Für Lars Thomsen ist die Autoindustrie eine Pfanne voll Mais auf offener Flamme. Minutenlang passiert nichts – wenn aber das Öl eine Temperatur von 163 Grad erreicht, geht alles ganz fix: Der Mais wird sekundenschell zu Popcorn. Diese Wandlung macht gerade auch die Autoindustrie durch: von konventionellen Antrieben hin zu Elektroautos.

Und das erste Maiskorn, so der Zukunftsforscher, ist bereits aufgegangen. Der Erfolg von Tesla markiere den Beginn einer unumkehrbaren Trendwende. "Die Automobilindustrie verändert sich derzeit mehr als in den vergangenen 50 Jahren", sagte Thomsen kürzlich auf einer Konferenz für Elektromobilität. Thomsen hat es sich zur Aufgabe gemacht, sogenannte Tipping Points vorherzusagen, also Punkte, an denen sich ganze Industriezweige für immer verändern. Sie können Konzerne in den Ruin treiben, wenn diese sie verschlafen.

Das ließ sich etwa auf dem Handymarkt beobachten: Jüngst verscherbelte der einstige Marktführer Nokia seine Mobilfunksparte an Microsoft. Ein weiteres Beispiel sind die Pleiten der deutschen Fernsehhersteller, die den Trend zum Flachbildschirm verpassten. Oder der Untergang von Kodak: Digitale Fotografie machten die analogen Produkte von Kodak schlicht überflüssig.

Dieser Text stammt von WiWo Green, dem Nachhaltigkeitsportal der WirtschaftsWoche.

"Viele Industrien haben sich in der Vergangenheit eingeredet, dass sich eine Technologie nie durchsetzt, die Konsumenten sie nicht wollen und man unanfechtbar ist", sagt Thomsen. Doch die Skepsis von heute könne schnell die Pleite von morgen bedeuten. Genau an einem solchen Punkt stehe nun die Autoindustrie.

Preissturz bei Akkus

Hersteller wie Nissan, BMW und Tesla forschen schon seit Jahren an E-Auto-Technik und entwickeln von Grund auf Fahrzeuge mit Elektroantrieb, während Daimler, Volkswagen und insbesondere Toyota vorrangig immer noch auf den guten, alten Verbrennungsmotor setzen (wenn auch als Hybrid). Das könnte sich bald bitter rächen. "Bereits 2016 wird die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren massiv zurückgehen", prophezeit Thomsen.

Zwei wesentliche Probleme der Stromer  – Preis und Reichweite – sieht Thomsen dann ausgeräumt, dank rasantem technologischen Fortschritt und fallenden Preisen. Eine Batterie würde dann nur noch 120 Dollar pro Kilowattstunde kosten; Tesla verbaut derzeit noch zu einem Preis von 200 Dollar. Außerdem gäbe es 2016 deutlich mehr Elektrotankstellen – in diesen Wochen stellt Tesla erste sogenannte Supercharger in Deutschland auf, BMW baut ebenfalls Ladesäulen auf.

Ein konventioneller Antrieb hätte dann, so Thomsen, schlicht keine Vorteile mehr. Ähnlich wie die analoge Fotografie, der Röhrenmonitor und das Tastenhandy hätte sich die Technologie innerhalb weniger Jahre überholt.