Ob Berlin-Mitte, München oder Hamburg: Die Carsharing-Wagen von car2go oder DriveNow sind kaum zu übersehen. Daimler (car2go) und BMW (DriveNow) prägen seit Langem das Image des Autoteilens  – und damit auch die Vorstellung, Carsharing gebe es nur in Millionen-Metropolen.

Doch weit gefehlt. Die deutsche Hauptstadt des Carsharing ist ausgerechnet Karlsruhe, eine Stadt mit knapp 300.000 Einwohnern, Platz 20 auf der Liste der größten Städte Deutschlands. In keiner anderen Stadt gibt es, bezogen auf die Einwohnerzahl, so viele Carsharing-Fahrzeuge, wie der Bundesverband Carsharing (bcs) ermittelt hat.

In absoluten Zahlen stehen zwar in Berlin die meisten Carsharing-Autos. Doch um hier Karlsruher Verhältnisse zu erreichen, müsste sich die Zahl der Wagen in Berlin mehr als verdoppeln. In Karlsruhe stehen je 1.000 Einwohner 1,9 Carsharing-Autos bereit – in Berlin liegt die Quote bei 0,8. Auch in Hamburg (0,6) und München (0,9) ist der Anteil erheblich geringer als in Karlsruhe. "In Medien wird gern mal das Bild von Berlin als Carsharing-Metropole gezeichnet, aber das entspricht nicht ganz der Realität", sagt bcs-Geschäftsführer Willi Loose. Dafür seien die weißen Flecken in den Außenbezirken Berlins, die von keinem der neuen Anbieter versorgt werden, zu groß. Stadtteile wie Reinickendorf oder das nördliche Pankow, Marzahn-Hellersdorf oder Lichtenrade, Rudow und Köpenick ignorieren DriveNow und car2go bislang.

Nahverkehr stützt Carsharing

Die Karlsruher Zahlen sind beeindruckend. Der Anbieter Stadtmobil hat bereits rund 12.500 Teilnehmer registriert. Das entspricht etwa vier Prozent der Einwohner. Stadtmobil ist de facto der Monopolist in Karlsruhe, das Unternehmen deckt in Karlsruhe und Umland 99 Prozent des Carsharings ab, das restliche Prozent entfällt auf Flinkster, das Angebot der Deutschen Bahn. Etwa 550 Wagen hat Stadtmobil in Karlsruhe im Angebot, weitere 100 im Umland.

"Die Carsharing-Autos sieht man überall", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup. Der Stadtchef hat nicht nur finanzielle Vorteile für den einzelnen Nutzer im Blick, sondern auch die Lebensqualität: Das Autoteilen entlaste die Innenstadt vom Individualverkehr und reduziere so die Abgasbelastung, sagt Mentrup.

Doch was treibt ausgerechnet Karlsruher zum Autoteilen? Einwohner in Krefeld oder Mainz haben es noch nicht in diesem Ausmaß entdeckt, dabei sind ihre Städte ähnlich groß. Mentrup hat eine auf den ersten Blick paradox anmutende Erklärung: Karlsruhe biete einen sehr guten, frühzeitig ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr und eine gute Fahrrad-Infrastruktur.

Ein Widerspruch? Nein, denn Carsharing funktioniert vor allem im Verbund mit anderen Verkehrsmitteln: Wenn man eine Vielzahl der Wege mit Straßenbahn, Bus und Rad zurücklegen kann, lohnt sich der Besitz eines Autos kaum noch. Für die wenigen Autofahrten, die dann noch nötig sind, reicht ein Carsharing-Angebot.