Der ADAC-Regionalclub Hessen-Thüringen hat mit dem Geld seiner Mitglieder Immobiliengeschäfte finanziert und seinem Geschäftsführer eine Villa nach dessen Vorstellungen gebaut. Dies berichtet die Bild-Zeitung und beruft sich auf Grundbuchauszüge. Demnach liegt das 2008 gebaute 190 Quadratmeter große Haus auf einem 800 Quadratmeter großen Grundstück in Bad Homburg. Der ADAC-Manager und seine Frau hätten den Neubau im Jahr 2009 bezogen. Nach Informationen der Bild schätzen Experten den Wert der Immobilie auf mindestens 1,5 Millionen Euro.

Der Geschäftsführer begründete den Bau gegenüber dem Blatt mit seinem Wunsch nach örtlicher Veränderung. "Das Haus wurde zwar nach meinen Vorstellungen gebaut, aber auch darauf geachtet, dass es jederzeit anderweitig vermietet werden könnte", zitiert die Bild den Manager. "Wir haben diese Immobilie als Geldanlage erworben", sagte wiederum Matthias Feltz, Vorsitzender des Hessen-ADAC. Der vorherige Vorstand habe es dem Geschäftsführer ermöglicht, als Mieter in das Objekt einzuziehen.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Verkehr und digitale Infrastruktur, kritisiert den Besitz der Immobilie. "Das passt nicht zu einem eingetragenen Verein", sagte er der Bild-Zeitung. Und Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sekundiert: "Der ADAC vermittelt den Eindruck, er wäre ein Selbstbedienungsladen. Wohnimmobilien sind weder im Interesse der Mitglieder noch der Steuerzahler oder der Politik, die dem ADAC Steuerprivilegien einräumt." Dabei muss sich der ADAC-Kritiker selbst Vorwürfen erwehren: ADAC-Präsident Meyer hatte behauptet, dass Dudenhöffer im Juni 2003 ebenfalls einen Rettungshubschrauber für einen Flug zu einem Termin genutzt haben soll. Der Wissenschaftler dementiert dies.

Druck und Kritik aus der Politik

Der ADAC wird seit fast zwei Wochen von mehreren Skandalen erschüttert: Manipulationen beim Autopreis Gelber Engel hat der Club inzwischen eingestanden, genauso wie die Nutzung von Rettungshubschraubern durch das ADAC-Präsidium. Gleichzeitig prüft das Münchner Amtsgericht, ob der ADAC mit seinen rund 19 Millionen Mitgliedern künftig noch den Status eines Vereins haben darf.

Dies ruft immer mehr Kritiker aus der Politik auf den Plan. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, forderte Aufklärung und Transparenz durch den ADAC. "Auch über personelle Konsequenzen muss nachgedacht werden." Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer schrieb dem Lobbyverband "eine Tendenz zur Abgehobenheit und vielleicht sogar zur Selbstüberhöhung" zu. Schließlich forderte der finanzpolitische Sprecher der SPD, Lothar Binding, Bund und Länder dazu auf, die Besteuerung des Vereins zu überprüfen. "Das System des ADAC", sagte er dem Tagesspiegel, "muss genauer unter die Lupe genommen werden." Derzeit zahlt der Verein nur auf zehn Prozent des Basistarifs seiner Mitgliedergebühr Umsatzsteuer.