Der deutsche Fernbusmarkt boomt. Daran will auch die Deutsche Bahn mitverdienen – was zunächst paradox klingt, schließlich hat sie nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr durch die Marktöffnung 20 Millionen Euro Gewinn im Schienenverkehr eingebüßt. Doch eigene Buslinien, zum Beispiel den IC Bus, betreibt der Konzern bereits. Nun steigt er auch mit Fernbusbahnhöfen ins Geschäft ein.

"Überall dort, wo es bisher keine Fernbus-Infrastruktur gibt, wollen wir Haltestellen auf unserem Gelände einrichten und mit Gebühren finanzieren", sagt Jan Nöppert. Er leitet den Bereich Entwicklung Fernbusinfrastruktur bei der Bahntochter DB Station&Service AG. Das Unternehmen bewerbe sich außerdem in zahlreichen Städten darum, Betreiber für neu entstehende und bereits existierende Busbahnhöfe zu werden.

Wo genau, will Nöppert noch nicht preisgeben. Er ist sich aber sicher, dass DB Station&Service für diese Rolle bestens geeignet ist. "Schließlich haben wir durch den Betrieb unserer Bahnhöfe Erfahrung mit hochkomplexer Verkehrsinfrastruktur", sagt er. Mittelfristig will die DB so deutschlandweit einen einstelligen Millionenbetrag erwirtschaften.

Der deutsche Fernbusmarkt steht noch am Anfang. Anders als im Schienenverkehr gibt es keinen pauschalen Ansprechpartner für neu entstehende Fernverkehrshaltestellen. "Ob es Sinn ergibt, das Fernbusbahnhofgeschäft an Dritte abzugeben, muss jede Kommune für sich entscheiden", sagt Carsten Hansen vom Deutschen Städte- und Gemeindetag. Das komme auf die Verkehrsplanung an und darauf, wem geeignete Flächen – etwa der Bahnhofsvorplatz – gehörten. "Wir begrüßen, dass die Bahn mit den Kommunen im Gespräch ist, aber eine Empfehlung gibt es von unserer Seite nicht", sagt Hansen.

Wie viel Service gibt's für die Gebühr?

Bisher betreibt die Bahn lediglich in Kassel-Wilhelmshöhe und am Berliner Südkreuz Busbahnhöfe auf eigenem Gelände. Das Entwicklungspotenzial ist jedoch groß. In vielen Städten besitzt das Unternehmen zentrale, gut angebundene Flächen. Diese sind für Fernbusgesellschaften attraktiver als die Schotterplätze am Stadtrand oder heruntergekommene Zentrale Omnibusbahnhöfe (ZOB), die sie momentan vielerorts anfahren.

Berlin Südkreuz ist ein gutes Beispiel. Der Bahnhof im Stadtteil Schöneberg ist für viele Fahrgäste leichter zu erreichen als der ZOB in Charlottenburg – und äußerlich macht er mehr her. Für die Bahn als Betreiber ist die Fernbusstation eine erste Erfolgsgeschichte: Seit Januar 2014 stieg die Zahl der wöchentlichen Bushalte hier von 60 auf etwa 400.

Jeder ankommende Bus bringt dem Konzern netto acht Euro Gebühren ein, ohne große Investitionen. Doch genau das moniert Matthias Schröter vom Bund Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). Eine gute Lage allein rechtfertige Gebühren von sechs bis acht Euro nicht, sagt er. Ein gewisser Service wie etwa die Möglichkeit, die Bordtoiletten der Busse entleeren zu können, gehöre zu einem vernünftigen Busterminal dazu. "In Berlin Südkreuz wird für das Geld momentan zu wenig geboten", kritisiert Schröter.

Zum Vergleich: Die Bahn verlangt am Südkreuz mit acht Euro pro Halt etwas mehr als der voll ausgebaute, topmoderne Busbahnhof an der Münchner Hackerbrücke. Allerdings auch deutlich weniger als der alte, 1966 eröffnete Berliner ZOB (13 Euro), der von einer Tochtergesellschaft der öffentlichen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) geführt wird.