Wir wollen hier nicht auch noch in das Lied von der guten alten Zeit einstimmen. Ja damals, 1976, als der erste Golf GTI in den Handel kam und die Kompaktklasse antriebsrevolutionierte. Nur 110 PS hatte der erste "Grand Tourisme Injection", aber kam in selbst heute noch bemerkenswerten 9,2 Sekunden auf Tempo 100. Und aus heutiger Sicht lächerlich billig war er: Keine 14.000 D-Mark waren nötig.

All das wissen wir. Schließlich wird ja ständig über die Vergangenheit geschrieben, wenn, wie vor ein paar Monaten, ein neuer GTI auf den Markt kommt. Wir wollen das nicht. Obwohl – tun wir ja doch gerade.

Darum nichts wie hin zum Parkplatz, wo der neue Golf GTI auf Basis des Golf VII wartet. Den wollen wir mal ganz nüchtern und losgelöst von irgendwelchen romantischen Reminiszenzen betrachten. Da steht ein mit 162 kW (220 PS) hochmotorisierter, sauteurer Kompaktwagen. Rund 30.000 Euro verlangt Volkswagen für ihn. Ist das Auto, wenn man verklärende Rückbezüge auf die GTI-Geschichte außer Acht lässt, sein Geld überhaupt wert? Kann es also einfach als moderner, PS-starker Kompakter überzeugen?

Kräftiger Durchzug auch bei niedriger Drehzahl

Die Fortschritte der Marke VW in den vergangenen Jahren werden auch beim Golf GTI deutlich. Neben der schon immer vorhandenen guten Ergonomie findet man innen eine Materialqualität und -verarbeitung vor, die locker mit der von sogenannten Premiummarken mithalten kann und meilenweit vor der anderer Volumenhersteller liegt. Schöne, klar gestaltete Instrumente, ein griffiges, unten abgeflachtes Lenkrad und tolle Sportsitze im nostalgischen Karodesign tun ihr Übriges dazu, dass man sich im GTI sofort wohl fühlt.

Wie andere Golf-Varianten verfügt auch der GTI gegen Aufpreis – hier 2.315 Euro – über das neue Navi mit großem Bildschirm. Wie exakt und schnell es arbeitet, war im Test überzeugend zu sehen. Gut, das haben andere Fahrzeuge im VW-Konzern auch. Also zurück zum GTI.

Der zwei Liter große Turbobenziner mit 220 PS erwacht beim Start leicht grollend zum Leben. Danach gibt er sich zunächst zurückhaltend – nur akustisch, nicht in seiner Leistungsbereitschaft. Denn praktisch über das gesamte Drehzahlband bietet der Motor ein Drehmoment von 350 Newtonmetern. Es wäre noch vor nicht allzu langer Zeit undenkbar gewesen, dass ein Benzinmotor derart konstante Drehmomente zur Verfügung stellt.

In der Praxis heißt das: Schon mit dem ersten Durchdrücken des Gaspedals zieht der GTI nach vorne. Den Spurt vom Stand auf 100 km/h meistert er in eindrucksvollen 6,5 Sekunden. Dass der Golf GTI danach auf bis zu 244 km/h beschleunigt und souverän jede Situation meistert, ist klasse, aber das darf man von einem solchen Produkt zu einem derart selbstbewussten Preis erwarten.