Vier Alleinreisende und eine Familie sitzen im Warteraum auf Gleis acht. Es ist ein Donnerstagabend im März am Berliner Bahnhof Wannsee, kurz vor 21 Uhr. Zwei Kinder schlafen auf zusammengestellten Stühlen. Alle warten auf den Nachtzug nach München. Sie werden in Schlaf- oder Liegewagen ruhen, während ihr Auto im Transportwagen mit ihnen gen Süden fährt.

Insgesamt sind es fünf Pkw, die der Autoreisezug ab Wannsee in dieser Nacht aufnimmt – nicht viele, aber das sei ganz normal für die Jahreszeit, sagt der Verladearbeiter mit der orangefarbenen Signalweste. Erst im April steige die Nachfrage wieder an.

Bald aber werde es gar keine Autoreisezüge ab Wannsee mehr geben, sagt der DB-Mitarbeiter und verrät damit, was die Bahn bisher im Geheimen behandelt: Von Ende April an, wenn die Bahn nach ihrem Sommerfahrplan fährt, werden die Pkw der Berliner Autoreisezugkunden auf Lkw verladen und auf der Straße nach München gebracht. Das sei aus Kostengründen notwendig, sagt der Mann in Orange.

Die Sache ist demnach ganz einfach. Die Bahn dürfe ihre Autotransportwaggons lediglich acht Jahre laufen lassen, auf der Strecke Berlin-München hätten die Wagen dieses Alter mittlerweile erreicht, sagt der Mitarbeiter. Jetzt wären Neuanschaffungen notwendig. Die Konzernzentrale bestätigt lediglich: "Gewisse Komponenten, zum Beispiel die Drehgestelle, haben nach einer gewissen Zeit ihr Lebensalter erreicht. Für die Züge auf der Strecke Berlin-München ist dieser Zeitpunkt jetzt erreicht."

Auslaufmodell Autoreisezug?

Doch die Autotransportwaggons sind Spezialanfertigungen, für die es nur einen kleinen Markt gibt. Die Investition rentiert sich für die Bahn angesichts der rückläufigen Nachfrage nicht mehr. Dass tatsächlich Lkw den Transport der Autos übernehmen, wollte die Bahn gegenüber ZEIT ONLINE offiziell nicht bestätigen. Erst Anfang April, wenn die Buchung für den Sommerfahrplan freigegeben wird, soll Näheres bekannt gegeben werden.

Auch zur Frage, wie es generell weitergehen soll mit den Autoreisezügen, hüllt sich die Bahn in Schweigen. Das Unternehmen wollte weder bestätigen noch dementieren, dass Autoreisezüge ab 2017 generell nicht mehr rollen sollen. Das war in Presseberichten zu lesen, die aus internen Papieren zitierten. Dass die Verbindungen kontinuierlich reduziert werden und der Autoreisezug kaum noch beworben wird, scheinen jedoch deutliche Signale zu sein, dass das Geschäftsmodell über kurz oder lang aufgegeben wird.

Die Geschichte der Autobeförderung per Bahn hatte früh und vielversprechend begonnen. Am 1. April 1930 startete der erste Eilgüterzug, der Autos an Bord nahm, von Hamburg nach Basel. 33 Stunden brauchte er für die Strecke. Die Fahrzeugeigentümer reisten damals noch separat mit dem nächsten Fernzug hinterher. 1956 nahm die Bundesbahn ihre ersten echten Autoreisezüge in Betrieb, also solche, die Menschen und Autos gemeinsam beförderten. Auf den Strecken Hamburg-Basel-Chiasso und München-Ostende nahm die Bahn in jenem Jahr 930 Pkw mit.