6.051 Elektroautos wurden in Deutschland im vergangenen Jahr neu zugelassen, das waren 0,2 Prozent aller neuen Pkw. Die Zahl ist auch deshalb so verschwindend gering, weil viele schlicht Angst davor haben, nach wenigen Dutzend Kilometern mit leerem Akku liegenzubleiben, weil keine Ladesäule in der Nähe war. Doch Deutschland, Entwicklungsland der Elektromobilität, beginnt seinen Rückstand aufzuholen – und der Motor dafür trägt die vier Buchstaben SLAM.

Die Initiative mit dem vollen Namen Schnellladenetz für Achsen und Metropolen, am heutigen Montag auf der Hannover Messe vorgestellt, soll bis 2017 eine flächendeckende Versorgung mit Stromtankstellen garantieren. Falls es gelingt, die Säulen im Abstand von 50 bis 70 Kilometern aufzustellen, können sich Elektroautofahrer selbst mit Fahrzeugen der aktuellen Generation durch die Republik hangeln.

Das gilt jedenfalls dann, wenn sie eine Ladebuchse mit dem CCS-Gleichstromstandard (Combined Charging System) haben, was für den e-Golf und e-Up von Volkswagen sowie den BMW i3 gegen Aufpreis zutrifft. Mit bis zu 50 Kilowatt (kW) Leistung sind die Batterien in einer halben Stunde zu 80 Prozent gefüllt. Die Säulen bieten neben CCS auch Zugang für Fahrzeuge mit dem Wechselstromstandard Typ 2. Wie hoch hier die Ladeleistung und somit die Wartezeit ist, steht noch nicht fest. Branchenkenner gehen von mindestens 22 kW aus.

Keine Chancen haben nach aktueller Lesart dagegen Elektroautos, die über den japanischen Chademo-Standard Strom ziehen. Dieser nach Bestandszahlen größten Gruppe mit dem Nissan Leaf, dem Mitsubishi Electric Vehicle (das früher i-MiEV hieß) oder dem Outlander Plug-in-Hybrid bleibt bei SLAM nur die Möglichkeit, auf den langsameren Typ-2-Stecker auszuweichen. Ein Umstand, der in Szenekreisen den Vorwurf des Industrieprotektionismus wachruft. Der ist vielleicht nicht ganz unberechtigt, wenn man sich ansieht, auf wen das Projekt SLAM zurückgeht: die deutschen Autohersteller BMW, Daimler und Volkswagen sowie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Die Säule bei der Volksbank

Mehr als ein Drittel des Gesamtbudgets von 14,2 Millionen Euro kommt vom Staat, den Rest teilen sich die anderen Konsortialmitglieder. Die Summe ist im Energiesektor lächerlich gering – selbst das Hundertfache, also 1,42 Milliarden, wäre noch wenig. Zum Vergleich: Von den 70 Milliarden Euro, die Deutsche pro Jahr für Diesel und Benzin ausgeben, geht mehr als die Hälfte direkt an den Fiskus.

Ein besonders wichtiger Konsortialpartner ist der Deutsche Genossenschafts-Verlag eG, der für fast alle Volks- und Raiffeisenbanken und andere Genossenschaften als Dienstleister arbeitet. Bis Ende September sollen mindestens 20 CCS-Ladesäulen auf dem Gelände von Volks- und Raiffeisenbanken aufgebaut sein. Diese Lösung wird sich durchsetzen, weil sie einen entscheidenden Vorteil bietet: Mit jederzeit zugänglichen gewerblich-privaten Grundstücken umgeht man das Problem von Ladeplätzen, für die öffentlicher Parkraum geopfert werden muss.

SLAM wird vom Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart sowie der RWTH Aachen wissenschaftlich begleitet. Interessierte Unternehmen und Kommunen können sich beim IAT über Kooperationen informieren, dem Vernehmen nach sind noch nicht alle Standorte vergeben.