Knapp 24 Jahre Forschung und Entwicklung haben die Amerikaner benötigt, um einen Menschen auf den Mond zu schießen. Fast genauso lange arbeitet die Automobilindustrie bereits konkret am Brennstoffzellen-Fahrzeug. Kaufen kann man es trotz zahlreicher zwischenzeitlicher Ankündigungen immer noch nicht.

Der Vergleich ist allerdings unfair – die Brennstoffzelle für das Auto funktioniert im Prinzip schon längst. Woran es noch hapert, ist der Kostenfaktor. Beim US-Raumfahrtprogramm spielte der nur eine geringe Rolle, doch beim Auto, das Wasserstoff tankt, sind die Kosten durchaus relevant. Solche Fahrzeuge wären heute einfach noch viel zu teuer. Allein die Zelle, das kleine Stromkraftwerk, würde heute rund 45.000 Euro kosten.

So wundert es nicht, dass das derzeit einzige in nennenswerter Stückzahl produzierte Brennstoffzellenauto – der Hyundai ix35 Fuel Cell – nicht gekauft, sondern lediglich geleast werden kann. Die Koreaner bieten das SUV mit der alternativen Antriebsquelle zudem in Deutschland nicht auf dem freien Leasing-Markt an, sondern suchen sich die Kunden selbst aus, unter anderem in Behörden und großen Unternehmen. Zur Höhe der Raten sagt Hyundai nichts. In den USA allerdings werden pro Monat 500 Dollar fällig; darin sind Kraftstoff und Wartung enthalten. Das ist doppelt so viel wie für einen konventionellen ix35, der dort Tucson heißt. Ein einträgliches Geschäft dürfte das trotz des deutlichen Preisaufschlags nicht sein.

Hyundai düpiert Toyota

Ein Kostentreiber ist das Edelmetall Platin, das in der Brennstoffzelle als Katalysatormaterial benötigt wird. Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zum Thema werden pro Brennstoffzellenfahrzeug 30 bis 40 Gramm Platin benötigt – eine Feinunze des Metalls (31,1 Gramm) wird derzeit mit rund 1.050 Euro gehandelt. Platin gibt es auf der Welt nur limitiert, rund 90 Prozent der Vorkommen konzentriert sich auf Südafrika und Russland.

Zwar gehen Fachleute davon aus, dass sich durch technische Weiterentwicklung der Bedarf an Platin pro Brennstoffzelle verringern wird. Zugleich wird aber wohl die Nachfrage nach Autos mit diesem Antrieb steigen. Die Experten von Roland Berger erwarten, dass sich die Brennstoffzellen-Technik erst in der Masse durchsetzen wird, wenn ein geeigneter Ersatz für Platin gefunden ist. In der Forschung werden aber schon nahezu platinfreie Brennstoffzellen entwickelt.

Doch bei der Brennstoffzelle geht es noch gar nicht ums Geschäft, zumindest nicht kurzfristig. Zunächst einmal dürfte man sich bei Hyundai freuen, dass man den japanischen Konkurrenten Toyota düpiert hat. Dieser sieht sich als einer der Vorreiter der Wasserstofftechnik und wollte die Position ab 2015 mit dem frühen Einstieg in die Serienproduktion unterstreichen. Als angepeilten Preis nennt Toyota knapp 80.000 Euro – eine ordentliche Summe, die dennoch kaum kostendeckend sein dürfte.

Es geht aber nicht nur um die Ehre. Die Technik hat das Potenzial, die CO2-, Abgas- und Energieprobleme im Straßenverkehr zu lösen. Wasserstoffgas reagiert in der Brennstoffzelle mit Sauerstoff zu reinem Wasser. Bei dem Prozess wird Energie frei, die in der Zelle direkt in elektrische Energie umgewandelt wird. Mit dem Strom wird der Elektromotor des Fahrzeugs betrieben.