In Cottbus stehen in diesen Tagen bei Wankel SuperTec (WST) Ingenieure und Autobauer aus Korea und China, deutsche Blockheizkraftwerk-Konstrukteure, Schweizer Biogasanlagenbauer und US-Drohnen-Experten auf der Matte. Bei der Motorenfirma bewundern sie die Wiederauferstehung des Wankelmotors und verhandeln über Verträge und Kooperationen für die Herstellung der hier konstruierten Kreiskolbenmotoren.

Sie alle sehen das große Potenzial eines konsequent weiterentwickelten Prinzips, das schon Jahrhunderte alt ist und im Motorenbau ab den 1930er Jahren von Felix Wankel aufgegriffen wurde: Der dreieckförmige Kolben, der Läufer, rotiert in einem ovalen Gehäuse, so dass mehrere Brennräume entstehen und Hubbewegungen, Kurbelwelle und Ventile im Motor überflüssig sind.

WST hat bisherige Schwachstellen des Wankelmotors bei der Thermodynamik behoben und ein Aggregat konstruiert, das kompakt gebaut und extrem vibrationsarm ist. Der KKM 500 genannte Motor mit vier Varianten – von einem bis zu vier Läufer und Leistungen zwischen 45 und 190 Kilowatt – ist zudem noch als Vielstoff-Maschine konzipiert: Man kann ihn mit Benzin, Diesel, Wasserstoff, Gas, Kerosin, Salatöl oder Ethanol betreiben.

Leicht, leise – und jetzt auch sparsam

Für Drohnenhersteller ist der vibrationsarme Motor perfekt, weil die eingebauten sensiblen Mess- und Überwachungsapparate keine Erschütterungen vertragen. Hersteller von Blockheizkraftwerken für private Haushalte sind begeistert vom kompakten KKM-Leichtbau, denn die Motoren wiegen nur rund 20 Kilogramm und arbeiten fast geräuschlos. Sogar chinesische Bootsbauer sind am KKM 500 interessiert: Sie halten den Rotationsmotor aus Cottbus für den idealen Außenbordmotor, weil er leise, leicht und sparsam ist.

"Damit könnten Sie auch unbesorgt durch den Spreewald fahren, ohne dass sie sensible Naturfreunde stören", sagt WST-Gründer Ernst Sigmund. Er beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Weiterentwicklung des Wankelmotors. Der Physikprofessor und ehemalige Rektor der Brandenburgischen TU in Cottbus suchte für die Hochschule ein Alleinstellungsmerkmal. Eines Tages setzte er sich mit Wankel-Pionieren zusammen, darunter Dankwart Eiermann, ein langjähriger Mitarbeiter von Felix Wankel. Gemeinsam fanden sie das ideale Forschungs- und Vorzeigeprojekt: die Schwachpunkte der Trochoide. So nennen Fachleute die Laufbahn der Drehscheibe im Brennraum des Wankelmotors.

Der dreieckige Rotor setzt die Drehbewegung zwar ohne den großen Aufwand eines Hubkolbenmotors direkt um, aber er hinterlässt Randzonen im Brennraum, in denen das Benzin-Luft-Gemisch nur unvollständig verbrannt wird. Das Cottbusser Team setzte auf die Direkteinspritzung unmittelbar vor der Zündkerze. Das sorgt für eine bessere Thermodynamik und günstige Verbrauchswerte, die denen eines TDI-Dieselmotors gleichkommen.