Vielleicht liegt es an der raffinierten Understatement-Werbung im TV. Anders als bei früheren Modellen von Dacia kommt man sich am Steuer eines Lodgy nicht mehr unterprivilegiert oder skeptisch beäugt vor. Vielmehr fühlt man sich clever: Der rumänische Van ist zwar in vielerlei Hinsicht nur Mittelmaß, in zwei Punkten aber ganz vorne dabei, beim Platz und beim Preis.

Sah man der Logan Limousine von 2005 – dem ersten Neuzeit-Dacia auf dem deutschen Markt – ihre Rolle als Billigauto schon aus der Ferne an, sind die neueren Modelle zwar nicht schick, aber zumindest angenehm unauffällig. Das gilt auch für den rund 4,50 Meter langen Kompaktvan Lodgy. Er ringt der genretypischen Kastenform immerhin einige durchaus ansehnliche Konturen ab – wenn man vom ungeschlacht wirkenden Heck absieht.

Weiterhin recht nüchtern geht es aber im Innenraum zu. Die Passagiere begrüßt eine wenig ansprechende Kunststoff-Ödnis, die erst in den höheren Ausstattungslinien etwas hilflos durch Chrom-Zierrat aufgeforstet wird. Das lässt sich allerdings verschmerzen, da die anvisierte Kundschaft sich vor allem aus ehemaligen Gebrauchtwagenkäufern rekrutiert, denen die etwas altmodische Anmutung kaum aufstoßen dürfte.

Viel Platz auf mäßig bequemen Sitzen

Problematischer sind die mäßigen Sitze, vorne wie hinten. Die Polster sind einigermaßen straff, doch die Beinauflagen sind zu kurz und die Sitze bieten zu wenig Seitenhalt. Auf Langstrecken stört das massiv. Je nach Statur kann auch schon eine kurze Fahrt unangenehm werden, da sich die Sitze nur geringfügig verstellen lassen.

Ausgeglichen wird das auf unserer virtuellen Plus-Minus-Liste durch ein großzügiges Raumangebot. Unter dem 1,71 Meter hohen Dach haben die Passagiere in den ersten beiden Reihen mehr als genug Platz. In der optionalen dritten Sitzreihe (590 Euro, nicht für das Basismodell) geht es ebenfalls vergleichsweise großzügig zu, sobald man den etwas umständlichen Einstieg geschafft hat. Die Notsitze mit ihren kurzen Sitzflächen sind auf Dauer aber nur Kindern zuzumuten.

Immerhin lassen sie sich zügig hochklappen und hinter den Fondlehnen der zweiten Reihe festzurren. Das ist zwar nicht so bündig und elegant wie etwa im Opel Zafira, wo sie komplett im Boden verschwinden. Aber im Alltag reicht die simple Dacia-Lösung aus. Wer wirklich den maximalen Stauraum von 2.617 Litern benötigt, kann die dritte Sitzreihe außerdem komplett ausbauen. Dann passt selbst sehr sperriges Gut in den praktisch geschnittenen Laderaum mit der angenehm niedrigen Kante.