Countdown-Ampel3, 2, 1, sagt das Ampelmännchen

Verkehrspolitiker plädieren für Ampeln, die anzeigen, wie viele Sekunden die Rotphase noch dauert. Ob Fußgänger so wirklich geduldiger auf Grün warten?

Verkehrspolitiker von Union und FDP werben dafür, Ampeln so umzurüsten, dass sie den Fußgängern anzeigen, wie viele Sekunden die Rotphase noch dauert. Das soll die Verkehrssicherheit erhöhen. Die Zahl der Fußgänger, die die Straße bei Rot überquert, verringere sich mit solchen Ampeln deutlich, sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Oliver Luksic der Saarbrücker Zeitung. Auch der CDU-Parlamentarier Thomas Jarzombek nannte ein solches System "begrüßenswert und für Fußgänger überall interessant".

Im Bundesverkehrsministerium stößt die Forderung nach Countdown-Ampeln auf offene Ohren. Man könne das durchaus in Erwägung ziehen, sagte eine Sprecherin in Berlin. Gesetzgeberischen Handlungsbedarf sieht das Ministerium allerdings nicht. Die Kommunen könnten das schon heute in Eigenregie entscheiden.

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So existieren in der Hamburger Innenstadt bereits solche Ampeln, die für die Fußgänger die Sekunden herunterzählen, bis das Licht wieder auf Grün schaltet. Knapp eine Minute steht zum Beispiel die Ampel am Jungfernstieg auf Rot. "Die Erfahrungen mit Countdown-Ampeln für Fußgänger sind positiv", sagt der Hamburger ADAC-Sprecher Christian Hieff. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Rotlicht-Verstöße von Fußgängern sich um ein Drittel reduziert hätten.

Wie viele Menschen in Deutschland jedes Jahr an Ampeln verletzt oder getötet werden, ist unklar. Laut Statistischem Bundesamt verunglückten 2012 rund 31.830 Fußgänger auf Deutschlands Straßen – 30.252 davon innerorts. Bei wie vielen davon es daran lag, dass sie bei Rot über die Straße gingen, ist nicht bekannt.

Stressabbau für Ungeduldige – oder Sogwirkung?

Unter Verkehrsexperten gehen die Meinungen zu den Countdown-Ampeln auseinander. "Wenn man in Eile ist, weil man zum Beispiel seinen Zug erreichen muss, hat man oft den Eindruck, dass Ampeln ewig lang rot sind", sagt Egon Stephan, Verkehrspsychologe an der Universität Köln und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie. Eine Anzeige, wie lange die Ampel noch rot ist, könne da den Stress reduzieren. "Ohne diese Info sind viele Menschen zu ungeduldig und rennen einfach trotz roter Ampel über die Straße."

Gerhard Laub, Verkehrspsychologe des TÜV Süd, sieht dies kritischer: "Wenn man von vornherein weiß, dass eine Ampel noch 70 Sekunden rot bleibt, kann das auch eine Sogwirkung entfalten: Man rennt eventuell erst recht bei Rot über die Straße, weil man nicht so lange warten möchte." Man sollte sich zudem gut überlegen, ob man noch mehr Informationen im Verkehr einführen möchte, sagt er. Vor allem für Kinder könnten zusätzliche Signale schwer verständlich sein.

Die Countdown-Ampel ist in anderen Ländern – zum Beispiel in den USA und Dänemark – schon üblich. Eine Sonderform gibt es in Düsseldorf: Dort haben die Fußgängerampeln neben Rot und Grün ein gelbes Signallicht, das auf die Grünphase folgt. Berlin experimentiert seit dem vergangenen Jahr mit blinkenden Lichtsignalen. Sie signalisieren den Fußgängern, dass die Rot- oder Grünphase gleich endet. Auch Countdown-Ampeln sollen in der Hauptstadt noch in diesem Jahr getestet werden. Billig ist der Umbau allerdings nicht: Laut der Hamburger Verkehrsbehörde kostet es im Schnitt rund 20.000 Euro, eine einzelne herkömmliche Ampel mit einer Countdown-Anzeige nachzurüsten.

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Leserkommentare
    • eSight
    • 09. August 2013 18:27 Uhr

    Fände eine Anzeige die mir sagt wie lange es noch grün ist viel nützlicher. Gerade wenn es ein langer weg bis zur anderen Seite ist oder auf der Landstraße wenn ich mich mit 70-90 sachen einer Ampel nähere. Man weiß nie ob man es noch wagen soll oder nicht. zumindest wenn man sich um ampeln schert. Schert man sich nicht drum, dann bringt auch das andere nichts.

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    Dann empfehle ich Ihnen besonders auf die runden Schilder zu achten; die mit dem roten Kreis und einer "fetten" Zahl in diesem Kreis. Die nennt der gemeine Autofahrer "Geschwindigkeitsbeschränkung".

    Warum ich das schreibe? Ganz einfach: in der gesamten Bundesrepublik dürfte es keine Ampel auf Landstrassen geben, der Sie sich mit "70-90 Sachen" legal nähern dürfen.

    Genau, da können Sie wenn Sie von weitem sehen, dass die Ampel noch 6 Sekunden lang grün ist noch mal eben schnell auf 120 beschleunigen damit SIe es noch schaffen.

  1. Mir fehlen die Worte.

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    Man bekommt das kalte Kotzen. Auch darueber mit welch unkritischer selbstverstaendlichkeit der Artikel veroeffentlicht wird.

    Gegenvorschlag: verkehrszeichen sollen nur noch empfehlenden Charakter haben. Dann wuerden die poesen Verstoesse sogar sicher auf 0 zurueckgehen und die evolution wuerde auf total oekologische Weise den Fortbestand der Gesellschaft sichrrn helfen.

  2. gibt es im Ostblock ( z.B. Serbien ) oder Lateinamerkia ( z.B. Mexiko ) schon ewig mit guten Erfahrungen. Wer sich ohnehin an nichts hält, macht´s natürlich auch mit einer solchen Anzeige nicht. M.E. insb. für Kindervekehrserziehung kein schlechtes Mittel.

    2 Leserempfehlungen
    • output
    • 09. August 2013 18:53 Uhr

    Die Fußgängerampeln sind der Touristenrenner. Eine super lustige Animation auf der Fußgängerampel.
    So funktioniert es: Also Fußgängerampel schaltet auf GRÜN. Das animierte Fußgängermännchen geht gemächlich los. Dann läuft die Zeit weiter, das grüne Ampelmännchen wird schneller. Kurz vor Ablauf der Zeit fängt dieses Männchen an zu laufen. Total lustig.
    Macht doch so etwas auch in DE.
    Leider werden über Méxco immer nur über die häßlichen Sachen berichtet. So etwas lustiges wie die Fußgängerampeln sollte auch mal erwähnt werden.

    7 Leserempfehlungen
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    • Thraex
    • 09. August 2013 20:39 Uhr

    Ist das denn zumindest in HD?
    Weil sonst will ich das nicht :-)

    Im ernst, hier in Lübeck gibt es schon ein paar solcher Dinger.
    Lübeck baut aber derzeit die gesamte Infrastruktur um zu einer Fahrradstadt, wundern sich aber das die Innenstadt stirbt, nur noch die üblichen Verdächtigen an Geschäften.

    Finde ich den Countdown gut?
    Würden Autofahrer die auch bekommen, durchaus.
    Grundsätzlich hab ich aber nichts dagegen einzuwenden, wären da nicht die Kosten.

    Umso erstaunlicher das Lübeck sonne Dinger hat.
    Aber na ja, "wir" leisten uns ja auch einen Flughafen.

    Weiter gehts, sagt "unser" Bürgermeister.

    • Calerio
    • 09. August 2013 18:58 Uhr

    für neue Ampeln, deren Zweck durch die Fußgänger nicht zwangsläufig erfüllt wird, wären nur eine Vergeudung von Steuergeldern.

    "Wenn man von vornherein weiß, dass eine Ampel noch 70 Sekunden rot bleibt, kann das auch eine Sogwirkung entfalten: Man rennt eventuell erst recht bei Rot über die Straße, weil man nicht so lange warten möchte."

    Einen ähnlichen Gedanken hatte ich beim lesen der Überschrift auch, die Wirkung der Ampel würde sich vermutlich nur bei kürzeren Wartezeiten bis zu 15- 20 Sek. entfalten können.

    2 Leserempfehlungen
  3. Es lebe das Internet!

    Auf einschlägig bekannten Videoportalen kann man sich ja waschechte Unfälle ( keine gestellten Szenen!! ) ansehen. Suchwort z.B. " Dashcam Russia " funktioniert auch mit " Epic fail "

    Verkehrsvideos wo AUCH solche Ampeln schlichtweg unbeachtet bleiben und es schwere Unfälle gibt.

    Überhaupt: Bei rot stehen - bei grün gehen
    Dies kleene Sätzlein hat mehr Sinn als ein Sekunden-Countdown.

    ( Pardon ) Wer meint bei rot gehen zu müssen, dem juckt auch keine Sekundenanzeige!!! Ein potentieller Kandidat für den " Darwin-Award ".

    Nur so am Rande, nebenbei

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    Ja, den Award dürfte er bekommen, weil er seine Zeit damit benutzt evolutionär Sinnvolle Aktivitäten zu machen, statt an einer Ampel zu stehen. Ob ein Auto kommt, das kann man mittels seiner Sensoren für elektromagnetische Wellen im so gennanten "Lichtbereich" recht gut feststellen.

    ... ist Quatsch und gefaehrlich!

    In der Stadt, in der ich lebe, bleiben nur die Touries bei rot stehen.

    Wenn kein Auto kommt, warum soll man warten? Habe einmal auf Besuch in Hamburg in der Hafencity erlebt, dass sogar in einer Baustelle vor einer roten Fussgaengerampel gewartet wurde, obwohl dort aufgrund gesperrter Strasse gar kein Auto haette kommen koennen. Irre...

    Die Eigenverantwortlichkeit liegt darin, dass ich als Fussgaenger auch stets damit rechnen muss, dass, wenn ich bei gruen 'einfach' gehe, trotzdem die Moeglichkeit besteht, dass ein Auto faehrt - und dann?
    Soviel zu Ihrem 'Darwin'... :-)

    Cheers

  4. Gibt es doch hier in Deutschland!!!
    Das sind die gelben Blicklichter. Sind die an, so kommt man bei rot an die Ampel.
    Sind die aus, so können Sie mit zulässiger Geschwindigkeit immer bei grün über die Ampel

    Sind die Ihnen noch nie aufgefallen???

    Gruss

    Eine Leserempfehlung
  5. ...dauert bei es bei mir vor der Tür an einer Ampel längstens - vom Drücken bis es dann endlich Grün wird. Mindestens aber 28 Sekunden - auch wenn an der Kreuzung weit und breit kein anderer Verkehrsteilnehmer außer zu sehen ist.

    Anderes Beispiel: Die Ampeln zwischen dem Hauptgebäude einer hiesigen Universität und der Straßenbahn-Linie werden zwar sehr viel schneller Grün, dafür dauert die Phase über die Doppelspur keine 3.6 Sekunden!

    Erstmal also das vorhandene Potential ausschöpfen und sinnvolle Ampelphasen programmieren, die den Bedürfnissen ALLER Verkehrteilnehmer gerecht werden!

    3 Leserempfehlungen
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    Da kann ich Ihnen nur zustimmen!
    Bei mir um die Ecke gibts ne Fußgängerampel bis die auf Grün springt dauert es meistens eine halbe Ewigkeit. Als ich einmal stoppen wollte wie lange die braucht hab ich es nach 5 Minuten aufgegeben und bin bei rot rüber.
    Wenn die nen countdown kriegen würde würden bestimmt eher mehr als weniger Leute bei rot rüber gehen.

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  • Quelle dpa, mbr
  • Schlagworte Bundesverkehrsministerium | Stress | Verkehrssicherheit | Verkehr | Düsseldorf
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