Wettbewerb und Konkurrenz sind die Chancen des Elektroautos, sagt Elon Musk, der Gründer von Tesla Motors. Es müsse einfach viel besser und begehrenswerter als konventionelle Produkte sein: "Wenn die anderen Hersteller sehen, dass wir Erfolg haben, werden sie nachziehen müssen."

Das klingt, als wäre Musk ein Fan des freien Marktes und Feind staatlicher Kaufanreizprogramme. Aber auch sein Produkt, das Tesla Model S, profitiert von öffentlicher Förderung. Im ZDF forderte der Tesla-Chef, es solle in Deutschland einen stärkeren, drei- bis vierjährigen finanziellen Rückenwind vom Staat geben. Denn im Vergleich zu anderen Ländern ist die Förderung von Elektroautos faktisch bei null, wie eine Berechnung des International Council on Clean Transportation (ICCT) zeigt.

Die Analyse der unabhängigen Forschungsorganisation betrachtet nicht die reine Fördersumme von Elektroautos, sondern wegen der komplizierten Anreizsysteme den Endpreis beim Kunden. Gleichzeitig wird am Beispiel des Volkswagen Up sowie dessen Stromzwilling e-Up klar, wie differenziert und trickreich einige Staaten bei der Finanzierung vorgehen.

Das zeigt das Beispiel Frankreich. Der Staat gibt 7.000 Euro für den Kauf einen e-Up. Aber auch für den normalen Up erhält ein Kunde wegen vergleichsweise niedriger CO2-Emissionen 2.000 Euro. In einem ersten Schritt liegt der Vorteil des Stromautos also bei 5.000 Euro. Weil der e-Up deutlich teurer ist, zahlt sein Käufer zugleich aber eine um 2.610 Euro höhere Mehrwertsteuer an den Fiskus. Das reduziert die staatliche Förderung auf 2.390 Euro. Unter dem Strich ergibt sich eine Preisdifferenz zwischen e-Up und Benzin-Up von 10.925 Euro. Der Staat finanziert die Subvention über eine Strafsteuer für Autos mit hohen CO2-Emissionen ("Bonus-Malus-System"). Was dem Elektroautokäufer zugute kommt, trifft den eventuell Rad fahrenden Steuerzahler somit nicht.

Der ICCT nimmt die Mehrwertsteuer in seine Berechnung auf, weil sie zum Beispiel in Norwegen Teil des Fördermechanismus ist. Dort werden dem Käufer eines e-Up die Mehrwertsteuer und die Zulassungsgebühr komplett erlassen. Im Ergebnis kostet ein Benzin-Up in Norwegen 17.643 Euro, die Elektroversion kommt – die üppige Förderung von 6.911 Euro einbezogen – auf 24.048 Euro. Das ist in Europa der geringste Abstand.

Auch andere skandinavische Länder unterstützen den Kauf von Elektroautos fast ebenso kräftig. In Dänemark liegt die Fördersumme bei 6.049 Euro, was den e-Up noch 10.595 Euro teurer macht als den Benziner. In Schweden beträgt die Differenz bei 4.921 Euro Subvention 10.643 Euro. In Deutschland sind es 15.765 Euro Unterschied – Schlusslicht.

Norwegen ist inzwischen zum Eldorado der Elektromobilität geworden. Wegen der massiven Förderung ist der Mehrpreis niedrig genug, um sich vergleichsweise schnell über die niedrigen Kilometerkosten zu amortisieren: In Norwegen ist der Strompreis ähnlich hoch wie in Deutschland, das Benzin aber deutlich teurer. Mehr als drei Prozent der Neuwagen fahren mit Strom. Der VW Golf wurde in der Verkaufsstatistik von den Elektromodellen Nissan Leaf und Tesla Model S überholt. Was, ganz nebenbei, ein Beweis für die volle Wintertauglichkeit batterieelektrischer Fahrzeuge ist.