Ford MondeoDer Schnäppchenwagen seiner Klasse

Der Insignia ist überarbeitet, der Passat bleibt Bestseller. Der Ford Mondeo indes wartet immer noch auf den Nachfolger. Lohnt sich der Kauf des Alten noch? von Holger Holzer

Ford Mondeo Turnier

Ford Mondeo Turnier  |  © Hersteller

Eigentlich sollte der Ford Mondeo der vierten Generation in Deutschland schon längst von seinem Nachfolger abgelöst sein. Seriennahe Studien der neuen Baureihe wurden schon auf Messen herumgezeigt, in den USA ist das Mittelklassemodell unter dem Namen Fusion längst auf dem Markt. Weil in Europa aber die anvisierte Produktionsstätte im belgischen Genk geschlossen wird, muss bis auf Weiteres das alte Modell gegen den Bestseller VW Passat und den frisch renovierten Opel Insignia antreten.

Damit der Mondeo da mithalten kann, hat Ford die Preise stark gesenkt. Mit rund 20.000 Euro ist das Basismodell nun nicht mehr viel teurer als der kleinere Focus. Ein Super-Schnäppchen oder Altmetall?

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Für unseren Test haben wir die Kombivariante Mondeo Turnier gewählt, mit dem beliebten 2,0-Liter-Dieselmotor. Das 103 kW (140 PS) starke Triebwerk ist bei fast jedem zweiten verkauften Mondeo-Exemplar verbaut. Exakt 24.990 Euro will Ford für die günstigste Ausführung in der Ausstattungslinie "Cool & Sound" mit Klimaanlage und Radio haben – den VW Passat Variant und den Opel Insignia Sports Tourer bekommt man dafür nicht einmal mit dem Basisbenziner.

Für relativ kleines Geld erhält man mit dem Mondeo Turnier also ein wirklich großes Auto. 1.745 Liter passen bei umgelegter Rückbank hinter die große Heckklappe, bei voller Bestuhlung sind es immer noch 549 Liter. Das ist im Mittelklasse-Segment ein Spitzenwert. So lässt sich ein Halbjahresvorrat Getränkekisten unterbringen oder die Einrichtung für ein kleines Zimmer im Selbstabholmöbelmarkt einladen. Dabei kann man ruhig Echt- statt Furnierholz wählen, denn die Zuladung liegt mit 715 Kilogramm ebenfalls im oberen Bereich. Im Gegensatz zu manch modischem Lifestyle-Kombi ist der Ford noch ein echtes Arbeitstier.

Motor mit Anfahrschwäche

In Sachen Raumangebot und Alltagstauglichkeit sind also keine Alterserscheinungen auszumachen. Auch das Fahrwerk zählt noch immer zu den besten seiner Klasse. Die verbindliche, komfortable Federung, eine angenehm direkte Lenkung und die standfesten Bremsen überzeugen immer noch. Trotz seiner 4,83 Meter Länge gibt sich der Kombi überraschend handlich.

Für den Motor gilt das gute Zeugnis aber nur mit Einschränkungen. Der vom französischen PSA-Konzern entwickelte Vierzylinder zeigt eine leichte Anfahrschwäche und trumpft auch sonst nicht mit besonderer Elastizität auf. 9,8 Sekunden braucht er, um den Wagen aus dem Stand auf 100 km/h zu bringen. Danach beschleunigt der Motor noch auf bis zu 205 km/h.

Untertouriges Fahren mag er nicht, so dass der Fahrer im Stadtverkehr fleißig im – allerdings präzisen – Sechsganggetriebe rühren muss. Ärgerlich ist die wenig gefühlvolle Abstimmung der Kupplung. Damit wächst die Gefahr, den Motor abzuwürgen. Der im Test erzielte Verbrauch geht mit knapp sieben Litern pro 100 Kilometer in Ordnung, auch wenn der Normwert von 4,9 Litern deutlich verfehlt wird.

Die Liste der Assistenzsysteme ist beim Mondeo noch durchaus zeitgemäß besetzt. Auf Wunsch gibt es einen Spurhaltehelfer, einen Totwinkelwarner und auch einen adaptiven Tempomat. Je nach Ausstattungsversion kosten die Sicherheitsfeatures 800 bis 3.200 Euro extra.

Auch wenn der Mondeo älter ist als Opel Insignia und VW Passat – zum alten Eisen gehört er nicht. Das ausgewogene Fahrwerk, das üppige Platzangebot und der ausreichend kräftige Motor machen den geräumigen Kombi zum idealen Reisewagen für Familien. Neben dem Gesamtpaket überzeugt der niedrige Preis. Der Mondeo ist damit eine klare Kaufempfehlung wert. Interessenten können sich noch etwas Zeit lassen: Vor Ende 2014 kommt die sechste Generation nicht auf den Markt.

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Leserkommentare
  1. >>Dabei kann man ruhig Echt- statt Furnierholz wählen, denn die Zuladung liegt mit 715 Kilogramm ebenfalls im oberen Bereich.

    Das ist unverständlich.
    Furnier ist doch echtes Holz, sonst ist es Dekor. Und nach meiner Erfahrung sind "Echtholz"-Möbel leichter als Spanplatte mit Furnier.

    Eine Leserempfehlung
  2. Werter Herr Holzer,
    KEIN Fahrzeug mag es untertourig gefahren zu werden, denn das bedeutet per Definition den Motor abzuwürgen.
    Auch finde ich den Abschnitt über die "mangelhafte Fahrleistung" befremdlich, wo in Deutschland macht sich dass den bemerkbar? Beim Spurt zur nächsten roten Ampel?
    Dennoch finde ich solche Artikel, sehr interressant, welche ökonomisch interessante Fahrzeuge beschreiben, wennglich mir hier ein Marktpreisvergleich fehlt. Damit meine ich nicht die unsinnigen Listenpreise, die ohnehinn lediglich für "Steuersparer" erfunden wurden(=>Leasing).

    3 Leserempfehlungen
    • jujuji
    • 12. August 2013 0:10 Uhr

    Der Superb hat mehr als 1.800 Liter Volumen, der Octavia fast 1.740l - wieso sind da die hier genannten 1745l viel?

  3. muss natürlich auch einiges in die Waagschale werfen, um die mangelnde optische Attraktivität aufzuwiegen. Sowohl der Superb als auch der Oktavia sind m.E. jenseits allen Geschmacks.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • jujuji
    • 12. August 2013 17:42 Uhr

    simmt sie sind einfach neutral - weder nahe eines schlechten oder guten Geschmacks. Das macht sie mir einfach sympathisch.

    • jujuji
    • 12. August 2013 17:42 Uhr

    simmt sie sind einfach neutral - weder nahe eines schlechten oder guten Geschmacks. Das macht sie mir einfach sympathisch.

    Antwort auf "Der Skoda.."

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ford | Opel | Dieselmotor | Test
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