Immer mehr Menschen teilen sich ein Auto mit anderen. Anfang 2014 hatten die bundesweit mehr als 150 Carsharing-Anbieter insgesamt rund 757.000 registrierte Kunden, wie der Bundesverband Carsharing ermittelt hat. Das sind rund zwei Drittel mehr als im Vorjahr. Wachstumstreiber sind vor allem die erst vor wenigen Jahren gegründeten Firmen ohne feste Stellplätze wie etwa car2go und DriveNow. 

Dabei haben sich in den vergangenen Jahren die Nutzer verändert. Das zeigt ein Vergleich von Kundendaten verschiedener Anbieter. "Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Kunden von stationären Anbietern und von Freefloating-Unternehmen", sagt Gabi Lambrecht vom Carsharing-Bundesverband. "Bei den Stationslosen wie etwa car2go oder DriveNow ist der Anteil der männlichen Kunden deutlich höher und diese Kunden sind jünger." Stationsbasiertes Carsharing werde dagegen von Männern und Frauen genutzt. Der Anbieter Cambio etwa gibt an, dass sich der Anteil an männlichen und weiblichen Kunden die Waage hält. Der Großteil der Kunden sei über 30 Jahre alt. Fast die Hälfte aller Fahrten seien beruflich veranlasst.

Generell ist das Alter bei den herkömmlichen Carsharing-Anbietern höher: Im Schnitt sind die Kunden zwischen 30 und 50 Jahren alt, bei den Freefloatern dagegen sind die Nutzer zwischen Mitte 20 bis Mitte 30. 

Beim Carsharing-Unternehmen teilAUTO geht man bei den Angaben über die eigenen Kunden weiter ins Detail. Zwei Drittel der Nutzer sind Männer, unter den Neukunden seien aber mehr Frauen. Die meisten sind zwischen 26 und 35 Jahren alt, allerdings steige der Anteil der 46- bis 55-Jährgen überdurchschnittlich stark. Erstaunlich ist: Carsharing ist schon lange nichts mehr für kinderlose Singles, auch Familien nutzen es zunehmend. Zwei Drittel der teilAUTO-Kunden etwa leben mit dem Partner zusammen, mehr als die Hälfte der Paare hat Kinder unter 18 Jahren.

Beim Anbieter Book-n-drive sehen die Angaben ähnlich aus. Auch hier sind etwa zwei Drittel der Nutzer männlich, auch hier wachse der Anteil an weiblichen Neukunden überdurchschnittlich. Auch finden sich die meisten Mitglieder in der Altersgruppe der 26- bis 35-Jährigen. Doch auch bei diesem Anbieter steigt der Anteil der 56-bis sogar 70-Jährigen. Die meisten nutzen das Auto für private Fahrten, doch es gebe immer mehr Geschäftskunden.

Etwas anders sind die typischen DriveNow-Kunden: Das Unternehmen wurde 2011 von BMW gegründet. Die Fahrzeuge sind im Stadtgebiet verteilt und lassen sich per App finden – 75 Prozent der Kunden sind Männer. Das Durchschnittsalter liegt bei Anfang 30. Genutzt werden die Autos vor allem für private Fahrten.   

Generell sind die Nutzer von Carsharing gemessen am Bundesdurchschnitt gebildeter und stammen vorwiegend aus höheren sozialen Bevölkerungsschichten.

Und warum sind Frauen beim Carsharing zurückhaltender? "Männer sind in der Regel experimentierfreudiger und probieren neue Carsharing-Angebote eher aus", vermutet DriveNow-Sprecher Michael Fischer. Auch bei anderen, mittlerweile länger am Markt existierenden Carsharing-Unternehmen sei der Anteil jüngerer und überwiegend männlicher Nutzer zu Beginn höher gewesen.

Deshalb sieht Fischer diese Statistiken auch nur als Momentaufnahme. Denn während 2011 nur jeder zehnte DriveNow-Kunde eine Frau war, betrug der Anteil weiblicher Nutzer im Februar 2014 über 30 Prozent. Über kurz oder lang werde sich das Ungleichgewicht an männlichen und weiblichen Nutzern weiter annähern und auch nicht mehr nur unter jüngeren Kunden verbreitet sein. "Carsharing, ganz gleich welches Modell, wird sich in der gesamten Gesellschaft etablieren."