Ein Test von Car2car-Kommunikation im Rahmen des Pilotprojekts "Sichere Intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland" (simTD) © simTD

Die Theorie liest sich großartig, die Praxis wirft unzählige Fragen auf. Von 2015 an werden neue Autos mit eCall ausgerüstet, einem System, das bei einem Unfall Daten übermittelt und Rettungskräfte alarmiert. Doch welche Daten sind das und wer erhält sie? Noch weiter geht die sogenannte Car2car-Kommunikation, an der die Autohersteller derzeit tüfteln als nächsten Schritt zum autonomen Fahren. Autos sollen untereinander kommunizieren und zur Steigerung der Verkehrssicherheit Informationen und Warnungen austauschen. Aber wer bestimmt, welche Daten das sind und wo sie vielleicht gespeichert oder weiterverarbeitet werden?

eCall ist vom Prinzip her sicher sinnvoll. Ein Gerät im Auto meldet sich in Sekundenbruchteilen nach einem Unfall bei einer Notrufzentrale und informiert über das eben geschehene Unglück – das garantiert schnelle Hilfe und damit eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit. "Dabei wird ein Mindestdatensatz übermittelt, darin enthalten ist die GPS-Ortung und auch eine Angabe zur Fahrtrichtung", erläutert Constantin Hack vom Auto Club Europa (ACE).

eCall gibt auch die Fahrzeugidentifikationsnummer weiter. "Dadurch erfahren die Rettungskräfte, ob es sich beispielsweise um ein E-Auto oder eines mit Gasantrieb handelt. Das kann überlebenswichtig sein, denn so wissen die Einsatzkräfte sofort, wo sie ihre Werkzeuge ansetzen können", sagt Hack. Gesendet werden soll diese Dateninformation nur im Falle eines Unglücks.

Grundsätzlich könnte bei einer regelmäßigen Übertragung der Daten aber auch ein Strecken- oder Verhaltensmuster des Fahrers gewonnen werden. Und: "Es gibt Überlegungen, weitere Daten aufzunehmen", sagt Hack, etwa zur gefahrenen Geschwindigkeit vor dem Unfall. Damit könnten zum einen die Helfer die Schwere des Unglücks besser einschätzen – zum anderen wäre ein eventuelles Fehlverhalten wie überhöhtes Tempo nachprüfbar.

"Hanebüchen, welche Daten schon jetzt erhoben werden"

All diese Daten könnten künftig auf verschiedene Weise genutzt werden. Wie, das zeigt nun die Sparkassen DirektVersicherung. Sie will schon ab Januar einen sogenannten Telematik-Sicherheits-Service anbieten. Dabei wird das Auto des Kunden mit einem Überwachungsmodul ausgerüstet, das regelmäßig Informationen an eine Zentrale weiterleitet. Diese wertet die Daten aus und überträgt sie in ein Punktesystem. Wird die Fahrweise als besonders defensiv erkannt, erhält der Kunde Rabatte. Kritische Stimmen von Verbraucherschützern nehme man ernst, heißt es. Die Versicherung erhalte keine umfassenden Daten, sondern nur den Punktewert und die gefahrenen Kilometer.

Doch solche Datensätze – und vor allem die noch umfassenderen Informationen durch Car2car-Kommunikation – können nicht nur richtiges Verhalten, sondern auch Fahrfehler und weitere Auskünfte übertragen. Damit stellt sich berechtigt die Frage, welche Daten ein Auto künftig tatsächlich überträgt und wie oft. Außerdem ist zu klären, wo und wie lange die Daten gespeichert werden und ob der Fahrer ein Mitspracherecht hat, wann sein Wagen mit wem kommuniziert.

Die Hamburger Verkehrsrechtsanwältin Daniela Mielchen hat sich intensiv mit dem Themenkomplex beschäftigt, der auch beim Verkehrsgerichtstag 2014 Ende Januar in Goslar auf der Tagesordnung steht. "Es ist hanebüchen, welche Daten schon jetzt erhoben werden", kritisiert Mielchen. Allein das Steuergerät eines Airbags sammelt Werte zur gefahrenen Geschwindigkeit, der Beschleunigung und der Motordrehzahl und ist meist auch darüber informiert, wann der Fahrer angeschnallt ist oder ob er mit einem Beifahrer unterwegs ist. Das sind alles wichtige Informationen, um eine korrekte Zündung der Airbags zu gewährleisten – aber eben auch Daten, die ein genaues Bild über das individuelle Fahrverhalten ergeben, wenn sie dauerhaft gespeichert werden.