Preisfüchse fanden schon seit Längerem auf speziellen Websites Tipps für günstige Tankstellen in ihrer Nähe. Doch so genau und zeitnah wie seit Donnerstag waren die Angaben wohl nie: Eine neue Markttransparenzstelle für Kraftstoffe gibt Spritpreisänderungen von mehr als 13.000 Tankstellen in Deutschland in Echtzeit an Informationsdienste weiter.

Der Preisvergleich schaffe für den Verbraucher "Waffengleichheit mit der Mineralölindustrie" und werde den Wettbewerb ankurbeln, sagt Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Fast alle der bundesweit rund 14.700 Tankstellen müssen seit Ende August Preisänderungen binnen fünf Minuten dem Bundeskartellamt melden, sonst droht ein Bußgeld. Nur ganz kleine Tankstellen sind ausgenommen.

Die Behörde selbst betreibt keine eigene Info-Website oder Smartphone-App. Aber Informationsdienste können sich beim Kartellamt registrieren lassen, um die Daten zu bekommen. Das Kartellamt gibt diese kostenlos weiter, zunächst an die vier Anbieter ADAC, clever-tanken.de, mehr-tanken.de und spritpreismonitor.de. Weitere acht Informationsdienste sollen folgen, sagte Mundt. Bis Anfang Dezember läuft ein Probebetrieb.

Der deutsche Kraftstoffmarkt wird von fünf großen Mineralölkonzernen dominiert, die rund zwei Drittel des Markts abdecken. In einer umfassenden mehrjährigen Untersuchung konnte das Kartellamt zwar keine Beweise für illegale Preisabsprachen finden. Trotzdem hält es den Wettbewerb für unzureichend und will mit der Meldestelle für mehr Transparenz sorgen. 

Viele Autofahrer entscheiden gar nicht nach dem Preis

"Der Autofahrer muss seine Marktmacht nutzen und konsequent dort tanken, wo es günstig ist", sagt Katharina Lucà vom ADAC. Untersuchungen zeigen aber, dass der Preis nur für eine Minderheit der Autofahrer bei der Tankstellenwahl die wichtigste Rolle spielt. Für die meisten ist der Standort wichtig oder der Shop, sie haben eine Stammtankstelle oder eine Tankkarte oder es ist ihnen schlicht egal, ob sie beim Tanken zwei oder drei Euro mehr oder weniger ausgeben.

Verbraucherschützer finden den Schritt begrüßenswert, warnen aber davor, die Meldestelle als "Wundermittel für niedrige Benzinpreise" zu betrachten. "Wir werden nicht erleben, dass jetzt auf einmal die Preise purzeln", sagt Martin Klug von der Verbraucherzentrale NRW. Die Branche verweise darauf, dass aufgrund geringer Margen im Tankstellengeschäft die Spielräume für Preissenkungen an den Zapfsäulen klein seien.

"Geld für eine Placebo-Behörde"

Wegen der Fünf-Minuten-Frist für Preismeldungen sei zudem nicht sicher, dass der vermeintlich günstigste Preis auch noch gelte, wenn der Autofahrer tatsächlich vorfahre, sagt Klug. Er kritisiert, dass die Meldepflicht sich nur auf die Sorten Super E5, Super E10 und Diesel erstreckt, nicht aber auch auf Erd- und Autogas.  

Bärbel Höhn von den Grünen hält die neue Meldestelle für wirkungslos. "Da wird Geld für eine Placebo-Behörde rausgeschmissen, die wenig bis gar nichts bringt", kritisiert die Bundestagsabgeordnete. Die wirklichen Gewinne würden schon in den Raffinerien abgeschöpft, sagt Höhn. Die Raffinerien gehörten aber vielfach auch den Tankstellenketten. "Hier entstehen die Preisaufschläge, die man oft zu Ferienbeginn sieht. Und genau dort guckt die neue Behörde nicht hin."

"Benzin-Apps können die Marktmacht der fünf großen Mineralölkonzerne nicht brechen", sagt Caren Lay, die verbraucherpolitische Sprecherin der Linksfraktion. "Preistransparenz ersetzt staatliches Handeln nicht." Die Linke fordert eine Genehmigungspflicht für Benzinpreiserhöhungen und eine Entflechtung der Ölkonzerne: "Produktion und Verkauf von Benzin müssen endlich getrennt werden", so Lay.