So richtig weiß auch in den Chefetagen der Automobilhersteller niemand, wie es mit dem deutschen und europäischen Automarkt weitergeht. Ist die Talsohle durchschritten? Schwächelt der Absatz weiter? Oder droht in Südeuropa gar neues Ungemach? Im Programm der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt spiegelt sich diese Unsicherheit wider: Die Hersteller vermeiden größtenteils Experimente und gehen auf Nummer sicher.

Mit einer prominenten Ausnahme. BMW traut sich was und geht mit dem Elektroauto i3 volles Risiko. Milliarden haben die Münchner in neue Materialien, Fertigungstechniken und einen emissionsfreien Antrieb investiert. Stolz ist man bei BMW vor allem auf den Leichtbauansatz mit Karbon, Aluminium und Magnesium. Der 125 kW (170 PS) starke und 34.950 Euro teure Viersitze könnte die Speerspitze eines E-Auto-Booms werden – oder das prominenteste Opfer der neuen Technologie.

Doch soweit wird es wohl nicht kommen, glaubt auch Volkswagen. Der Wolfsburger Autobauer startet zwar bescheidener und weniger trommelnd als BMW in die Elektro-Ära, zudem sind die ersten VW-Stromer relativ konservativ und technisch konventionell. Die Elektrovarianten von Up und Golf könnten aber für Vertrauen bei der potenziellen Kundschaft sorgen. Ein technisch unausgereiftes Fahrzeug traut dem Konzern wohl keiner zu. Letztlich könnten sich der riskante und der konservative Ansatz von BMW und VW also gegenseitig beflügeln.

Auch die anderen wichtigen IAA-Premieren überzeugen weniger durch konzeptionelle oder technische Revolutionen, sondern eher durch ihr Absatzpotenzial. Das soll unter anderem in der Kompaktklasse gehoben werden. Peugeot legt beim neuen 308 jegliche Exzentrik ab und präsentiert im Hinblick auf Wertanmutung und Designeleganz ein schon fast deutsches Fahrzeug. Mazda hingegen schärft beim Mazda3 sein bislang erfolgreiches Profil als sportliche Alternative im Kompaktsegment – in optisch wirklich gelungener Form.

Evolution statt Revolution auch bei Audi: Die Ingolstädter haben ihr A3 Cabrio für die Neuauflage zwar kräftig überarbeitet und unter anderem das Stummelheck verlängert; dem Stoffdach und der Golf-Technik unterm Blech bleibt man aber treu. Einen etwas größeren Sprung – allerdings ebenfalls Richtung Mainstream – macht der VW Golf Sportsvan, der mit flacherer, längerer Karosserie künftig den biederen Golf Plus ersetzt.

Eine sichere Sache ist derzeit auch, auf SUV zu setzen. Mercedes bringt mit dem GLA seinen ersten Crossover für die Kompaktklasse, bleibt echte Neuerungen aber schuldig. Auch die SUV-Studien von Lexus und Jaguar spielen die sichere Karte – das Segment wird nach Vorhersage fast aller Experten auch künftig boomen.