Nicht nur Menschen sollen in Zukunft mehr Strecken auf dem Fahrrad zurücklegen, also die Zahl der Personenkilometer erhöhen. Auch mehr Güterkilometer sollen per Fahrrad absolviert werden. Dazu braucht es allerdings Lastenfahrräder, die auch sperrige und mitunter bis zu 300 Kilogramm schwere Ladung transportieren können. Sie können bis zu 10.000 Euro teuer sein.

Solche Lastenräder könnten mehr als die Hälfte aller heute noch mit Autos durchgeführten innerstädtischen Gütertransporte ersetzen, schätzt Arne Behrensen vom ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD). Die Realität sieht anders aus. Beim Logistiker UPS rollten schon seit den neunziger Jahren Lastenfahrräder bei der Auslieferung in Köln "auf der letzten Meile" zum Adressaten, andere Städte folgten, wie Lars Purkarthofer von UPS berichtet. Das Konzept sei aber schon bald wieder größtenteils verworfen worden.

Die Gründe seien vielschichtig, sagt Purkarthofer. Letztlich lag es vor allem an mangelnder Ladeinfrastruktur: So fehlte Abstellplatz für zentrale Container, aus denen die Lastenräder neu hätten mit Paketen versorgt werden können. Außerdem sei ohne Elektrounterstützung ein Lastenrad nur in der Ebene akzeptabel.

Die Zahl der Lastenräder, die UPS nun im Einsatz hat, ist zwar nicht an beiden Händen abzuzählen – viel mehr sind es allerdings nicht. "Ein Dutzend werden es deutschlandweit wohl sein", sagt Purkarthofer. Dagegen sind gut 5.000 Autos täglich für UPS in Deutschland auf Tour. Dennoch hält er die Räder für eine spannende Zukunftsoption.

Noch fehlt eine DIN-Norm

Auch der gesetzliche Rahmen ist unklar. Die Fracht-Fahrräder haben zum Teil drei Laufräder und sind damit wesentlich breiter als normaler Räder. Noch wissen die Nutzer nicht genau, ob sie der Radwegbenutzungspflicht unterliegen oder nicht. Mit den Kommunen gab es laut Purkarthofer keine großen Probleme, aber die gestellten Fragen blieben dennoch unbeantwortet. Der Fußgängerbereich unterliegt der kommunalen Gestaltung und ist mitunter Tabuzone.

Wie die Lastenräder im Detail beschaffen sein müssen, ist auch nicht final geklärt. Noch gibt es keine entsprechende DIN-Norm, in der spezielle Anforderungen und Prüfverfahren definiert werden. Das werde mindestens noch drei Jahre dauern, schätzt Juliane Jung vom Deutschen Institut für Normung (DIN). Ratsam wäre es, eine europäische Norm zu erarbeiten. Wird ein Fahrrad in der Arbeitswelt genutzt, wird es außerdem zum Betriebsmittel. Dafür interessiere sich wiederum die Berufsgenossenschaft mit eigenen Anforderungen an die Sicherheit, sagt Jung.

Der gemeinnützige Verein ExtraEnergy, der seit 1992 Räder mit elektrischem Antrieb testet, hat nach Angaben seines Vorsitzenden Hannes Neupert in den vergangenen Monaten acht Lastradmodelle getestet. Die Ergebnisse sollen im März veröffentlicht werden. Neupert will noch keine Details verraten, nur so viel: Der Test berge Diskussionsstoff – manche Modelle seien einfach zu schlecht gewesen.