Es ist schon eine Strafe, jeden Tag mit der U-Bahn fahren zu müssen! Oder sich aufs Fahrrad zu schwingen, statt wohlverdient im eigenen Auto auf dem bequemen Polster des Fahrersitzes Platz zu nehmen. Dieser Gedanke muss offensichtlich durch die Köpfe der potenziellen Großkoalitionäre schießen.

Anders lässt sich nicht erklären, dass Union und SPD laut einem Bericht der Welt künftig auch für Delikte wie etwa Ladendiebstahl den Entzug des Führerscheins als mögliche Strafe einführen wollen. "Um eine Alternative zur Freiheitsstrafe und eine Sanktion bei Personen zu schaffen, für die eine Geldstrafe kein fühlbares Übel darstellt, werden wir das Fahrverbot als eigenständige Sanktion im Erwachsenen- und Jugendstrafrecht einführen", zitiert die Zeitung aus einer Vereinbarung der Arbeitsgruppe Inneres und Justiz.

Damit zeigen CDU, CSU und SPD ein für das Jahr 2013 rückgewandtes Mobilitätsbild: Das Auto – und damit zwingend der Führerschein, um dieses bewegen zu können – bleibt das Maß aller Dinge. Den Pkw stehen zu lassen, ist eine Belastung. Öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen ist zweitrangig, gar von minderem Wert.

Die drei Parteien diskreditieren so die Bemühungen, moderne Mobilitätsangebote zu schaffen, die mit der Fahrt im eigenen Wagen ebenbürtig sind. Ziel sollte es sein, die Möglichkeiten dafür zu schaffen, dass künftig mehr Menschen zwischen Alternativen wählen können, die sie gleich gut von A nach B bringen. Womöglich sogar Angebote, die schneller und umweltfreundlicher sind als der Pkw. Und das nicht nur in der Stadt, sondern möglichst auch in kleineren Orten und auf dem Land.

Auch ohne große politische Anstrengungen hat sich hier schon einiges getan – seien es Mitfahr-Apps, Bürgerbusse auf dem Land oder Fernbusse. Dass Union und SPD solche Angebote nun zur "Sanktion" erklären wollen, ist ärgerlich.

Natürlich gibt es Führerscheinentzug auch heute schon. Doch Gerichte dürfen dieses Mittel nur gegen Täter anwenden, die sich beim Autofahren falsch verhalten haben. Diese Maßnahme auch auf Ladendiebstähle oder Körperverletzung auszudehnen, ist das falsche Signal. Ohne Auto unterwegs zu sein, ist schon heute vielerorts keine Strafe und keine Einschränkung persönlicher Mobilität mehr – und das sollte es auch jenseits der großen Städte nicht mehr sein.