"Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden", sang Herbert Grönemeyer Mitte der achtziger Jahre über die verzweifelte Suche nach einem Parkplatz. Auch wenn es nicht immer Stunden sind: In Großstädten ziehen viele Autofahrer ihre Kreise um die Blocks, bis sie eine freie Stellfläche finden. Im Schnitt 15 Minuten soll ein Autofahrer etwa in Westminster, dem westlichen Teil des Londoner Zentrums, benötigen. 

Künftig soll alles viel schneller gehen: Ab kommender Woche stattet die City of Westminster kostenpflichtige Parkplätze im öffentlichen Raum mit Sensoren aus, die dann freie Plätze in einer Smartphone-App anzeigen

In einem Pilotprojekt ab Spätsommer 2012 hatte der Londoner Bezirk 189 solcher Sensoren in fünf Straßen erfolgreich getestet. Jetzt sollen in einer ersten Phase 3.000 Sensoren im ganzen Bezirk installiert werden, später könnten noch 7.000 hinzukommen. Nicht ausgeschlossen ist zudem, dass bei Erfolg des Projekts auch andere Londoner Bezirke das Konzept übernehmen.

Die von der Bezirksverwaltung beauftragte Firma Smart Parking lässt die Sensoren in den Straßengrund ein. Über Infrarot prüft ein Sensor, ob die Fläche über ihm frei ist und gibt diese Information in Echtzeit an einen Zentralrechner weiter, der damit die Karte in einer Smartphone-App füllt. Autofahrer können darauf sofort sehen, wo sie ihr Auto abstellen können. Die kostenlose App namens ParkRight fungiert auch als Navi, das den Fahrer zu dem freien Parkplatz führt. Das bargeldlose Bezahlen der Parkgebühr über die App soll ebenfalls möglich sein.

Der Bezirk investiert gut 889.000 Pfund (1,07 Millionen Euro) in das Projekt. Das ist allerdings nur ein Bruchteil der Summe, die Westminster jährlich an Parkgebühren einnimmt. 2012 kamen da gut 38 Millionen Pfund zusammen – und darin sind die ausgestellten Strafzettel für Falschparker noch gar nicht enthalten.

Technik schafft neue Einnahmequellen

Die Verwaltung der City of Westminster erhofft sich von der neuen Technik, dass sich die Staus im Bezirk reduzieren und die Luftqualität verbessert. "Parkplatzsensoren sind ein einfaches Konzept, das große Vorteile bringt sowohl für die Menschen, die nach Westminster kommen, als auch für diejenigen, die hier leben und arbeiten", zitierten britische Medien Nickie Aiken, die in Westminster für Straßenverwaltung zuständige Gemeinderätin.

Allerdings kann die Bezirksverwaltung die Daten auch nutzen, um das Parkraummanagement zu optimieren. Schließlich sieht sie künftig in Echtzeit, wie viele Stellflächen besetzt und wie viele noch frei sind. Denkbar wäre etwa, die Parkgebühren der jeweiligen Situation anzupassen und sie beispielsweise bei geringem Angebot zu nachfragestarken Zeiten hochzusetzen.

Zudem könnte man die App so ergänzen, dass gegen eine zusätzliche Gebühr ein entdeckter freier Parkplatz reserviert wird, damit er nicht von einem anderen weggeschnappt wird, bis man mit seinem Auto dort eintrifft. Das würde eine weitere Einnahmequelle für die Kommune schaffen: Wer die Reservierung missachtet, muss ein Bußgeld zahlen.

Westminster ist nicht die erste Gemeinde, die Infrarotsensoren auf Parkflächen nutzt. In den USA sind solche Systeme bereits in einzelnen Städten im Einsatz oder im Test. So experimentierte etwa die Stadt San Francisco damit. Die zuständige Verwaltung räumt offen ein, dass sie die Technik verwendete, um nachfrageabhängige Preise zu definieren. Daneben wurde mit den Daten aber auch – wie jetzt in Westminster – eine Smartphone-App mit Echtzeitdaten gefüttert.

Auch in der Innenstadt von Braunschweig wird seit Anfang 2013 ein solches System getestet. Dazu wurden testweise Stellplätze in zwei Straßen mit Sensoren ausgerüstet, die ihre Daten ebenfalls an eine Smartphone-App liefern. Hinter dem Braunschweiger Projekt, das bis Frühjahr 2014 angesetzt ist, stecken Siemens und eine US-Firma, die die Sensoren und die App entwickelt hat. Die Unternehmen geben die Kosten für die technische Ausstattung eines Parkplatzes mit rund 400 Euro an.