Frage: Herr Wicht, haben Sie das kalte und nasse Frühjahr gut überstanden?

Peter Wicht: Wir haben schon unter dem langen Winter gelitten. Doch mit dem Halbjahr bin ich sehr zufrieden. Trotz eines wie geplant geringeren Absatzes haben wir unseren Umsatz gesteigert. Der Trend zu höherwertigen Produkten und zur Marke macht sich bemerkbar.

Frage: Die traditionelle Mifa-Strategie mit Billigprodukten für Discounter und Baumärkte hat sich überlebt?

Wicht: Nein, der Vertrieb von Fahrrädern im Preiseinstiegssegment bleibt unser Brot-und-Butter-Geschäft, das uns im Einkauf und bei der Produktionseffizienz stark macht. Allerdings bedienen wir mit unseren Eigenmarken Grace und Steppenwolf nun verstärkt höhere Preissegmente. Die großen Discounter haben Marktanteile verloren, da die Kunden beim Fahrradkauf preisbereiter werden.

Frage: Und wie entwickeln die sich?

Wicht: Die E-Bike-Marke Grace ist das erste Jahr voll auf dem Markt. Hier werden wir die Stückzahlen auch im Ausland deutlich erhöhen. Für die Premiummarke Steppenwolf haben wir eine neue Marketingstrategie und ein neues Design entwickelt. Für beide Marken erwarten wir in den kommenden Jahren saftige Umsatzsteigerungen.

Frage: Was ist der Unterschied zwischen einem Steppenwolf für 800 Euro und einem Discounter-Fahrrad für 150 Euro?

Wicht: Natürlich sind die Margen im Fachhandel höher, dort gibt es auch keine Preisgrenzen nach oben. Aber auch die Fahrräder im Discounter sind von hoher Qualität. Der große Unterschied liegt im Einsatz der Komponenten. Ein Shimano-Schaltwerk etwa kann 15 Euro kosten oder 200 Euro.

Frage: Der Durchschnittspreis für ein neues Rad ist seit 2009 von 446 auf 513 Euro gestiegen. Geht der Trend zum Hochpreisrad?

Wicht: Jein. Es gibt nach wie vor den Standardnutzer, der nur 150 oder 200 Euro ausgeben will. Hier liegt unser Vorteil, weil wir in Sangerhausen die effizienteste Produktion haben und deshalb auch Fahrräder im Preiseinstiegsbereich anbieten können. Mit unseren Eigenmarken wie Steppenwolf bedienen wir das höhere Preissegment, das günstigste Rad kostet schon 500 Euro.

Frage: Gut 70 Millionen Räder gibt es in Deutschland, jedes Jahr werden vier Millionen neu verkauft. Wie viel Potenzial hat der Markt?

Wicht: Der Markt ist seit vielen Jahren gesättigt. 1991 hat man in Deutschland mehr als sechs Millionen Räder verkauft, weil damals Mountainbikes auf den Markt kamen und weil die Ostdeutschen ein Rad mit Shimano-Schaltung fahren wollten. Seit Mitte der 90er Jahre liegt das Volumen konstant bei rund vier Millionen Rädern.