagelt, aber allein daß dieses Zusammennageln in Deutschland gewinnbringend möglich ist, sagt 'ne Menge über den Produktionsstandort und das Lohnniveau im internationalen Vergleich.
    Das muß man sich mal reintun: D_i_e krisensichere Getriebenabe, really "made in Germany" und erste Wahl für den Ganzjahres-Allwetter-Fahrer, kostet alleine schon 1.000,-€. Bei Mifa bekommt man für dieses Geld FÜNF komplette Fahrräder!

    "Viel Geld für ein Auto auszugeben, erscheint den meisten Menschen aber gar nicht seltsam, sondern normal."

    Recht haben Sie. Dazu kommt, daß teilweise schon das Geld für die Sonderaustattung (nächst stärkerer Motor, andere Felgen, Leder, Navi, Sitzheizung,...) gleich für mehrere Fahrräder reichen würde.

  5. Wie sagte man früher bei uns so schön: Wer Mifa fährt, fährt nie verkehrt, weil Mifa überhaupt nicht [selbst beenden bitte, danke]. :-D

    @topic: Ein Zweitrad ist immer praktisch: Wenn das Erstrad kaputt ist. Um im Winter ein Rad mit Spikes vorhalten zu können. Wenn Besuch kommt. Damit Diebe verwirrt sind aufgrund von Entscheidungsschwierigkeiten.

    4 Leserempfehlungen
  6. Qualitativ hochwertige auch! Dennoch, für ein Rad 5.000 € auszugeben, ist keine Seltenheit!

  7. wenn der autor meint fuer 500 euro ein hochwertiges rad zu bekommen ist er auf dem holzweg. das sind raeder fuer leute die 2x im jahr bei sonnenschein 25 kilometer fahren.

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