HochgeschwindigkeitszugJapan setzt die nächste Superlative aufs Gleis

Japan baut den schnellsten Zug der Geschichte. Mit 500 km/h soll er Tokio und Osaka verbinden, angeblich ohne Steuerfinanzierung. Realistisch ist das Versprechen nicht. von 

Bislang läuft alles nach Plan. Ende August wurde die Teststrecke im Südosten von Japans Hauptinsel Honshu auf knapp 43 Kilometer ausgebaut, und 500 Kilometer pro Stunde erreicht der futuristische Schlauch schon routinemäßig. In den Tunneln der verlängerten Proberoute sollen vermehrt Sicherheitsübungen absolviert werden. Und geht es nach Premierminister Shinzo Abe, wird der JR Maglev schon bald nach ganz Asien exportiert. Es wäre das nächste Kapitel technologischen Fortschritts aus Japan.

In der Tat setzt dieser Zug Maßstäbe. Wie der in Schanghai betriebene Transrapid von Siemens und ThyssenKrupp schwebt der JR Maglev zumindest ab 150 km/h durch Magnetkraft über den Gleisen, allerdings mit verbesserter Technologie. Nur bei langsamer Fahrt werden Rollen ausgefahren. Da so bei höheren Geschwindigkeiten keine Reibung entsteht, verbraucht der Zug weniger Energie als gänzlich auf Rädern basierende Modelle und ist weitgehend unabhängig von Witterungsbedingungen.

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Von 2027 an soll der JR Maglev zwischen Tokio und Nagoya fahren, die Fahrt auf der 322 Kilometer langen Strecke soll dann statt bisher 90 nur noch 40 Minuten dauern. Für 2045 ist auch der Betrieb zwischen Tokio und Osaka geplant. 400 Kilometer dauern dann nur noch eine Stunde und sieben Minuten, 1.000 Passagiere können mitfahren. Und das Beste: Die nötigen Investitionen von neun Billionen Yen (70 Milliarden Euro) sollen ohne Steuergelder gestemmt werden. Das verspricht jedenfalls das betreibende Unternehmen JR Tokai.

Bedarf für den Highspeedzug vorhanden

Wozu braucht Japan überhaupt so ein Projekt? Als Land der Züge ist es lange bekannt. Der 1964 eingeweihte weltberühmte Shinkansen war schon in seiner ersten Version geschätzt für Sauberkeit, Geschwindigkeit und Pünktlichkeit, und seine neueste Baureihe 500 ist mit einem Tempo von bis zu 300 Stundenkilometern einer der schnellsten Züge überhaupt. Unvergleichbar ist er in Sachen Pünktlichkeit: Verspätungen betragen im Schnitt keine halbe Minute. Bei den wenigen Unfällen hat es nie Tote gegeben, auch dank eines integrierten Erdbebenfrühwarnsystems. Außerdem fahren Express- und Regionalzüge durchs Land. Das dichte Schienennetz ist auch ein Grund, warum Japans Straßen kaum Probleme mit Staus haben.

Nur bereitet gerade die Verbindung zwischen Tokio und Osaka, den beiden größten Metropolregionen Japans, zunehmend Sorgen. Weltweit ist keine andere Strecke zwischen zwei Städten so stark frequentiert. Täglich werden rund 185.000 Reisen zwischen den beiden Städten gemacht. Allein der schnelle Shinkansen verlässt den Bahnhof in Tokio im Dreiminutentakt. Noch kürzere Intervalle wären erwünscht, sind aus Sicherheitsgründen aber unmöglich. Zudem verkehrt die mehr als 400 Passagiere fassende Boeing 747 täglich zwischen Tokio und Osaka – für eine Entfernung von 400 Kilometern ist der Einsatz des Jumbos einzigartig.

Eine weitere Zugstrecke zu verlegen, ergibt also auch deshalb Sinn, weil sie die Lage auf Tokios überlasteten Flughäfen etwas entspannen würde. Verbindet ein Zug Tokio und Osaka in einer guten Stunde, wie es die Pläne von JR Tokai vorsehen, dann werden weniger Menschen freiwillig den lästigen Weg an Tokios Stadtrand auf sich nehmen, um bei einem der beiden Flughäfen noch die Sicherheitskontrollen passieren zu müssen.

Leserkommentare
  1. 1. Die neueste Baureihe ist N700(A). Der fährt im Regelbetrieb keine 300 km/h. Die 500er werden nur noch als Milchkannen-Shinkansen eingesetzt, und erreichen nie 300 km/h.
    2. Das Streckennetz in Japan ist außerhalb der Ballungszentren nicht besonders dicht. Seit der Privatisierung und Aufteilung der JNR wurde das Streckennetz konsequent zurückgebaut, und die Anzahl der verkehrenden Züge auf schwächer frequentierten Strecken stark zurückgefahren. Was bei Unternehmen, die alleine unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeiten, eben passiert.
    3. Haneda ist nicht am Stadtrand sondern noch relativ zentral. Einige Minuten von Shinagawa, wo die Chuo-Shinkansen wahrscheinlich beginnen wird. Narita spielt für diese Relation sowieso keine Rolle.
    4. "Dreiminuten-Takt" stimmt so nicht. Der kürzeste Abstand zwischen zwei Zügen ist drei Minuten. Das passiert etwa zwei bis dreimal die Stunde, aber der Abstand ist meist größer. Der Grundtakt ist alle 10 Minuten.

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    danke für das genaue Lesen und den Hinweis, dass die Baureihe 700 noch etwas neuer ist als die 500. Der 500er, der ja nach wie vor in Betrieb ist, hat allerdings 300km/h erreicht und der Punkt in diesem Absatz ist, dass Japan schon über diese leistungsfähige Technologie verfügt und nun dennoch eine bessere her soll.
    Beim Streckennetz ist meine Erfahrung, dass ich - abgesehen von Okinawa und den zerstörten Gebieten in Tohoku - überall gut mit dem Zug hinkomme. Ob das Netz früher noch dichter war, ist natürlich eine andere Frage. Im internationalen Vergleich steht Japans Netz aber gut da.
    Der Flughafen Haneda ist zwar näher an der Stadt als Narita, aber eine lange Fahrt ist es von den meisten Ecken Tokios noch immer. Das einfache Reisen zu Tokyo Station im Stadtzentrum, wo man ohne Sicherheitskontrollen einfach in den Zug steigt und losfährt, ist doch ein Plus gegenüber dem Flugverkehr.
    Und natürlich ist der Dreiminutentakt das Maximum. Im Text wird nicht behauptet, dass dies 24 Stunden so läuft. Die Peakzeiten sind hier relevant.

    • Wupert
    • 06. September 2013 21:49 Uhr

    ... wir in Deutschland unsere sehr weit oben angesiedelte Nase über ein japanisches Projekt rümpfen, weil es zwar technologisch sehr fortschrittlich aber auch sehr teuer ist, finde ich bemerkenswert.

    Vorallem darum, weil wir in Deutschland hunderte von Milliarden an Subventionen in Windmühlen und die chinesische Solarindustrie stecken und hoffen(!) das sich dieses Geld mal irgendwann auszahlen könnte.

    Ich denke in Japan wird das Fahren im diesem Superzug schon zur Normalität geworden sein, wenn wir hier noch auf den Erfolg der Energiewende hoffen ... das ist irgendwie tragisch.

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    "Vorallem darum, weil wir in Deutschland hunderte von Milliarden an Subventionen in Windmühlen und die chinesische Solarindustrie stecken und hoffen(!) das sich dieses Geld mal irgendwann auszahlen könnte."
    -----------------------------
    Und auch, weil "wir" deutschen glauben, eine technologie wie den Transrapid ist verzichtbar, während die Chinesen mittlerweile Vorreiter sind, weil wir freiwillig drauf verzichtet haben.
    Der Boomerang der Ökos wird die nächste Generation mit voller Wucht treffen. Dann ist Zahltag!

  2. In beinahe jedem Artikel über Japan liest man etwas darüber, wie die Japanischen Medien Aspekte, die Japan in einem negativen Licht zeigen könnten, ausblenden oder beschönigen - und kommt damit der Realität im Land sehr nah. Eine freie Presse hat es in Japan nie gegeben. Siehe auch Fukushima, die Kriegsverbrechen, oder den Olympus-Fall vor ca. einem Jahr.

    Japan ist eben so ein Land, wo der sowieso schon übersteigerte Nationalstolz der Bevölkerung regelmäßig mit Ingenieur-Großleistungen wie dem "Sky Tree" in Tokyo oder dem "Maglev" angeheizt wird, während die Abgründe (Militaristisch geprägtes Erziehungssystem, Wirtschaftsprobleme, Selbstmordraten, Korruption, Organisierte Kriminalität, dramatischer Bevölkerungsrückgang, Überschuldung des Staates, Mobbing auf allen Ebenen, etc. pp) immer schön verschwiegen werden müssen.

    Das ist zwar in Ostasien nicht einmalig, aber das Selbstbild Japans als eine Art "Herrennation" in Asien funktioniert nur durch diesen Selbstbetrug, der leider auch im Westen oft nicht als solcher wahrgenommen wird.

    Und wer jetzt meint, mit einem "ist doch bei uns fast genauso" antworten zu müssen, sollte erstmal mindestens ein, zwei Jahre in Japan leben und die Sprache beherrschen, um mitreden zu können, denn Japan ist nicht annähernd mit irgendeinem westlich geprägten Land zu vergleichen.

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    • CSJapan
    • 07. September 2013 6:36 Uhr

    Ich denke, es ist mal Zeit, Ihren hier in dem Forum verbreiteten, populistischen Meinungen etwas Contra zu geben.

    Es ist etwas provozierend, dass Sie schreiben, man müsste erstmal hier leben und die Sprache sprechen, bevor man mitreden könne. Es gibt viele deutsche bzw. englisch-sprachige Quellen, die genügend Informationen über das Land bereitstellen, wenn man sich dafür interessiert. Ich glaube eher, Sie schreiben dies nur, damit Ihnen hier nicht so leicht jeder widersprechen kann.
    Auf die von Ihnen genannten "Probleme" möchte ich nicht auf alle im einzelnen angehen. Zum Bevölkerungsrückgang, vielleicht ist dieser ja auch gewollt. Wie sie vielleicht wissen, ist Japan nicht gerade unterbevölkert.
    Zu den "Ingenieur-Großleistungen", es gibt nun mal die Industrie, so wie es die Waffenindustrie in Amerika gibt. Zu dem Skytree, wie sie sich noch informieren können, zum Bau wurden angeblich nur Firmen engagiert, die NICHT mit der Yakuza verflochten sind, was auch zu Schießerein geführt hat. Damit soll das Bauwerk als eine Art Leuchtturm gegen das organisierte Verbrechen angesehen werden.
    Zum Schluss noch zum eigentlichen Artikel:
    Der Zug macht natürlich schon Sinn in unserer Welt, die sich unter dem Zwang der Effizienzsteigerung befindet. Weiterhin ist der Zug sicher im Betrieb umweltfreundlicher als die 747, die dann wohl überflüssig werden wird. Das Problem ist dann vielleicht doch wieder die Umwelt, da die Strecke durch die "jap. Süd-Alpen" führt, die ständig in Bewegung sind.

    Dass Sie nicht auf die genannten Probleme (jedes für sich eine Art Todesurteil für eine angeblich demokratische Gesellschaft) eingehen wollen, ist schade, aber so wird eben in Japan mit Problemen umgegangen - wegschauen, ignorieren, und sich als das Opfer stilisieren. Ich hoffe, Sie sind dann nicht enttäuscht, dass ich auch nur auf dies eingehe:

    Sie schreiben:
    "Zu dem Skytree, wie sie sich noch informieren können, zum Bau wurden angeblich nur Firmen engagiert, die NICHT mit der Yakuza verflochten sind, was auch zu Schießerein geführt hat. Damit soll das Bauwerk als eine Art Leuchtturm gegen das organisierte Verbrechen angesehen werden."

    Das heisst, dass das größte und teuerste "Leuchtturmprojekt" Tokios, oder eher ganz Japans, als Zeichen gegen die organisierte Kriminalität gedacht ist? Das war mir noch nicht bekannt - aber wenn es so ist, dann ist das ein Eigentor - denn wie schlimm und massiv muss das Problem der organisierten Kriminalität sein, dass Tokio ihm sein neues Wahrzeichen (vergleichbar mit dem Burj Khalifa in Dubai) widmet?

    Ich schätze, dies ist einfach ein weiterer Fall von "lip service", so wie es in Japan seit jeher gepflegt wird. Vorne wird behauptet, man kümmere sich um die Probleme, aber in Wirklichkeit passiert rein gar nichts.

    • CSJapan
    • 07. September 2013 6:36 Uhr

    Ich denke, es ist mal Zeit, Ihren hier in dem Forum verbreiteten, populistischen Meinungen etwas Contra zu geben.

    Es ist etwas provozierend, dass Sie schreiben, man müsste erstmal hier leben und die Sprache sprechen, bevor man mitreden könne. Es gibt viele deutsche bzw. englisch-sprachige Quellen, die genügend Informationen über das Land bereitstellen, wenn man sich dafür interessiert. Ich glaube eher, Sie schreiben dies nur, damit Ihnen hier nicht so leicht jeder widersprechen kann.
    Auf die von Ihnen genannten "Probleme" möchte ich nicht auf alle im einzelnen angehen. Zum Bevölkerungsrückgang, vielleicht ist dieser ja auch gewollt. Wie sie vielleicht wissen, ist Japan nicht gerade unterbevölkert.
    Zu den "Ingenieur-Großleistungen", es gibt nun mal die Industrie, so wie es die Waffenindustrie in Amerika gibt. Zu dem Skytree, wie sie sich noch informieren können, zum Bau wurden angeblich nur Firmen engagiert, die NICHT mit der Yakuza verflochten sind, was auch zu Schießerein geführt hat. Damit soll das Bauwerk als eine Art Leuchtturm gegen das organisierte Verbrechen angesehen werden.
    Zum Schluss noch zum eigentlichen Artikel:
    Der Zug macht natürlich schon Sinn in unserer Welt, die sich unter dem Zwang der Effizienzsteigerung befindet. Weiterhin ist der Zug sicher im Betrieb umweltfreundlicher als die 747, die dann wohl überflüssig werden wird. Das Problem ist dann vielleicht doch wieder die Umwelt, da die Strecke durch die "jap. Süd-Alpen" führt, die ständig in Bewegung sind.

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    Antwort auf "Japans Medien"
  3. Leider ist die Aussage von Ginés de Rus falsch wiedergegeben. Im Originaldokument (S. 20) heisst es:
    "With typical construction costs and time savings, and expected demand growth, a figure around 10 million passenger-trips would be required for a 500 km
    HSR line in its first year of operation." Die Kosten-Nutzen Analyse bezieht natuerlich die Investitionskosten mit ein.
    Desweiteren kann man nicht einerseits mit heutigen Schaetzungen operieren und dann ploetzlich das Argument in die Wagschale werfen, in 15 Jahren gibt es ggf. eine bessere Technologie. Wer weiss schon was sich in 15 Jahren oekonomisch tut, vielleicht sind die Kosten dieses Zuges aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung dann relativ gering. Eine Prognose zu machen was in 15 Jahren passiert, ist wie in eine Glaskugel schauen und genauso sinnvoll.

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  4. mich das Maglev Strecken derart teuer sind. Was mich auch wundert warum Maglevs ziemlich laut sind, würde fast vermuten die Lärmbelastung ist durch eine Maglev höher als bei einem normalen Zug obwohl doch eigentlich keine Rollreibung auftritt.

  5. Privatiserung, Wutbuerger, Geld fuer die Borse, nicht fuer Schienen, fahren sie mal morgens so um 6.15 von 90 km ausserhalb nach London! Dann loben sie danach die "DB"....Europa

  6. Dass Sie nicht auf die genannten Probleme (jedes für sich eine Art Todesurteil für eine angeblich demokratische Gesellschaft) eingehen wollen, ist schade, aber so wird eben in Japan mit Problemen umgegangen - wegschauen, ignorieren, und sich als das Opfer stilisieren. Ich hoffe, Sie sind dann nicht enttäuscht, dass ich auch nur auf dies eingehe:

    Sie schreiben:
    "Zu dem Skytree, wie sie sich noch informieren können, zum Bau wurden angeblich nur Firmen engagiert, die NICHT mit der Yakuza verflochten sind, was auch zu Schießerein geführt hat. Damit soll das Bauwerk als eine Art Leuchtturm gegen das organisierte Verbrechen angesehen werden."

    Das heisst, dass das größte und teuerste "Leuchtturmprojekt" Tokios, oder eher ganz Japans, als Zeichen gegen die organisierte Kriminalität gedacht ist? Das war mir noch nicht bekannt - aber wenn es so ist, dann ist das ein Eigentor - denn wie schlimm und massiv muss das Problem der organisierten Kriminalität sein, dass Tokio ihm sein neues Wahrzeichen (vergleichbar mit dem Burj Khalifa in Dubai) widmet?

    Ich schätze, dies ist einfach ein weiterer Fall von "lip service", so wie es in Japan seit jeher gepflegt wird. Vorne wird behauptet, man kümmere sich um die Probleme, aber in Wirklichkeit passiert rein gar nichts.

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