Die meisten Autofahrer blicken auf den Kraftstoffverbrauch in Litern, um die Sparsamkeit eines Fahrzeugs zu bewerten. Doch der Ausstoß von Kohlendioxid wird als Rechengröße immer wichtiger. An ihm orientieren sich Grenzwerte und Subventionsprogramme. Beides hängt ohnehin miteinander zusammen. Verbrennt man einen Liter Benzin, werden immer 2,33 Kilogramm CO2 frei, bei Diesel sind es 2,64 Kilogramm des klimaschädlichen Gases.

Mit der Angabe CO2-Emission je Kilometer lässt sich der Verbrauch von Benzinern und den in absoluten Zahlen sparsameren Dieseln einfach vergleichen und bewerten. Auch die Verbraucher werden zunehmend mit dem Emissionswert konfrontiert. Nicht nur, weil dieser mittlerweile allen Neuwagen im Autohaus ausgehängt werden muss, sondern auch, weil sich die Autohersteller ihre neuen Modelle zunehmend in Richtung der Grenzwerte optimieren. Denn diese entscheiden nicht nur über eventuelle Strafzahlungen an die EU, sondern auch darüber, ob ein Auto in den Genuss von Subventionen kommt. Hier einige wichtige Zahlen.

132,2 Gramm je Kilometer (entspricht einem Verbrauch von rund 5,6 Litern Benzin bzw. 5,0 Litern Diesel je 100 Kilometer): der von der Europäischen Umweltagentur offiziell für 2012 ermittelte durchschnittliche CO2-Ausstoß der in der EU verkauften Neuwagen. Deutlich darunter bleibt mit 117 Gramm Fiat als sauberster, deutlich darüber Daimler als emissionsstärkster Hersteller (143 Gramm).

130 Gramm je Kilometer (rund 5,5 Liter Benzin bzw. 4,9 Liter Diesel je 100 Kilometer): der Durchschnittszielwert, den die Gesamtheit der Autohersteller 2015 in der EU erreichen soll. Berücksichtigt werden pro Hersteller 95 Prozent der in Europa verkauften Fahrzeuge – damit können etwa Premiumhersteller ihre größten Fahrzeuge von den Grenzwerten ausnehmen. Für die einzelnen Hersteller gelten spezielle Werte, die sich auch am Gewicht der Fahrzeuge orientieren. Fiat muss bis 2015 also mehr CO2 einsparen als etwa Daimler. Gelingt das nicht, drohen hohe Strafzahlungen.

100 Gramm je Kilometer (rund 4,3 Liter Benzin bzw. 3,8 Liter Diesel je 100 Kilometer): Autohersteller, die die 100-Gramm-Grenze unterbieten, haben nicht nur eine schöne zweistellige Zahl für ihre Werbekampagnen, sondern in Großbritannien auch einen ganz handfesten Vorteil. Für Fahrzeuge unterhalb des Wertes fällt keine Kfz-Steuer an. Vor allem Marken mit großem Marktanteil in Großbritannien – etwa Ford – haben daher schon früh auf diesen Grenzwert optimierte Modelle ins Programm genommen.

95 Gramm je Kilometer (4,0 Liter Benzin bzw. 3,5 Liter Diesel je 100 Kilometer): der Durchschnittszielwert für 2020. Auch hier gelten die 95-Prozent-Regel und die speziellen Grenzwerte für einzelne Hersteller. Aktuell noch wichtiger aber: Autos mit einem CO2-Ausstoß von höchstens 95 Gramm sind in Deutschland von der CO2-basierten Komponente der Kfz-Steuer befreit. Halter solcher Fahrzeuge zahlen also nur einen Sockelbetrag, der sich am Hubraum bemisst. Oberhalb der Grenze werden jährlich zwei Euro pro Gramm an Zusatzsteuer fällig.

60 Gramm je Kilometer (rund 2,5 Liter Benzin bzw. 2,3 Liter Diesel je 100 Kilometer): einer der in Europa gängigen Grenzwerte für die Gewährung von Subventionen an Autokäufer. In Frankreich etwa gibt es in solchen Fällen mindestens 4.500 Euro vom Staat. Belgien gewährt ab dieser Grenze Unternehmen bestimmte finanzielle Vorteile, Luxemburg schießt beim Kauf 5.000 Euro zu. Erreichbar sind solche Werte allerdings nur von Plug-in-Hybridautos. Doch gerade bei solchen noch sehr teuren Autos lohnt es sich für die Hersteller, sie auf die staatliche Förderbarkeit zu optimieren – auch wenn es sich um eher kleine Märkte handelt.

50 Gramm je Kilometer (rund 2,1 Liter Benzin bzw. 1,9 Liter Diesel je 100 Kilometer): der Grenzwert für das Gewähren der sogenannten Supercredits. Hersteller können diese verkauften Fahrzeuge mehrfach auf ihren CO2-Ausstoß anrechnen lassen und so den Absatz verbrauchsstarker Fahrzeuge ausgleichen. Das reduziert die Gefahr von Strafzahlungen und soll aus Sicht der Politik dafür sorgen, dass die Konzerne möglichst schnell Elektro- und Plug-in-Hybridautos auf den Markt bringen, um die Nachfrage anzukurbeln.

0 Gramm je Kilometer: ein Wert, den lediglich reine Elektroautos erreichen. Er garantiert in vielen EU-Ländern ebenfalls finanzielle Vorteile für Käufer. Allerdings funktioniert die Null-Emission nur theoretisch, weil bei der Erzeugung des Stroms in der Regel doch CO2 angefallen ist.

Hinweis: Wir haben im Text einen Fehler korrigiert; den Literangaben von Benzin und Diesel im ersten Absatz waren falsche CO2-Emissionswerte zugeordnet.