Das eigene Auto nervt. Zumindest in der Stadt. Dass unter Lindenbäumen der Lack verklebt und andere Autofahrer die Stoßstange beim Wort nehmen, ist noch das kleinste Übel. Am schlimmsten ist das Parkplatzelend. Es grenzt bisweilen an ein Wunder, ein paar Quadratmeter Abstellfläche zu ergattern. Die Antwort auf diese Lebensrealität heißt für immer mehr Großstädter Carsharing. Praktisch denkende Menschen nutzen solche Angebote, um Geld zu sparen, sich nicht kümmern zu müssen und trotzdem mobil zu sein.

Einen Nachteil hat Carsharing allerdings: Er ist ungeeignet für Leute, die eine längere Strecke von einer Stadt in eine andere zurücklegen wollen. Doch diese Zielgruppe hat nun die Daimler-Sparte Mobility Services im Visier – mit der Erweiterung von car2go um den Zusatz "black". Von Juni an können Kunden von Stadt zu Stadt fahren, in einer Mercedes B-Klasse inklusive Lederausstattung. Der Pilotbetrieb zwischen Hamburg und Berlin läuft bereits. Andere Städte sollen später hinzukommen.

Während car2go Blue, also das Angebot mit den Smart, vor allem eine Ausweichoption zum Taxi ist, geht Black in Konkurrenz zu Autovermietungen. Das Angebot kann für bestimmte Nutzer aber auch eine Alternative zu klassischen Carsharing-Anbietern sein.

Black ist stationsbasiert, und zumindest im Fall des Parkhauses Hamburg Mundsburg scheint kein zusätzlicher Parkraum benötigt, sondern vorhandener besser ausgelastet zu werden. Auf Level 8 herrscht sonst gähnende Leere. Jetzt stehen zwei Dutzend von vorerst insgesamt 200 schwarzen B-Klassen aufgereiht und warten auf die Testkunden.

Das Modell reizt zum Rasen

Voraussetzung für die Nutzung ist ein Smartphone mit iOS von Apple oder Googles Android. Über die App wird ein konkretes Auto ausgesucht: "Den nehme ich!", lautet dann der Befehl. Danach erscheint auf einem Display an der Frontscheibe des Wagens ein dreistelliger Zahlencode, der als Gegenprobe in die App eingegeben werden muss. Klick – schon öffnet sich das Auto. Im Handschuhfach befindet sich die Karte für die Ein- und Ausfahrt ins Parkhaus sowie eine Tankkarte. Los geht die Fahrt nach Berlin zum Ostbahnhof.

Auf der 288 Kilometer langen Strecke zeigt sich schnell ein ökologischer Nachteil des Systems. Abgerechnet werden 9,90 Euro pro angefangener Stunde – das setzt einen Fehlanreiz: Vollgas und den Tempomaten auf 180 km/h, damit möglichst die vierte Stunde nicht anbricht. Nach der Hochgeschwindigkeitstour durch Mecklenburg-Vorpommern wurden sämtliche Tempobegrenzungen genau eingehalten.

Das Rasen lohnt sich trotzdem nicht. Das Fahrziel ist nach drei Stunden und sieben Minuten erreicht. Die Grundgebühr lag folglich bei 39,60 Euro. Nach 50 Freikilometern kostete jeder weitere Kilometer 29 Cent. Also nochmal 69,02 Euro in die Kasse von Daimler Mobility Services. Das ergab 108,62 Euro für die einfache Strecke. Für die Rückfahrt in zwei Stunden und 54 Minuten kamen 98,72 Euro hinzu sowie weitere 38,28 Euro für die Touren im Smart zu den Verleihstationen und durch Berlin. Unter dem Strich: deftige 245,62 Euro. (Dass die Mercedes B-Klasse bei der flotten Fahrweise im Schnitt nur 7,6 Liter Diesel verbrauchte, spricht für die gute Aerodynamik.)