OldtimerEin Coupé, so aufregend wie die Parabolica

Schöne Coupés müssen nicht aus München oder Stuttgart kommen. Das bewies vor 35 Jahren der Opel Monza. Jetzt steht wieder ein Modell mit diesem Namen auf der IAA. von Wolfram Nickel

Nirgendwo werden Motorsport-Fans so leidenschaftlich wie in Monza, ist doch das Autodromo mit einem durchschnittlichen Rundentempo von 230 km/h die weltweit schnellste Formel-1-Rennstrecke. Ganz so rasant war der Opel Monza zwar nicht unterwegs, seine Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h genügte vor 35 Jahren aber zur Pole Position bei den Oberklassecoupés.

Vor allem sollte der Monza Opel zurück in die Glamourliga führen. Dort, wo einst Kapitän, Admiral und Diplomat Führungsrollen besetzten. Wo der zweitürige Diplomat vom Karossier Karmann oder der keilförmige Opel CD mit seinen Klappscheinwerfern als schönste Coupés beim Concours d'Élégance gekürt wurden.

Anzeige

Ende der 1970er Jahre war allerdings die Macht der Achtzylinder gebrochen. Energiekrisen und politische Forderungen nach Drosselung des Benzinverbrauchs machten sogar in den USA sparsamere Vier- und Sechszylinder sexy. Dies dafür mit ausreichend Pferdestärken unter der Haube. So setzte Opel im Monza, wie in seinem Limousinen-Pendant Senator, auf bis zu 180 PS starke Sechszylinder mit drei Liter Hubraum.

Die brachten viel Tempo, waren aber nach heutigen Maßstäben auch nicht wirklich genügsam. Großzügige 16,4 Liter im urbanen Normzyklus gönnte sich der Monza 3.0E auf 100 Kilometer. Auf schnellen Autobahnfahrten war der Konsum kaum geringer. Dennoch: Vergleichbar kräftige Achtzylinder verlangten damals bis zu 50 Prozent mehr. Und auch die etablierte Coupé-Konkurrenz belastete das Kraftstoffbudget ihrer Fahrer wesentlich heftiger.

Großes Interesse auf der IAA 1977

Außerdem war der Monza mit Preisen zwischen 25.000 und 30.000 Mark ein Schnäppchen zwischen weit kostspieligeren Zweitürern wie Mercedes 280 CE und BMW 628 CSI, aber auch Lancia Gamma Coupé, Volvo 262 und Peugeot 504 V6 Coupé. Die drei letztgenannten Coupés trugen Logos der italienischen Stardesigner Pininfarina und Bertone – Kultcoupé des Jahrgangs 1978 wurde der Opel Monza. Mit ihm gelang Opel das, woran die biedere Limousine Senator im Alleingang wahrscheinlich gescheitert wäre: begeisterten Beifall des Publikums zu ernten.

Schon die Studie des neuen Flaggschiffs wurde auf der IAA 1977 begeistert aufgenommen. Die Fachpresse war überrascht: Zwischen all den sachlich gezeichneten neuen Opel Rekord, Commodore und Senator stellte Opel ein aufregend gezeichnetes Hatchback-Coupé mit langer gläserner Heckklappe ins Rampenlicht. Ein 4,69 Meter langes Konzeptfahrzeug mit Fiberglaskarosserie und markanter Chromfront.

Opel gab dem ganzen den Namen Monza. Das klang wie ein großer Bruder des Manta, aber auch nach dem Kribbeln, das Rennstreckenkurven wie die Parabolica oder die Curve di Lesmo auslösen. "Baut Opel den wirklich?", "Geht der mit so viel Glas in Serie?", "Kann ich den sofort kaufen?" – das waren die meistgestellten Fragen auf dem Messestand. Journalisten waren verblüfft, dass ein Opel mehr IAA-Besucher anzog als etwa die neuen BMW 7er oder der Porsche 928.

Leserkommentare
  1. Wenn dieses Fahrzeug oder ein sehr ähnliches in Serie ginge, wäre es doch glatt das erste Mal, dass ich mich für die Marke Opel interessieren würde.

    • Burk W.
    • 15. September 2013 17:37 Uhr

    ...warte ich darauf, dass da mal jemand vor mir steht und die Seitenfront aufklappt, um in sein Auto zu steigen. Vielleicht gibt es diese schicken Dinger mit den Flügeltüren ja, aber mir ist noch keines begegnet. Dabei warte ich doch schon so lange darauf.
    Ich glaube, dass die Mehrheit der Autofahrer sich das einfach nicht trauen würde. Und so glaube ich eher, dass diese Innovation weiterhin ein Bild aus Zukunftsfilmen bleiben wird.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Flügeltüren sind im Alltag einfach unglaublich unpraktisch. Das wird wohl der Grund sein oder?

  2. Flügeltüren sind im Alltag einfach unglaublich unpraktisch. Das wird wohl der Grund sein oder?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die Flügeltüren brauchen eine Menge Platz, damit die öffnen kann. Da fällt die normale Parkbox schnell aus.

    Die langezogene Fahrgastzelle ohne B-Säule übersteht auch keinen Crashtest.

  3. die Flügeltüren brauchen eine Menge Platz, damit die öffnen kann. Da fällt die normale Parkbox schnell aus.

    Die langezogene Fahrgastzelle ohne B-Säule übersteht auch keinen Crashtest.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Vielleicht nicht in so überzeichneter Form, aber wenn Sie sich einmal die Coupe-Historie bei Daimler anschauen, werden Sie das in nahezu allen Fahrzeugen finden. Bei Daimler haben Coupes traditionell keine B-Säule, so dass Sie die gesamte Fensterfläche bis zur C-Säule öffnen können. Das war zB schon im C126 (SEC) so und zieht sich auch heute noch durch die Modellreihen.

  4. 5. Das...

    Das waren die Zeiten, in der die Opels noch große Namen trugen. Und nun heißen sie Astra, Zafira und Insignia, und Opel macht sich lächerlich, in dem sie den "Adam" "Äddem" aussprechen. Die Marke hat leider einen großen Hang zur Selbstzerstörung, was schade ist, denn eigentlich ist sie mir bei weitem sympatischer als die großspurigen Audi und BMW.

    Nur leider fehlt das Geld, mit dem man den Rückstand zu anderen wieder aufholen könnte, es reicht ja nicht mal mehr, um einen Corsa endlich abzulösen oder den anderen Fahrzeugen konkurrenzfähige Plattformen zu gönnen. Darum kann ich auch kaum glauben, dass tatsächlich die Monza-Studie in Serie kommt. Wirklich schade :-(

  5. ... jetzt fehlt noch ein schoenes, klassisches, heckangetriebenes(!) Coupe wie der klassische Monza. Ohne viel Schnoerkel, Buerzel und Falten.

    Ich glaube, der wuerde sich verkaufen wie geschnittenes Brot, wenn man den Wagen zu einem eher Opel-typischen Preis anbieten wuerde.

    Schau'n mer mal.

  6. Vielleicht nicht in so überzeichneter Form, aber wenn Sie sich einmal die Coupe-Historie bei Daimler anschauen, werden Sie das in nahezu allen Fahrzeugen finden. Bei Daimler haben Coupes traditionell keine B-Säule, so dass Sie die gesamte Fensterfläche bis zur C-Säule öffnen können. Das war zB schon im C126 (SEC) so und zieht sich auch heute noch durch die Modellreihen.

    Antwort auf "Unrealistisch..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Opel | IAA | Oldtimer
Service