© Statista

Ausnahmsweise sind sich Politik, Wirtschaft und Wissenschaft einig: Der Staat muss mehr in die Infrastruktur in Deutschland investieren. Seit Jahren wurden notwendige Ausbauten und Instandhaltungen vernachlässigt.

Deutschland nimmt im internationalen Vergleich einen der hinteren Plätze ein, wenn es um Investitionen in die eigenen Straßen, Schienen und Wasserwege geht. Gerade einmal 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wurden 2011 in die Infrastruktur gesteckt. Japan investiert mehr als ein Prozent, und in Polen sind es sogar 2,5 Prozent, wie unsere Infografik zeigt, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat.

Natürlich handelt es sich nur um einen relativen Wert, er spiegelt aber trotzdem sehr gut die schwierige Lage in Deutschland wieder. Absolut betrachtet hat Deutschland in den vergangenen Jahren zwischen zehn und elf Milliarden Euro pro Jahr allein in Erhaltung und Neubau von Straßen investiert, wie aus Daten der Industrieländerorganisation OECD hervorgeht. In Frankreich waren es im Schnitt rund zwölf Milliarden, in Japan mehr als 30 Milliarden Euro.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft spricht in einer Studie davon, "dass die Verkehrsinfrastruktur dabei ist, sich von einem Standortvorteil zu einem Standortproblem zu entwickeln". Eine Bund-Länder-Kommission kam 2012 zu dem Schluss, dass rund 20 Prozent der Autobahnen und etwa 41 Prozent der Bundesstraßen in einem kritischen Zustand seien. Dem Abschlussbericht der Kommission zufolge müsste Deutschland pro Jahr mindestens 7,2 Milliarden Euro zusätzlich in Straßen, Schienen und Wasserwege stecken.

Aber auch wenn sich alle über den Befund einig sind: Noch ist nicht klar, woher das Geld für die notwendigen Investitionen kommen soll. Die Haushaltsexperten von SPD und Union sprachen sich in dieser Woche dafür aus, unerwartete Steuerüberschüsse in die Reparatur von Straßen und Schienen zu stecken. "Sollte es Mehreinnahmen geben, geht das in die Infrastruktur", sagte der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Kahrs. Die von Torsten Albig, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, ins Spiel gebrachte Schlaglochabgabe wird jedoch von der großen Koalition abgelehnt.