Tempo 30 innerhalb der Stadtgrenzen soll den Verkehr sicherer machen, die Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger verbessern und Schmutz und Lärm verringern – doch die breite Masse hat daran offenkundig kein Interesse. Ein entsprechendes Bürgerbegehren in der EU hat die nötige Zahl an Unterschriften im Internet weit verfehlt. Die Frist, Unterstützungsbekundungen zu sammeln, endete am Mittwochabend.

Mindestens eine Million Unterschriften aus sieben oder mehr EU-Ländern hätte die Europäische Bürgerinitiative (EBI) "30kmh – macht die Straßen lebenswert!" sammeln müssen, damit sich die Europäische Kommission mit ihrem Vorschlag befasst. Aber bis zum Ende der Frist füllten nur gut 35.000 Personen das Onlineformular aus. Parallel sammelten die Initiatoren um die Berlinerin Heike Aghte EU-weit auch Unterschriften auf Papier. Diese Stimmen müssen noch ausgezählt werden, doch es werden kaum die 965.000 zusammenkommen, die nötig wären, um das Ziel noch zu erreichen.

Aghte räumte ein, das Quorum deutlich verfehlt zu haben. Sie schätzt, dass am Ende maximal 45.000 Unterstützer für ihre Initiative unterschrieben haben. Allerdings hätten bisher die meisten EBIs die Zielvorgabe nicht erreicht, sagt sie. Das Instrument wurde im April 2012 eingerichtet.

Aghtes Initiative strebte ein EU-weites generelles Tempolimit von 30 km/h in städtischen Gebieten an. Lassen die örtlichen Umstände es zu, dürften lokale Behörden dennoch andere Tempolimits festlegen. Das heutige System würde also umgekehrt: Derzeit ist Tempo 50 in der Stadt die Regel, 30er-Zonen werden speziell ausgeschildert.

Auch wenn sie ihr Ziel verfehlt hat: Aghte zieht eine positive Bilanz. "Unsere EBI hat ganz erheblich dafür gesorgt, dass das Konzept von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit viel stärker ins Bewusstsein gekommen ist und gesellschaftlich viel breiter diskutiert wird", sagte sie ZEIT ONLINE.

Dass die Zahl an Unterstützern recht gering geblieben ist, liegt nach Ansicht der Initiatorin auch darin, dass das Thema schwer vermittelbar sei. "Wenn man es zum ersten Mal anspricht, ist der Widerstand bei vielen groß. Sie gehen in eine Abwehrhaltung, weil sie sich gegängelt fühlen und glauben, sie dürften künftig überhaupt nicht mehr schneller als 30 km/h in der Stadt fahren," sagt Aghte. Spreche man aber länger mit jemandem darüber und zeige die Vorteile auf, ändere sich die Haltung oft.