Kältemittel-StreitDämpfer für Frankreich

Frankreichs Politiker haben im Kältemittel-Streit einen Rückschlag einstecken müssen. Der Zwist mit der Bundesregierung ist damit nicht beigelegt. Ein Kommentar von 

Mercedes kann aufatmen. Frankreichs oberste Verwaltungsrichter haben die Behörden ihres Landes angewiesen, binnen zweier Tage dafür zu sorgen, dass die neuen Modelle wie A-,-B-,SL- oder CLA-Klasse zugelassen werden können.

Seit Anfang Juni blockierten die Franzosen deren Zulassung. Als offiziellen Grund führte das Pariser Transportministerium zuletzt mögliche Umweltschäden an. Die Klimaanlagen dieser neuen Mercedes-Modelle mit dem althergebrachten Kältemittel entsprächen nicht den neuesten EU-Vorschriften. Davor wollte die Behörde die französischen Bürger angeblich schützen – als ob nicht auch in ihrem Land noch rund 98 Prozent aller Autoklimaanlagen mit dem alten Stoff befüllt wären. Dabei hatten 26 der 27 EU-Staaten das Vorgehen von Daimler akzeptiert – nur eben Frankreich nicht.

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Dass Daimler mögliche Gefahren für Autofahrer bei schweren Unfällen und nicht etwa kommerzielle Interessen dazu bewogen, das neue, von der EU zugelassene Kältemittel aus ihren Fahrzeuge zu verbannen, interessierte die französischen Minister nicht.

Die Schikane entsprang politischem Kalkül

Wie auch. Die Schikane für den deutschen Hersteller entsprang ganz offensichtlich politischem Kalkül. Hinter den Kulissen machten Regierungsvertreter keinen Hehl daraus, dass der Bann auch eine Retourkutsche für die deutsche Blockade in der EU zur Einführung strengerer CO2-Grenzen war. Mit ihrer massiven Intervention in Brüssel, die einen mühsam ausgehandelten Kompromiss torpedierte, hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht nur Frankreich düpiert.

In der Verabschiedung genau dieser strengen CO2-Regeln aber hatten die Franzosen einen Vorteil für die Kleinwagen ihrer angeschlagenen heimischen Autobauer gesehen – gerade gegenüber den übermächtigen deutschen Rivalen mit ihren großen Limousinen.

Die französische Regierung ist damit gescheitert, mit dem Bann für die auch bei ihnen begehrten neuen Mercedes-Modelle Industriepolitik durch die Hintertür zu betreiben. Die  Minister haben sich geradezu eine Ohrfeige von der eigenen Justiz eingefangen.

Gesundheit geht vor Rechthaberei

Der Kältemittel-Streit auf EU-Ebene ist damit freilich noch nicht beendet. Hier tun weiterhin Aufklärung und neue Untersuchungen not, bis die EU-Kommission entscheidet. Da es dabei um das höchste Gut des Menschen geht, Gesundheit, ist hier Sorgfalt vor Eile und bürokratischer Rechthaberei geboten.

Davon strikt zu trennen sind die anstehenden CO2-Regularien – hier müssen sich Deutsche und Franzosen baldmöglichst zusammenraufen. Sonst haben die Autohersteller diesseits wie jenseits des Rheins gleichermaßen den Schaden.

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Leserkommentare
  1. 1. So ...

    ... what?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dies ist eine gute Nachricht für den Ottonormalverbraucher.
    Daimler darf die Gesundheit der Kunden und des Rettungspersonals höher achten als die durchaus Lobbygeleiteten Gesetze, die durch Frankreich durchgedrückt werden sollten.

  2. Dies ist eine gute Nachricht für den Ottonormalverbraucher.
    Daimler darf die Gesundheit der Kunden und des Rettungspersonals höher achten als die durchaus Lobbygeleiteten Gesetze, die durch Frankreich durchgedrückt werden sollten.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "So ..."
    • zappp
    • 30. August 2013 14:00 Uhr

    damit die Autos für die Kunden sicherer zu machen, oder geht es darum Kosten zu sparen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Frankreich | Europäische Union | Mercedes | Autohersteller | Behörde | Daimler AG
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