Hauptsitz des ADAC in München © Joerg Koch/Getty Images

Wer sich beim ADAC anmeldet, tritt rechtlich einem Verein bei. Man erhält eine Mitgliedsnummer, einen Mitgliedsausweis und zahlt Mitgliedsbeiträge. Dafür gibt es kostenlose Pannenhilfe, Rechtsberatung, Mietwagen und anderen Service. Was der- oder diejenige jedoch nicht bekommen, sind die üblichen Rechte, die Mitglieder in deutschen Vereinen haben: mitreden, gar mitbestimmen oder vielleicht den Vorstand wählen? Keine Chance. Transparenz gegenüber den Mitgliedern? Guter Witz. Der ADAC nennt sich gern demokratisch, aber er ist eine Monarchie, in der wenige absolut herrschen.

Der ADAC wurde 1903 gegründet. Die Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung, wie der Automobilclub anfangs hieß, wollte nicht nur ein Treffpunkt für Automobilisten und Motorsportfans sein. Man wollte sich auch gegenseitig Hilfe und Unterstützung bieten. Nach dem Krieg wuchsen daraus Angebote wie die Pannenhilfe, die Versicherungen, die Luftrettung, die Testlabors. Seit den fünfziger Jahren wandelte sich der Verein zu einem Konzern – der inzwischen zwei Milliarden Umsatz im Jahr macht.

Einen Geschäftsbericht gibt es nicht. (Korrektur: Der ADAC veröffentlich einen Jahresabschlussbericht, hier beispielsweise für 2012, auch wenn er über die Suche auf der Website nicht zu finden ist.) Die Verwendung der Mitgliederbeiträge in Höhe von einer Milliarde Euro wird in einer dürren Tabelle veröffentlicht. Einen Aufsichtsrat, der den Vorstand kontrolliert, hat der ADAC nicht. Auf die vielen einzelnen Unternehmen des Vereins haben die Mitglieder gleich gar keinen Zugriff.

Am besten lässt sich die Intransparenz an den Mühen erkennen, die derjenige auf sich nehmen muss, der bei einer der regelmäßigen Mitgliederversammlungen teilnehmen und dort vielleicht etwas sagen will.

Sport- und andere Vereine schicken ihren Mitgliedern Briefe, in denen sie sie zur nächsten Versammlung einladen. Der Termin und die geplante Tagesordnung sind gleich mit dabei, damit jeder weiß, worüber geredet werden soll. Wer will, geht hin und hebt seine Hand, wenn er etwas sagen oder über den Vorstand abstimmen möchte.

Einzelne Mitglieder haben kein Rederecht

Der ADAC lädt seine Mitglieder nicht ein und eine Tagesordnung gibt es nicht zu lesen. Die Versammlungen werden in einer Ecke des Clubmagazins Motorwelt angekündigt. Vielleicht weil Briefe an 19 Millionen Mitglieder zu teuer wären? Der Verein macht Millionen Gewinn und hat 671 Millionen Euro Rücklagen. Am Geld kann es nicht liegen.

Will ein Mitglied zur Versammlung seines Regionalclubs – nur dort kann es überhaupt hingehen, die Hauptversammlung des Dachvereins ist ihm verschlossen –, muss es sein Kommen zwei Wochen vorher schriftlich ankündigen. Damit darf der- oder diejenige aber noch nichts sagen. Wer das Rederecht auf dieser Regionalversammlung wünscht, muss Anträge vier Wochen vorher per Einschreiben einreichen. Und er muss die Stimmen von insgesamt 50 Mitgliedern als Unterstützer vorweisen.

Dementsprechend selten ist es, dass dort normale Mitglieder auftauchen. Tun sie es doch, haben sie eine Stimme. Die Vertreter der Ortsvereine und Motorsportclubs, die zu den 1.800 Ortsclubs des ADAC gehören, haben 50 oder 100 Stimmen, da sie laut Satzung als Delegierter all ihre Mitglieder vertreten. Und so machen sie alles unter sich aus und wählen auch den regionalen Vorstand, der dann als Delegierter zur Hauptversammlung des eigentlichen ADAC e.V. fährt.

Interessen der Mitglieder zählen nicht

"Das deutsche Vereinsrecht ist sehr flexibel", sagt der Wirtschaftsrechtler Ulrich Segna, der über die Kontrolle der Vorstände von Großvereinen seine Dissertation geschrieben hat. Der ADAC habe diese Flexibilität genutzt, um sich einen Verein nach den eigenen Bedürfnissen zu bauen und dabei sämtliche Mitgliederrechte zu beschneiden.

Mit dieser Struktur wird das erklärte Ziel des Vereins ad absurdum geführt. In der Satzung steht in Paragraf zwei, der Club wolle die "Belange der motorisierten Verkehrsteilnehmer" wahren und sich für ihren Schutz einsetzen. Doch wie kann man die Interessen von Menschen vertreten, die man nie nach ihren Interessen fragt? Wie kann man auch nur behaupten, für andere zu sprechen, wenn man sich gleichzeitig auf jede nur mögliche Art gegen sie abschottet? Einfluss darauf, zu welchen Zwecken die vielen Millionen Euro eingesetzt werden sollen, haben sie selbstverständlich auch nicht.

"In Parteien oder Genossenschaften wäre das klar rechtswidrig", sagt Segna. "Das ist ein seltsames Demokratieverständnis. Was in einer Genossenschaft verboten ist, darf in einem Verein nicht erlaubt sein." So etwas habe er in einem anderen Verein in diesem Ausmaß noch nie beobachtet.

Der Club wird wie ein Königreich geführt. Die Untertanen haben nichts zu sagen, die wenigen Herrscher handeln nach Gutdünken und verteilen Pfründe und Privilegien.