e-UpVWs teurer Elektrospaß

VW startet ins Elektrozeitalter: Der e-Up ist der erste käufliche Stromer der Wolfsburger. 26.900 Euro soll er kosten. Ist die Luxusversion des Kleinwagens ihr Geld wert? von 

Der e-Up ist das erste in Serie gebaute Elektroauto von Volkswagen.

Der e-Up ist das erste in Serie gebaute Elektroauto von Volkswagen.  |  © Christoph M. Schwarzer

Langsamer, bitte! Die Kurve an der Ausfahrt Fallersleben bei Wolfsburg ist zu eng für Autobahngeschwindigkeit. Also runter vom Strompedal – und den Wahlhebel des Automatikgetriebes drei Mal nach links ziehen. "D3" steht kurz im Display des VW e-Up. Das Kürzel bedeutet: Jetzt verzögert der Motor den Kleinwagen in der stärksten Bremsstufe. Die Antriebsenergie wird nicht über Bremsscheiben in Wärme umgewandelt und damit vernichtet, sondern durch die sogenannte Rekuperation zurückgewonnen und in der Batterie gespeichert. So, wie das alle Hybrid- und Elektroautos machen. Nur verstellbar ist die Rekuperation bei der Konkurrenz im Regelfall nicht.

Vielleicht ist diese Einstellmöglichkeit ein Tribut an all jene Autofahrer, die gelangweilt sind im ersten in Serie produzierten Elektroauto von Volkswagen: Statt zu kuppeln und zu schalten und dem Sound des Dreizylinders zu lauschen, geht es in der Elektroversion des Kleinwagens Up einfach nur geschmeidig, kraftvoll, unangestrengt und leise voran. Der e-Up ist die Luxusvariante in dieser Baureihe, und sein Antriebskomfort macht ihn nicht nur den baugleichen Modellen mit Verbrennungsmotor überlegen. Elektrisch fahren bedeutet im Up, ein Stück des Komforts eines Phaetons zu genießen.

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VWs erstes Elektroauto, das nicht nur angekündigt, sondern tatsächlich noch im Herbst beim Händler stehen wird, kommt weder zu spät noch zu früh. Zwar glänzte der Prototyp bereits 2009 auf der IAA. Aber jetzt, wo es den e-Up zu kaufen gibt, steht er in seiner Klasse weitgehend allein da. Es gibt keinen stromernden Kia Picanto oder Toyota Aygo, und der Mitsubishi i-MiEV ist mit seinem Van-artigen Konzept nur bedingt vergleichbar. "Richtig viel versäumt haben wir ja noch nicht", kontert Rudolf Krebs, im VW-Konzern für die Elektromobilität zuständig, darum den Vorwurf, die Wolfsburger kämen reichlich spät.

Der e-Up ist erst das zweite rein batterieelektrische Auto einer deutschen Marke, das man kaufen kann – den Anfang machte der Smart electric drive. Entscheidend aber ist: Während Europas größter Autohersteller bisher kein Fahrzeug mit Ladestecker im Angebot hatte, stehen nun gleich zwei vor dem Verkaufsstart. Nach dem e-Up folgt Anfang 2014 der e-Golf. Das ist ein unternehmenspolitisches Statement und für viele Interessenten Anlass, sich überhaupt ernsthaft mit dem Thema Elektroauto zu beschäftigen.

Batterieladung soll für rund 160 Kilometer reichen

In der Sache ist der e-Up schlicht der beste Up, den es gibt. Das Fahren ist mühelos, und an der Ampel genügt ein leichter Druck aufs Strompedal, um zügig davonzugleiten. In nüchternen Zahlen: Der E-Motor leistet 60 kW (82 PS); in 4,9 Sekunden hat der e-Up vom Stand auf 60 km/h beschleunigt, in weiteren 7,5 Sekunden ist der Wagen auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei abgeriegelten 130 km/h.

Volkswagen gibt den Normverbrauch mit 11,7 kWh auf 100 Kilometer an. Bei der Testfahrt von ZEIT ONLINE benötigte der e-Up im Durchschnitt 12,9 kWh. Aber Vorsicht: Bei Elektroautos hängt der Stromkonsum in erster Linie mit der gefahrenen Geschwindigkeit zusammen. Ein kurzer Energiestoß an der Ampel beeindruckt die Batterie nicht, und in der Stadt sind besonders niedrige Werte um 12 kWh möglich. Fährt man aber auf die Autobahn, wo die Physik in Gestalt des Luftwiderstands ins Spiel kommt, steigt der Verbrauch auf über 20 kWh an.

Die Batterie wiederum hat laut Hersteller eine Kapazität von 18,7 kWh. Doch dort, wo Kleinwagen wie der Up üblicherweise bewegt werden – auf Kurz-, Pendel- und Einkaufsstrecken – dürfte die im Vergleich zu den Dreizylindermotoren beschränkte Reichweite allerdings belanglos sein.

Leserkommentare
  1. BMW i3 anyone? Das EINZIGE E-Auto, welches von Grund auf als solches geplant war und auch noch dieses Jahr ausgeliefert werden soll. Leichter, effizienter, moderner.

    Der e-Up ist mit Sicherheit keine Todgeburt, aber die Kunden werden es sich nur einmal ueberlegen, ob sie yet another Hastig-auf-Elektro-umgeruestetes-Normal(verzichts)auto kaufen, oder lieber ein wirklich von Grund auf dafuer vorgesehenes Auto, welches auch kein Verzichtsmobil ist (ausser in der Reichweite).

    Tut mir leid VW, das geht besser.

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    Freier Autor

    Lieber User electricdawn,

    danke für Ihren Kommentar!

    Sie können sicher sein, dass der BMW i3 nicht vergessen worden ist. Er wird aber nach heutigem Kenntnisstand erst nach dem e-Up beim Händler stehen und ist darum das dritte batterieelektrische Auto einer deutschen Marke.

    Beste Grüße,

    Christoph Schwarzer

  2. Sind die Akkus auf -10 ausgekühlt, fährt man gar nicht mehr. Gibts eine elektrische Akkuheizung oder sollte der Käufer eine Garage haben? Die Wintererfahrung mit Pedelec zeigt, dass man auch bei Kälte Arbeitswege zurücklegen kann, da kann man den Akku aber mit in Haus bzw. Büro nehmen, der ist also immer Betriebswarm. Aber vielleicht ist der Up ähnlich wie ein Cabrio ein Sommerauto.

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    • enios
    • 05. September 2013 15:25 Uhr

    kann man sich ja noch ein RICHTIGES Auto bereithalten.

  3. Freier Autor
    3. BMW i3

    Lieber User electricdawn,

    danke für Ihren Kommentar!

    Sie können sicher sein, dass der BMW i3 nicht vergessen worden ist. Er wird aber nach heutigem Kenntnisstand erst nach dem e-Up beim Händler stehen und ist darum das dritte batterieelektrische Auto einer deutschen Marke.

    Beste Grüße,

    Christoph Schwarzer

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  4. Eine Woche oder zwei? Ich finde es sehr merkwuerdig, dass IMHO das wichtigste (deutsche) E-Auto dieses Jahres bei so einem Vergleich einfach vergessen wird.

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  5. Zur Ergänzung: Im Rahmen der vier "Schaufenster Elektromobilität" werden in den Regionen Niedersachsen, Bayern/Sachsen, Baden-Württemberg und Berlin/Brandenburg CCS-Schnellladesäulen in zweistelliger Zahl installiert werden. Diese stehen dann natürlich auch für alle eUp-Käufer zur Verfügung. Die Schnellladeoption könnte sich daher für den einen oder anderen lohnen.

    • Khen
    • 05. September 2013 14:29 Uhr

    Wenn mir jetzt noch jemand erklärt, warum das Teil 11.000 Euro teurer ist als die "Normalversion", dann würde ich mich freuen.

    Ein Elektromotor ist ja eigentlich grundsätzlich einfacher aufgebaut und bedarf auch keines Getriebes. Wenn wir also hier von +/- Null ausgehen würden, wäre die Batterie an den 11.000 Euro ursächlich.

    Finde ich ehrlich gesagt ein wenig happig. Gut, wenn ich jetzt von 12,9 kWh / 100 km und 25 Cent pro kWh ausgehe, dann sind wir beim Äquivalent von 2 Litern auf 100 Kilometer. Trotzdem kann ich da für 11.000 Euro eine Menge Sprit verfahren, bevor ich da das erste Mal im Plus liege.

    Gehen wir vom Stadtverkehr aus und sagen mal 6,5 Liter auf 100 km. Dann sind das 4,5 Liter / 100 km Differenz. Benzinpreis setzen wir auf ungünstige 1,60 Euro pro Liter. Dann bekämen wir für 11.000 Euro insgesamt 6.875 Liter. Das dann geteilt durch besagte 4,5 Liter / 100 km und wir kommen auf 152.778 km die wir fahren müssen, bevor das Elektroauto das erste Mal im Plus liegt.

    Gut, da sind sicherlich ein paar Ungenauigkeiten dabei, aber rechnen tut sich das derzeit nicht wirklich, wenn man mal bedenkt, was für Jahreslaufleistungen ein reines Stadt(!)-Auto haben wird...

    2 Leserempfehlungen
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    Die Mitforisten haben sicher recht, wenn sie derzeit zu dem Ergebnis kommen, ein eAuto rechne sich nicht. Das ist auch nicht Ziel des ganzen - sondern die Etablierung einer umweltfreundlichen Technologie.

    Tatsächlich ist die Lithium-Ionen-Batterie der wesentliche Kostenfaktor. Es gibt daher bereits Modelle für ein Batterieleasing - man hätte dann ein ähnliches Preisgefüge wie beim "normalen" Auto mit Kauf und Tanken.

    Die Lithium-Ionen-Batterie ist möglicherweise aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Chinesen (mit einem wesentlich größeren eAuto-Markt und bekannten Durchsetzungsmöglichkeiten) präferieren die Brennstoffzelle, die gleichermaßen über Strom (=dauert länger) oder durch Brennstoffzufuhr (=Wasserstoff, in etwa wie Tanken) aufgefrischt werden kann. Damit könnte dann der Fahrzeugpreis auch wieder sinken.

    • FalkP
    • 05. September 2013 16:07 Uhr

    Ist es aber aus ökologischer Sicht, wohl gemerkt aus Gesamtökologischer Sicht, nicht sinnvoller gleich einen spritsparenden Gebrauchtwagen zu kaufen?

    Bsp.: Ich fahre seit kurzer Zeit ein Renault 1,5l Diesel mit einem Verbrauch(kombiniert) von 5,0l.

    Fazit: Gut, günstig und ökologisch gesehen top.

    Wenn man folgendem Link trauen kann, liegt der Preis pro kwh derzeit bei 200 €. Macht bei 20 kwh also 4000 € akku kosten.
    http://www.wiwo.de/untern...

    Die restlichen 7000 € müssen also dem Ausbau des Motors (wenn man den Benzinmotor 1zu1 in einen Elektromotor umtauschen kann) und der Ladeelektronik zugesprochen werden.

    • mumpes
    • 05. September 2013 18:59 Uhr

    Eine rein vernünftige Entscheidung (wenn man als Autokäufer überhaupt von Vernunft reden sollte) ist die Anschaffung eines E-Mobiles wohl (noch) nicht. Dazu sind diese Autos mit ihrer Batterie zu teuer. Aber nachdem ich kürzlich mal eines Probe gefahren bin, stelle ich fest: Es ist ein Luxus, der Spaß macht. Wohl dem, der sich es leisten kann. Wenn dann noch in einigen Jahren passende Lithium-Sauerstoff-Batterien mit Kapazität für an die tausend km nachrüstbar wären, wäre es perfekt.

    • Alaric
    • 06. September 2013 8:54 Uhr

    Zu der Frage, warum das Auto so viel kostet, Sie haben die Antwort schon gefunden:
    "Wenn wir also hier von +/- Null ausgehen würden, wäre die Batterie an den 11.000 Euro ursächlich." Pi mal Daumen kommt das in etwa hin.
    Die woanders genannte Preise von 200 EUR decken sich nicht mit anderen Quellen, die eher in Richtung 2x so viel gehen, hinzu kommt eine komplizierte Elektronik für die Regelung der Batterie an sich, was die Batterie weiter verteuert, usw. usw.

    Also, die einfache Antwort lautet: das Auto ist deswegen so teuer, weil die Akkus noch schweineteuer sind.

  6. Es muss jemand sein der

    * selten lange strecken fährt (Mietwagen oder Freund fragen etc)
    * viel fährt

    Also vermutlich jemand mit zwei Jobs, der jeweils auf Arbeit aufladen kann. Ein konventioneller Pendler hat zu kurze Strecken, und ein konventioneller vielfahrer fährt viel auf der Autobahn.

    Ganz die 160 km kann man nicht veranschlagen, die letzten % dauern ja lange aufzuladen, und dann gibts noch Winter etc.

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    • Hadrius
    • 05. September 2013 14:32 Uhr

    Artikel bringt es auf den Punkt: Eingeschränkter Nutzen weil keine Langstrecke und 11.000 Euro teurer. Hinzu kommt noch die Investition in Ladestation plus (eingeschränkt) Parkplatz.

    Für Umweltbewegte mit begrenztem Geld ist Erdgas wohl die richtige Wahl.

    Und sonst: ich glaube gern, dass es Interessenten für das E-Mobil gibt. Fürchte aber nur die wenigstens von ihnen wollen oder können 27.000 Euro für einen Pkw ausgeben.

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  • Schlagworte Volkswagen | Elektroauto | IAA
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