IAA : Das Auto ist längst nicht am Ende

Mit Modellen wie dem BMW i8 macht sich die Autoindustrie zukunftsfest. Selten ging es den Herstellern so gut wie 2013 – allerdings nur außerhalb Europas.

Das Konzept Auto ist am Ende. Junge Menschen investieren lieber in ihr Smartphone und ökologische Zwänge werden der Individualmobilität ohnehin irgendwann den Garaus machen. Oder? Was die Autoindustrie ab Donnerstag auf der 65. Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt zeigt, belegt das Gegenteil. "Die automobilste Show der Welt" lautet der diesjährige Messeslogan. Das klingt inhaltsarm, trifft aber den Kern: Das Auto spricht für sich. Global betrachtet ist es erfolgreich und begeisternd wie nie.

Die aus deutscher Sicht wichtigsten Neuheiten stehen auf dem Stand von BMW. Mit dem vollelektrischen i3 und dem Plug-in-Hybriden i8 macht sich die Marke zukunftsfest. Die Bayern haben Milliarden in die Entwicklung dieser Kombination aus Leichtbau und Elektromobilität gesteckt. Und auch wenn angezweifelt werden darf, dass von Beginn an mit jedem verkauften Exemplar Geld verdient wird: Die Saat, die BMW hier streut, könnte mittelfristig eine ähnlich große Ernte einbringen wie die Hybridstrategie des Kooperationspartners Toyota. Verwirrend und teuer am Anfang, folgerichtig und maßgebend für die kommenden Jahre.

Die beiden Karbon-BMW stehen repräsentativ für zwei von drei großen Trends auf der diesjährigen IAA. Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs – egal ob als batterieelektrisches System, Plug-in-Hybrid, Vollhybrid oder als Brennstoffzellenauto – ist nach den Ankündigungsmessen der Vergangenheit in der Serienfertigung angekommen. Volkswagen präsentiert den e-Up und den bald folgenden e-Golf. Smart gibt mit der Studie Fourjoy einen Ausblick auf die strombetriebene Neuauflage des Forfour. Nissan zeigt mit der zweiten Generation des Leaf zwar keine Neuheit, aber das meistverkaufte Elektroauto der Welt. Und die kleine Firma Tesla, deren Chef Elon Musk allmählich zum Steve Jobs der Branche stilisiert wird, hat einen Stand für die elektrisch angetriebene Luxuslimousine Model S.

Pure Kraft bleibt attraktiv

Neben dem Elektroantrieb als erstem großen IAA-Thema ist die schiere Leistung, ein Dauerbrenner, das zweite Leitmotiv. Die Kraftorgie wird natürlich im verbrennungsmotorischen Sektor gefeiert, etwa mit der Corvette Stingray – doch wer in diesem Jahr auf der Frankfurter Messe wirklich etwas reißen will, setzt auf potente Plug-in-Hybride. Auch da ist der BMW i8 richtungsweisend: Der weniger als 1,5 Tonnen wiegende Viersitzer kombiniert eine 131 PS starke E-Maschine mit einem hochaufgeladenen 1,5-Liter-Dreizylinder mit 231 PS zu 362 PS Systemleistung.

Dieses Auto zeigt, wie technikverliebt Konstrukteure sein können. Wäre der i8 eine Studie, sie wäre nach dem Motto "Wir zeigen mal, was wir können, bauen es aber nie" in die Schublade gewandert. Aber der i8 wird gebaut und steht 2014 beim Händler. So dokumentiert man Ernsthaftigkeit.

Ob es Audis Studie des Sport Quattro jemals zum Kunden schafft, ist dagegen unsicher. Zu oft haben die Ingolstädter den Autofans in der Vergangenheit den Mund wässrig gemacht und dann nicht geliefert. Sollte es der rund 700 PS starke Plug-in-Hybrid doch bis zur Produktion schaffen, wird es eine Kleinserie sein. Ähnlich wie der vor genau 30 Jahren präsentierte Sport Quattro, "Der Kurze", den der jetzige Prototyp im Design zitieren soll. Allerdings schwingt hier fraglos ein Schuss VW Corrado mit.

Skeptiker dürften gerade angesichts der vielen PS-starken Ausstellungsstücke mahnen, dass nach dem Höhepunkt der Absturz folgt. Zumindest der europäische Markt, auch der deutsche, ist seit Langem von Stagnation oder Rückgang geprägt. Weitet man aber den Blick auf die ganze Welt, wie es für die Autohersteller selbstverständlich ist, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Es geht nach den Krisenjahren 2008 und 2009 bergauf.

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