Früher hatten nur Oberklasse-Fahrzeuge den einen oder anderem elektronischen Helfer zur Unterstützung des Fahrers. Heute sind die Assistenten Bestandteil von Preislisten für Kompaktfahrzeuge oder Kleinwagen. Ob Einparkhilfen, Fernlicht- und Spurhalteassistent, Müdigkeitserkenner, Totwinkelwarner, Verkehrsschilderkennung oder adaptiver Abstandsregler (ACC) mit Bremseingriff: Es gibt kaum noch einen Hersteller, der nicht zu Assistenzsystemen greift. Selbst Kleinstwagen können heute mit City-Kollisionswarner geordert werden.

Die Zahl der Helfer wird künftig noch steigen. Ein Grund dafür: Die Testorganisation Euro NCAP hat ihre Bewertungsgrundlage geändert. Sie setzt in Zukunft Fahrerassistenzfunktionen voraus, wenn ein Fahrzeug die Höchstbewertung von fünf Sternen bekommen soll. Von 2014 an muss mindestens eine Assistenzfunktion eingebaut sein, ab 2016 ist ein vorausschauender Fußgängerschutz für die volle Punktzahl unabdingbar.

Dass die Automobilhersteller nicht auf die prestigeträchtige Fünf-Sterne-Einstufung verzichten wollen, ist logisch. Kein Wunder, dass die Automobilindustrie in Zusammenarbeit mit den Zulieferern an weiteren und besseren Assistenzsystemen arbeitet. 

Der Trend dabei: Die Helfer werden kleiner und leistungsstärker. So zeigt Continental zurzeit auf der IAA einen Kollisionswarner, in dem eine Kamera mit einem Infrarot-Entfernungsmesser kombiniert ist. So kann laut Conti das System Objekte vor dem Fahrzeug recht zuverlässig erkennen und eine mögliche Kollision im Voraus abschätzen. Die Technik ist bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h aktiv. Die ganze Einheit findet im Fuß des Innenraumspiegels Platz und eignet sich auch zum Einsatz in Kleinwagen. Ein solches System kann mehr als viele der bisher angebotenen Kollisionswarner für die Stadt, die nur bis zu Tempo 30 funktionieren und nicht über die Zusatzfunktionen einer Kamera verfügen.

Stereokameras sollen 2016 kommen

Für höhere Geschwindigkeiten ist der neue Radarsensor von Bosch geeignet, der im kommenden Jahr die Wirkungsweise von ACC-Systemen verbessert. Der Sensor kann einscherende Fahrzeuge schneller erfassen und damit Sicherheitsfunktionen wie die automatische Notbremsung früher auslösen. Außerdem lässt sich das System nun auch bei Geschwindigkeiten von über 160 km/h nutzen.

Stereokameras im Innenspiegel stehen ebenfalls kurz vor der Markteinführung. Läuft ein Kind vor das Fahrzeug oder fliegt da nur eine Papiertüte? Die Kameras verbessern das Erkennen und Definieren von Personen oder Gegenständen vor dem Auto, und sie können auch die Größe des Objekts besser einschätzen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu den verschärften Sicherheitsbedingungen der Euro NCAP. Solche Stereokameras halten vermutlich ab 2016 Einzug in die Fahrzeuge.

Ein praktisches Beispiel dafür: In Baustellenabschnitten registriert die Stereokamera Fahrbahnverengungen und löst gegebenenfalls eine Abbremsung aus, um Unfälle zu verhindern. In einer weiteren Ausbaustufe helfen die Kameras dabei, beim automatischen Ausweichen eine passende Lücke zu erkennen.