Beim ADAC-Autopreis Gelber Engel sind dieses Jahr sowohl die Teilnehmerzahl als auch die Rangfolge gefälscht worden. Das hat der Automobilclub mitgeteilt. Auch in den Vorjahren wurden Ergebnisse der Leserwahl zum Lieblingsauto der Deutschen manipuliert. Das geht aus einem Untersuchungsbericht des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte hervor. Darin heißt es: Es gebe "klare Anhaltspunkte dafür, dass ähnliche Veränderungen auch in den Vorjahren vorgenommen worden seien".

"Unsere Untersuchungen haben Prozessschwächen, Fehler in der Datenverarbeitung sowie Manipulationen bei der Wahl zum Lieblingsauto 2014 offenbart", teilte Deloitte mit. Der inzwischen zurückgetretene ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter habe am 28. November auf seinem Computer verschiedene Szenarien simuliert, bei denen sowohl die Stimmenzahl als auch die Zuordnung der Stimmen willkürlich verändert worden seien. Die Simulationen erfolgten zudem auf Grundlage unvollständiger Zahlen, teilten die Wirtschaftsprüfer mit.

Der erste Platz für den VW Golf stimmte der Überprüfung zufolge zwar. Aber der zweite Platz hätte dem BMW 3er gebührt, der jedoch komplett aus den Top Fünf herausfiel.

Die Wirtschaftsprüfer hatten seit dem 28. Januar insgesamt 24 Interviews geführt und rund 69.000 Dateien wiederhergestellt und untersucht. Sie sichteten auch die E-Mails, die Ramstetter seit vergangenem Oktober verschickt hatte. Ein Blick auf die im Internet abgegebenen Stimmen genügte den Prüfern, um den Betrug zu bestätigen. Bis auf den VW Golf findet sich auf der gefälschten ADAC-Liste kein Auto dort, wo Deloitte es im korrekten Ranking platziert hat. Zudem hatte Ramstetter den VW Tiguan durch den 5er BMW ausgetauscht.

Neben den bewussten Manipulationen kam es außerdem noch zu zahlreichen Verfahrensfehlern: Die Online-Stimmen des 3er BMW etwa wurden vom Programm nicht erfasst. Im Online-Ranking landete der Wagen daher auf Platz 69 statt auf dem von Deloitte errechneten zweiten Platz. Außerdem ging der ADAC schlampig mit den per Post eingeschickten Stimmzetteln um: Ohne Aufsicht durfte ein externer Arbeiter die eingesandten Umschläge vor der Auswertung öffnen.

Ramstetter hatte bereits vor Veröffentlichung des Berichts gestanden, die Leserwahl zum Lieblingsauto der Deutschen manipuliert zu haben. Gegen den ehemaligen Kommunikationschef seien rechtliche Schritte vorbereitet worden, teilte Deloitte mit. 

Meyer kommt Suspendierung zuvor

Am Mittag hatte zudem ADAC-Präsident Peter Meyer sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Er kam seiner Suspendierung zuvor – die hatte das Präsidium zuvor angesichts der "erschütternden Ergebnisse der aktuellen Krisenaufarbeitung" beschlossen, wie der Verein mitteilte. Meyers Amtsniederlegung kam kurz vor Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zu den Manipulationen beim Gelben Engel

Thorsten Hofmann, Experte für Krisenkommunikation, kritisierte den Rücktritt von Meyer. "Ein souveräner Rücktritt sieht anders aus. Es wirkt noch immer so, als sei sich Meyer seiner Fehler nicht bewusst", sagte er. Er hoffe außerdem, dass der kommissarische Präsident August Markl nur eine Übergangslösung sei. "Ein richtiger Neuanfang gelingt nur mit einem neuen Gesicht." Markl war unter Meyer Vizepräsident des Vereins.

Mehrere Autokonzerne haben inzwischen mitgeteilt, dass sie ihre ADAC-Preise zurückgeben werden. Der Daimlerkonzern kündigte an, sämtliche Auszeichnungen der vergangenen Jahre zurückzugeben. "Publikumspreise sind für Daimler grundsätzlich von hoher Bedeutung, da sie unmittelbar die Meinung der Öffentlichkeit widerspiegeln. Unabdingbare Voraussetzung hierfür ist, dass die Leserwahlen korrekt durchgeführt werden", teilte der Konzern mit. Auch BMW kündigte einen solchen Schritt an: "Durch die nun nachgewiesenen Manipulationen bei der Stimmenauswertung hat der Gelbe Engel des ADAC seine Glaubwürdigkeit verloren."