Wenn Deutsche ein Elektroauto kaufen, greifen sie besonders tief in die Tasche. Das zeigt eine weltweite Analyse der unabhängigen Forschungsorganisation International Council on Clean Transport (ICCT) am Beispiel des mit Strom betriebenen Renault Zoe. Während sein norwegischer Besitzer 2.335 Euro im Vergleich zu einem Clio mit Benzinmotor spart, legt ein deutscher Halter 8.345 Euro drauf (siehe Grafik).

Für die Berechnung hat das ICCT die eigentlichen Fahrzeugkosten – im Fall des Zoe kommt eine monatliche Akkumiete dazu – ermittelt, die Energiekosten für Strom beziehungsweise Benzin über vier Jahre bei insgesamt 40.000 Kilometer addiert sowie staatliche Beihilfen abgezogen. Die Wirkung zeigt sich in Norwegen unmittelbar: In keinem anderen Land ist der Marktanteil batterieelektrischer Autos höher. 5,8 Prozent aller Neuwagen sind Stromer.

Aber ist es ökonomisch richtig und gesellschaftlich vermittelbar, Elektroautos so massiv zu subventionieren, wie es die Skandinavier tun?

Die vergleichende Analyse des ICCT jedenfalls offenbart, dass die verwirrende Mischung aus direkten Kaufprämien, Steueranreizen und Sonderprivilegien bisher keineswegs zum Durchbruch von batterieelektrischen Autos und Plug-in-Hybriden geführt hat. Zwar haben sich die Absatzzahlen zwischen 2011 und 2013 von rund 100.000 über 200.000 auf 400.000 jährlich verdoppelt. Die zweithöchsten Zuwachsraten überhaupt nach den Niederlanden hat aber Deutschland – obwohl der Heimatmarkt von BMW, Mercedes und Volkswagen Feindesland der Elektromobilität ist.

Mehrwertsteuer frisst Kfz-Steuervorteil mehrfach auf

Die Tatsache, dass Elektroautos hierzulande zehn Jahre lang von der Kfz-Steuer befreit sind, täuscht nämlich darüber hinweg, dass der Staat bei genauer Betrachtung sogar Strafsteuern erhebt. Bei einem VW e-Up kommen in einer Dekade armselige 200 Euro Kfz-Steuervorteil zusammen. Schon am Tag des Neukaufs aber nimmt der Fiskus ein Vielfaches des scheinbaren Bonus ein: die im Vergleich zum Benzin-Up gut doppelt so hohe Mehrwertsteuer von mindestens 4.295 Euro.

Negativ schlägt außerdem zu Buche, dass es nur in Dänemark und Japan ein derart ungünstiges Verhältnis von Benzin- zu Strompreis gibt wie in Deutschland. Unsere Spritkosten sind mit durchschnittlich 1,49 Euro pro Liter im internationalen Mittelfeld; doch beim Strom liegen wir fast vorn, allein die Dänen müssen für die Kilowattstunde Strom mit 30 Cent noch mehr aufbringen.

Trotzdem steigen die Zulassungszahlen zwischen Kiel und Oberstdorf sprunghaft an. Dabei berücksichtigt die Studie des ICCT das Boomjahr 2014 noch nicht. Denn jetzt fließen auch die Produkte heimischer Hersteller in die Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes ein. Der BMW i3 zum Beispiel ist mit 638 Exemplaren von Januar bis inklusive März der Topseller. 27 Prozent davon wurden privat gekauft. Das mag wenig erscheinen, ist bei BMW-Kunden aber ein eher hoher Wert – 88 Prozent aller 5er etwa gehen an gewerbliche Kunden.

Wenn 638 Exemplare ausreichen, um bei den Absatzzahlen die Goldmedaille seiner Antriebsklasse zu bekommen, zeigt das, wo das Elektroauto steht: ganz am Anfang. Der ICCT spricht folglich vom "early market" und stellt fest, dass allen Staatshilfen zum Trotz weniger als ein Prozent aller verkauften Autos einen Ladestecker haben.