Alternativer Taxidienst Uber : Die Mär von David und Goliath

Uber stellt den Angriff aufs deutsche Taxigewerbe als Kampf gegen ein verkrustetes Kartell dar. Stimmt das? Die Wahrheit ist komplizierter.

Wer den Blog des amerikanischen Taxivermittlers Uber liest, bekommt vor allem ein Gefühl: Du bist auf der Seite derjenigen, die teilen wollen. Denen Gemeinschaft genauso wichtig ist wie Nachhaltigkeit und Freundlichkeit. Die Amerikaner vermitteln Taxifahrten von Privatpersonen – zunächst in den USA, seit Kurzem auch in Deutschland. Das soll einfacher und vor allem günstiger sein als herkömmliche Taxis – rund 20 Prozent im Vergleich zu den üblichen Tarifen.

 

Jeder, der den Hintergrund-Check besteht, kann sein Privatfahrzeug bei Uber anmelden und Personen befördern. Der Fahrgast funkt einen Wagen über eine App an, die seinen Standort registriert, und kann seinen Chauffeur anhand der Bewertungen anderer Fahrgäste auswählen.

Uber ist schwer angesagt. Stolz präsentieren die Amerikaner in ihrem Blog den Schauspieler Daniel Brühl, der sich werbewirksam als Fahrgast inszenieren lässt und die Uber-App lächelnd in die Kamera hält. Neben dem Filmstar: ein gut gelaunter junger Mann vor einer herausgeputzten BMW-Limousine. Dagegen wirken die dottergelben Taxis wie Droschken eines mauligen Männerbundes.

Die alteingesessenen Taxifahrer wehren sich mit Händen und Füßen gegen den Angreifer – was ihnen kaum Sympathie einbringt. Auf Twitter schreien Nutzer auf, einem Verbandschef werden in einer wenig schmeichelhaften Fotomontage die Worte "Wettbewerb ist zum Kotzen" in den Mund gelegt. Die EU-Kommissarin Neelie Kroes wettert gegen ein "Kartell der Taxifahrer", seit ein Gericht in Belgien den Dienst untersagt hat. Auch in Berlin hat ein Taxibetrieb ein Verbot durchgesetzt. 

Uber: Deutsche Gesetze sind veraltet

Bei Uber heißt es, wer gegen die Firma ist, der blockiere Innovationen. Dem sei "es wichtiger, bestehende Strukturen zu erhalten". Und der schade am Ende dem Verbraucher. Diese Interpretation liegt nahe. Doch die Wahrheit ist komplexer. 

Zum einen ist Uber kein Start-up findiger Harvard-Studenten, das den ungleichen Kampf mit einem Monopolisten aufnimmt. Hinter der Firma stecken einige der wichtigsten Konzerne der Welt – neben einflussreichen Risikokapitalgebern haben Google und Goldman Sachs Geld in die Firma gepumpt. Geschätzter Wert: fast 3,5 Milliarden Dollar.

Stadt für Stadt rollt Uber seit 2009 den Markt auf. Den Anfang machte San Francisco – inzwischen sind die Kalifornier in mehr als 70 Metropolen weltweit aktiv. Uber gibt offen zu, sich wenig um Gesetze zu scheren und in einer Grauzone zu agieren. Die deutschen Gesetze seien zu einer Zeit geschrieben worden, als das Internet noch nicht erfunden war, lässt Nord- und Westeuropachef Pierre-Dimitri Gore-Coty im Gespräch mit der Welt am Sonntagwissen. 

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Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Unter 8135 Euro keine Steuern / Arbeitende sind den Tag beschäf.

@ Quer-u-Lant

Unter ich glaube 8135 Euro im Jahr Gesamteinkommen wäre es keine Steuerhinterziehung, weil man eh keine Steuern zahlt.
Von den umgerechnet 678 Euro pro Monat könnte ich locker zwei Monate oder länger leben.

Und wer als Angestellter täglich seiner Arbeit nachgeht, wird eh nicht den Tag über mal eben irgendwelche Fahrten übernehmen können.

Dann sollte man nicht vergessen, dass Uber scheinbar genau so wie Mitfahrgelegenheit und Flinc nur Fahrten vermitteln, die eh stattfinden.
Ich mich also nicht gezielt Buchen lassen kann.
Das soll bei WunderCar möglich sein. Dort bucht der Suchende einen Fahrer mit seinem Auto, und der fährt extra für den.

Übrigens:
Ich würde ein echtes Taxi ohne Navigation NICHT akzeptieren.

Gegen jede Form der Regulierung...

Aha, ein e "E-Klasse".
Das wäre wohl kaum rechtlich machbar.
Ein Automodell vorschreiben. Hat Mercedes dann vorher evtl. einen Entscheidungträger bestochen?!?
Mal davon abgesehen dass ich grundsätzlich kein Taxi fahre (auch einmal Nachts gegen Mitternacht keinen Bus mehr bekam, und schon ein Taxi auffällig langsam um die Haltestelle schlich, und ich trotzdem evtl. 5km zu Fuß inkl. Gepäck über Landstraßen an Feldern vorbei nach Hause lief...), würde ich wenn es sich vermeiden lässt aus Image/Überzeugungsgründen nicht in eine solche Fahrzeugklasse einsteigen.
Lieber in einem 10 Jahre alten Fiat Multipla mit 250k+ km, als einer max. 1-2 Jahren alten E-Klasse...

Ja, WIR sollten das entscheiden.
Jeder für sich, und nicht der Staat.

Freihandelsabkommen ist hier irrelevant...

So wie bei Facebook, aber auch bei gewerblichen Dienstleistern.
Bei US-Hostern kann ich als Deutscher Kunde werden, und der Deutsche Staat sieht auch keinen Cent Steuer.

Übrigens:
Facebook hat im Einbruchs-Tipp-Fall trotz Beschluss eines Dt. Gerichtes keine Daten herausgegeben. Das gibt einen (großen) Sympathiepunkt für Facebook.

Als US-Untermehmen sollte man in Deutschland keine Niederlassung haben, wenn das z.B. als Internetunternehmen nicht nötig ist.
Und wenn dann die Dt. Behörden was wollen, einfach ignorieren...
Da muss doch in dem Richter was zusammengebrochen sein, als seine "Macht" keine Wirkung zeigte. Von einem Privatunternehmen ignoriert.