IAADen Autodesignern geht eine LED auf

Auf der IAA scheinen jede Menge LED-Lichter von den Ständen – und zwar nicht mehr nur als Tagfahrlicht und in der Oberklasse. Sterben Halogen- und Xenon-Scheinwerfer aus? von Hanne Lübbehüsen

Scheinwerfer des Nissan Friend Me Konzept

Scheinwerfer des Nissan Friend-Me Konzept  |  © Matthias Knödler/SP-X

Der Blick dauert nur wenige Sekunden. Es passiert im Rückspiegel, beim Entgegenkommen, auf dem Parkplatz. War der Ausdruck freundlich oder zurückhaltend? Augenzwinkernd oder aggressiv? Oder gar nichtssagend? Im Nu haben wir uns eine subjektive Meinung gebildet. Das gilt nicht nur für die Begegnung von Mensch und Mensch, sondern auch von Mensch und Auto. Dank neuer Technik ist in der Gestaltung des Auto-Gesichts künftig fast alles möglich – vielleicht sogar Punkt, Punkt, Komma, Strich.

"Wir sehen in Zukunft völlig neue Fahrzeugfronten", sagt einer, der es wissen muss: Steffen Pietzonka vom Automobilzulieferer Hella. Hier bestellen die Konzerne Lichtsysteme für künftige Fahrzeuge, also heute für die Neuheiten der nächsten Jahre. Über konkrete Bestellungen darf Pietzonka natürlich nichts sagen, aber über einen Trend: "LED-Scheinwerfer werden konventionelle Systeme ersetzen." Sogar das günstige Halogenlicht wird es künftig nicht mehr geben. Künftig, das heißt in einem Zeitraum von maximal 15 Jahren.

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Auf der IAA in Frankfurt ist das zurzeit bereits zu sehen. Zum Beispiel beim neuen Audi A8, der Matrix-LED-Scheinwerfer hat – der heutige Maßstab der Technik. Sie sind mit je 25 einzeln zuschaltbaren LED bestückt. Fünf Segmente pro Scheinwerfer mit jeweils fünf Leuchtdioden, die einzeln angesteuert werden können, ergeben exakt 966.105.422 theoretische Lichtszenarien. In Worten: mehr als 966 Millionen. Kombiniert mit einer Kamera und Bildererkennungssoftware werden beispielsweise einzelne LED deaktiviert oder gedimmt und dadurch andere Fahrzeuge präzise ausgeblendet; drumherum leuchtet dann noch das Fernlicht.

Auch Mercedes S-Klasse und 7er BMW finden ihren Weg per Leuchtdioden. Die Oberklasse ist wie üblich auch bei den Voll-LED-Scheinwerfern Vorreiter. "Aber wir sehen an unseren Produktanfragen, dass diese Systeme sich jetzt auch für die Mittelklasse verbreiten", sagt Pietzonka. Der Zeithorizont hierfür: die nächsten zwei bis drei Jahre

Stromer mit LED-Licht

Zwar nicht serienmäßig, sondern nur in den höchsten Ausstattungsstufen, gibt es LED sogar schon in der Kompaktklasse. Auf der IAA leuchtet in Halle 8 der neue Peugeot 308 richtungsweisend in die Zukunft. Die beiden auf der Messe neu vorgestellten Elektroautos BMW i3 und VW E-Golf haben ebenfalls serienmäßig LED-Scheinwerfer. Hier können die kleinen Leuchtdioden einen weiteren ihrer vielen Vorteile ausspielen: Sie verbrauchen deutlich weniger Strom als konventionelle Halogen- oder Xenon-Scheinwerfer, was den Herausforderungen eines Elektroautos besonders entgegenkommt.

Von den erwähnten neuen Fahrzeugfronten sieht man bei diesen Beispielen allerdings noch wenig. Spannender wird es da schon bei den Konzeptfahrzeugen, die auf der Messe stehen: Beidseitig je zwei LED-Quadrate beim Audi Sport Quattro Concept, schmale horizontale Schlitze beim Volvo Concept Coupé und dem futuristischen SUV Lexus LF NX, bumerangförmige Lichter im Nissan Friend-Me, längliche vertikale Streifen beim Cadillac Elmiraj oder ein nachgezeichnetes Auge im Infiniti Q30.

Leserkommentare
  1. darf man nachher ein ganzes Leuchtsystem für 500 Euro auswechseln...

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    • hermse
    • 18. September 2013 8:39 Uhr

    Aber man muss auch sagen, das die LEDs deutlich länger halten und quasi nicht stoßempfindlich sind.

    • hermse
    • 18. September 2013 8:39 Uhr

    Aber man muss auch sagen, das die LEDs deutlich länger halten und quasi nicht stoßempfindlich sind.

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    Ich habe schon seit 2 Generationen LED-Tagfahrlicht in meinen PKWs. Beim letzten Wagen musste ich beide Lampensysteme für 1000 Euro komplett auswechseln lassen, da beide Systeme nacheinander ausgefallen sind (angeblich Korrosion der Baugruppen-Kontakte).
    Soviel zur Langlebigkeit der LED oder anders gesagt, die Kette ist immer nur so stark wie das schwächste Glied!
    Irgendwie wird alles immer komplizierter und die Einsparungen/Effizienzen kommen nur dann zum Tragen, wenn genau das Szenario in der Realität eintrifft, was der Hersteller zugrunde gelegt hat. Das ist aber leider häufig nicht der Fall, ob bewußt geplante Sollbruchstellen seitens der Hersteller oder einfach Eigenschaften, die im QM-System vergessen wurden.

    • ikarus7
    • 18. September 2013 9:08 Uhr

    Meinetwegen auch Leuchtreklame im Rückspiegel.
    Aber bitte nicht mehr diese aggressiven, blendenden Einstellungen bei den Scheinwerfern, die anderen Autos vermitteln, man würde gleich von einem UFO gerammt.

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    • Sabrot
    • 18. September 2013 9:28 Uhr

    Ich traue den Leuchtdioden sehr viel zu.
    Die Grundparameter für deren lange Lebensdauer sind recht einfach:

    1. Der Strom dafür muss exakt geregelt sein.
    2. Die Wärmeentwicklung muss gut abgeführt werden.

    Weitere "Spielereien" wie Kamerasysteme und Einzelansteuerung machen das Ganze erst teuerer und anfälliger.
    Natürlich begrüsse ich eine gezieltere Ausleuchtung, wenn ich dadurch als Gegenverkehr nicht mehr so stark geblendet werde.

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  2. Es muss halt einfach eine Autobaustrategie forciert werden, die Szenario 2 entspricht. Szenario 1, wie es mir letzt passiert ist, muss einfach der Vergangenheit angehören.

    Szenario1: Ich fahre von der Arbeit nach hause. An der Ampel weisst mich ein netter (ok unnetter :D ) MItfahrer darauf hin, dass mein Vorderlicht kaputt ist. Kurzer Stopp bei *insertSupermarkt der Wahl* und nach dem obligatorischen Check aller Lichter stelle ich fest, dass mein hinteres Bremslicht kaputt ist. In den Laden gegangen, Set für 7 Euro gekauft und noch am Parkplatz getauscht (ok ich hatte einen Schraubenzieher im Auto). Insgesamt kam ich dann 30 Minuten zu spät bei meiner Freundin daheim an.

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  3. Szenario2: Mein Auto fängt an zu blinken und teilt mir mit, dass etwas an meinem "Vision_Supervision_LightSystem" defekt ist und bittet mich in die Werkstatt zu fahren. Ich rufe bei meiner Werkstatt an und schildere den Fall (inzwischen habe ich selber gesehen, dass das Abblendlicht kaputt ist ... oder irgendwas anderes in der Batterie von LED-Leuchten). Die Werkstatt sagt mir, dass man leider diese Teile nicht reparieren könne. Also rufe ich notegdrungen beim Hersteller an und frage, was ich machen kann. Ich bekomme am nächsten Tag einen Termin und fahre zur Werkstatt. Das Auto kann ich für 2 Tage da lassen, bekomme aber beim Eingang einen Kaffee serviert. Nach 2 Tagen ist dann das defekte Licht ausgetauscht (nicht repariert) und gleichzeitig auch noch ein Ölwechsel gemacht, denn der wäre in 50000km eh fällig gewesen. Für gemütliche 150 Euro bekomme ich dann insgesamt 3 Tage später ein reparierten Wagen und bin "glücklich".

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    Alleine das Wechseln einer dä***** Xenon Birne muss heute schon in der Werkstatt "meines Vertrauens" gemacht werden. Da sind schon heute schnell mal 200.- weg.
    Ich fürchte, dass wir "Szenario 1" so schnell nicht wieder erleben werden...

    Keine Ahnung was Sie für ein Auto fahren.
    Ich kann schon seit Jahren nichts mehr an meiner Lichtanlage selbst machen, weil es einfach zu kompliziert ist und auch einfach keine Lust habe am Auto rumzuschrauben.
    Die alten Halogenscheinwerfer waren früher regelmäßig nach ca. 15 TSK km defekt.
    Neben der höheren Sicherheit bei Nachtfahrten aufgrund excellenter Ausleuchtung und ca. 4 x längerer Lebensleistung möchte ich nicht mehr auf Xenon verzichten müssen.
    Dafür fahre ich auch gerne in eine Werkstatt, aber in eine fachlich gut ausgerüstete, wo ich auch anständigen Service bekomme. Der nun leider mal Geld kosten kann.

    Die Schadenshöhe haben Sie oben richtig beschrieben, die Schadenseintrittwarscheinlichkeit ist schon bei Xenon deutlich geringer, bei LED kann sie gegen null gehen.
    Und selbst bei Xenon kann sich ein Schadensfall langsam durch Verfärbung des Lichtkegels ankündigen (Also kann man es nur wechseln (lassen), sobald man sieht, dass es bald kaputt ist).

  4. Alleine das Wechseln einer dä***** Xenon Birne muss heute schon in der Werkstatt "meines Vertrauens" gemacht werden. Da sind schon heute schnell mal 200.- weg.
    Ich fürchte, dass wir "Szenario 1" so schnell nicht wieder erleben werden...

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  5. Es stimmt - diese LED-Reihen machen den Autos Gesichter.

    Einerseits sehen die Dinger zwar eher aus wie Kinderkasrusselbeleuchtung und nicht wie Scheinwerfer, andererseits zielen die Hersteller zunehmend auf Aggro-Optik. Audi tut sich da wieder mal besonders negativ hervor.

    Die 'Rückspiegelwirkung' ist bei mir eindeutig: Sofortiges Umschalten auf überkorrekte Fahrweise - 47 statt 55 in der Stadt, mehr als 3 Sekunden am Stoppschild etc. Das ham se nu von ihrem Aggro-Grinsen.

    Solange es noch Autos ohne den Spielkram gibt, ist das ein eindeutiges Kaufsignal in Sachen Design.

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    von persönlichen Defiziten auf Kosten der anderen.
    So würde ich Ihr (kindisches & nerviges) Verhalten betiteln.
    Aber zum Glück kann man Fahrzeuglenker wie Sie auch überholen...
    Lassen Sie mich raten, wenn einer das versucht geben Sie Vollgas?!?
    (Und fühlen sich fälschlicherweise auch noch im Recht!)

    Sie nötigen bewußt andere Autofahrer, weil Ihnen deren Scheinwerfer nicht passen - das war's? So schnell verlieren Sie die Fassung?

    Haben Sie das wirklich nötig?

    Da Sie so gern Ordnung mögen, empfehle ich Ihnen die Lektüre des §1 Abs.2 der Straßenverkehrsordnung (sic!):

    "Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird."

    Hoffentlich bekommt die echte Polizei das mal mit...

    Sie lassen sich also von dem äußeren Eindruck in ihrem Verhalten beeinflussen. Na, das nenne ich mal fremdgesteuert.

    Das ist sehr häufig im Verkehr zu beobachten und ich denke, viele können dieses Verhalten emotional nachempfinden. Bei mir ist das auch mal gelegentlich so, das ich mich "angegeriffen" fühle, bei bestimmten Verkehrssituationen. Wenn ich nicht völlig daneben liege, liegt es ganz schlicht an den instinktiven Reaktionen des Körpers im Verkehr. Man begibt sich mit all seinen Sinnen in eine Situation, bei dem um einen herum Fahrzeuge im hohen Tempo angerauscht kommen, von hinten sich nähern und alles irgendwie auch mit einer Fluchtsituation verglichen werden kann.

    Es ist doch teilweise wie in einer Rinderherde, in der man über die Steppe rennt und nur noch der Masse folgt.

    Nun, im Verkehr geht es aber darum, sich diesen Irrsinn wirklich bewußt zu machen und sich ebenfalls im Klaren darüber zu sein, das es nicht so ist.

    Sie maßregeln also gerne Autofahrer auf Grund ihrer Interpretation seines Wesens, die sie von der Erscheinung des Fahrzeuges ableiten?
    In meinen Ohren klingt das stumpf nach einem ganz schlichten instinktiven Verhalten. Vielleicht ist der Autofahrer auch ein ganz netter Kerl, der einfach nur unterwegs ist und von ihnen genötigt wird. Das er dann aggressiv werden könnte, könnte man nachvollziehen.

    Sie sollten mal ihre Wirkung im Verkehr reflektieren. Sie stellen eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dar,

    Sie ändern bewusst Ihr Fahrverhalten dahingehend, dass Sie andere stören wollen, weil die Lichter derer Fahrzeuge nicht Ihrem persönlichen Geschmack entsprechen. Das haben Sie geschrieben. Und das ist in der Tat armselig.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte BMW | Audi | Peugeot | Volvo | Cadillac | Elektroauto
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