Der ADAC Nordrhein hat nach Informationen der ZEIT über Jahre hinweg Zuschauerzahlen seiner Veranstaltungen übertrieben hoch ausgewiesen. Der Zeitung liegen Dokumente zu Fällen vor, bei denen vom ADAC genannte Besucherzahlen von Veranstaltungen wie dem 24-Stunden-Rennen am Nürburgring bis zu viermal höher ausfallen als die Zahl der Ticketverkäufe. 

Die früheren Betreiber des Nürburgrings kritisierten schon 2012 in einem Schreiben an den gerade zurückgetretenen ADAC-Präsidenten Peter Meyer, dass es "eine Tradition der falschen und weit überhöhten Angabe von Besucherzahlen" gebe. Konkret nehmen die Autoren des Briefes Bezug auf das 24-Stunden-Rennen von 2012. "So hat der ADAC Nordrhein in diesem Jahr 235.000 Besucher beim 24-Stunden-Rennen vermeldet, obwohl nur 49.048 Eintrittskarten und 16.418 Karten für das Camping an der Rennstrecke verkauft wurden." Meyer ist nach wie vor Vorsitzender des Regionalclubs ADAC Nordrhein. 

Der ADAC erklärt die Diskrepanz zwischen der verbreiteten Zuschauerzahl und den Ticketverkäufen mit den vielen Extrazugängen für die Teilnehmer: "Neben den verkauften Tickets fließen ebenso Tickets für Fahrer, Teams und deren Gäste, Freikarten, Fia- oder Permanent-Pässe in die Statistik ein. Aufgrund des weitläufigen Gebietes einer Rallye werden darüber hinaus auch Luftaufnahmen und entsprechende Schätzungen der Behörden in die Ermittlung der Zuschauerzahlen miteinbezogen und entsprechend abgestimmt."

"Vereine genauso führen wie Unternehmen"

Im Januar war ans Licht gekommen, dass der ADAC-Preis Gelbe Engel 2014 manipuliert wurde. Der inzwischen zurückgetretene ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte die Manipulation eingestanden. Drei Wochen später trat am vergangenen Montag ADAC-Präsident Peter Meyer zurück. Zuletzt kam ein Prüfbericht zu dem Ergebnis, dass der Preis seit Jahren manipuliert wurde.

Trotz aller Kritik an der unternehmerischen Ausrichtung des ADAC ist der neue Beirat des Automobilclubs, der Vorsitzende von Unicef Deutschland, Jürgen Heraeus, davon überzeugt, dass auch Verbände betriebswirtschaftlich geführt werden sollten: "Man muss NGOs, Vereine und Verbände letztlich genauso führen wie Unternehmen. Das hat sich aber noch nicht weit herumgesprochen", sagte Heraeus der ZEIT.