Airbag-Jacke von Ducati und Dainese © Ducati

Airbags am Motorrad selbst gibt es bereits von Honda. Hersteller wie IX bieten Jacken mit Airbags an, die allerdings von einer Reißleine beim Sturz ausgelöst werden. Ducati geht nun einen entscheidenden Schritt weiter: Gemeinsam mit dem Kleidungsspezialisten Dainese bringt der italienische Motorradbauer im Mai die weltweit erste Airbag-Jacke auf den Markt, die drahtlos mit Sensoren im Motorrad verbunden ist.

Die Jacke ist verknüpft mit der Ducati Multistrada 1200 S Touring D-Air. Bei einem Aufprall zum Beispiel des Vorderrads auf ein Auto registrieren die Frontsensoren des Motorrads nach 5 Millisekunden die heftige Verzögerung, nach 12 Millisekunden analysieren die Algorithmen in der Steuerung eine Unfallsituation, nach 25 Millisekunden gibt das System drahtlos einen Impuls an die Jacke und nach 45 Millisekunden sind die Airbags in der Jacke vollständig gefüllt.

In Windeseile also entfalten die Airbags ihre volle Schutzfunktion vor allem für Brust, Rücken und die Schlüsselbeine. Ermittelt wurden die Werte im Crashtest-Zentrum der Konzernmutter Audi in Ingolstadt. Das passive Sicherheitssystem soll die Verletzungsfolgen von Kollisionen radikal senken, in die Motorradfahrer verwickelt werden können.

Technik macht Jacke 1,5 Kilogramm schwerer

Die Zahl zwei spielt beim D-Air-System eine entscheidende Rolle. Zwei Airbags werden von zwei Gas-Generatoren ausgelöst, die den entscheidenden Impuls über zwei bi-direktionale Radiofrequenzen erhalten. Projekt-Ingenieur Paolo Versari von Dainese nennt dies "Double backup", um zum Beispiel eine Funkstörung der drahtlosen Verbindung zu vermeiden. "Schon die Störung einer Frequenz ist höchst unwahrscheinlich", sagt Versari.

Das Onboard-System der Ducati kann je eine Airbag-Jacke für Fahrer und Beifahrer ansteuern. Den Ladezustand der Lithium-Akkus in der Jacke zeigt ein Display an der Ducati Multistrada an. Die Stromspeicher arbeiten rund 30 Stunden im Standby-Betrieb, ehe man sie nachladen muss. Nach dem Auslösen der Airbags muss die Jacke bis zu zwei Wochen lang bei Dainese für 300 Euro wiederaufbereitet werden und soll dann wiederverwendbar sein.

Die D-Air-Jacke fühlt sich beim ersten Anprobieren völlig normal an – trotz 1,5 Kilogramm Mehrgewicht durch das Airbag-System. Lediglich am unteren Rand des Rückenprotektors bemerkt man einen ungewöhnlichen, rund 3 cm dicken Teil, in dem die Gas-Generatoren untergebracht sind. Die Jacke besteht aus zweilagigem Goretex, ist wasserdicht, mit Kältefutter ausgestattet und dank Ventilationssystem atmungsaktiv.