FernbusDie Bahn schafft Platz für Busse

Fernbusse boomen – hat die Bahn das Nachsehen? Nicht unbedingt. Die DB will sich auch als Betreiber von Busbahnhöfen etablieren. Anbieter fürchten eine Benachteiligung. von Marie Löwenstein

Fernbus-Station am Berliner Bahnhof Südkreuz

Fernbus-Station am Berliner Bahnhof Südkreuz  |  © DB Station&Service AG

Der deutsche Fernbusmarkt boomt. Daran will auch die Deutsche Bahn mitverdienen – was zunächst paradox klingt, schließlich hat sie nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr durch die Marktöffnung 20 Millionen Euro Gewinn im Schienenverkehr eingebüßt. Doch eigene Buslinien, zum Beispiel den IC Bus, betreibt der Konzern bereits. Nun steigt er auch mit Fernbusbahnhöfen ins Geschäft ein.

"Überall dort, wo es bisher keine Fernbus-Infrastruktur gibt, wollen wir Haltestellen auf unserem Gelände einrichten und mit Gebühren finanzieren", sagt Jan Nöppert. Er leitet den Bereich Entwicklung Fernbusinfrastruktur bei der Bahntochter DB Station&Service AG. Das Unternehmen bewerbe sich außerdem in zahlreichen Städten darum, Betreiber für neu entstehende und bereits existierende Busbahnhöfe zu werden.

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Wo genau, will Nöppert noch nicht preisgeben. Er ist sich aber sicher, dass DB Station&Service für diese Rolle bestens geeignet ist. "Schließlich haben wir durch den Betrieb unserer Bahnhöfe Erfahrung mit hochkomplexer Verkehrsinfrastruktur", sagt er. Mittelfristig will die DB so deutschlandweit einen einstelligen Millionenbetrag erwirtschaften.

Der deutsche Fernbusmarkt steht noch am Anfang. Anders als im Schienenverkehr gibt es keinen pauschalen Ansprechpartner für neu entstehende Fernverkehrshaltestellen. "Ob es Sinn ergibt, das Fernbusbahnhofgeschäft an Dritte abzugeben, muss jede Kommune für sich entscheiden", sagt Carsten Hansen vom Deutschen Städte- und Gemeindetag. Das komme auf die Verkehrsplanung an und darauf, wem geeignete Flächen – etwa der Bahnhofsvorplatz – gehörten. "Wir begrüßen, dass die Bahn mit den Kommunen im Gespräch ist, aber eine Empfehlung gibt es von unserer Seite nicht", sagt Hansen.

Wie viel Service gibt's für die Gebühr?

Bisher betreibt die Bahn lediglich in Kassel-Wilhelmshöhe und am Berliner Südkreuz Busbahnhöfe auf eigenem Gelände. Das Entwicklungspotenzial ist jedoch groß. In vielen Städten besitzt das Unternehmen zentrale, gut angebundene Flächen. Diese sind für Fernbusgesellschaften attraktiver als die Schotterplätze am Stadtrand oder heruntergekommene Zentrale Omnibusbahnhöfe (ZOB), die sie momentan vielerorts anfahren.

Berlin Südkreuz ist ein gutes Beispiel. Der Bahnhof im Stadtteil Schöneberg ist für viele Fahrgäste leichter zu erreichen als der ZOB in Charlottenburg – und äußerlich macht er mehr her. Für die Bahn als Betreiber ist die Fernbusstation eine erste Erfolgsgeschichte: Seit Januar 2014 stieg die Zahl der wöchentlichen Bushalte hier von 60 auf etwa 400.

Jeder ankommende Bus bringt dem Konzern netto acht Euro Gebühren ein, ohne große Investitionen. Doch genau das moniert Matthias Schröter vom Bund Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). Eine gute Lage allein rechtfertige Gebühren von sechs bis acht Euro nicht, sagt er. Ein gewisser Service wie etwa die Möglichkeit, die Bordtoiletten der Busse entleeren zu können, gehöre zu einem vernünftigen Busterminal dazu. "In Berlin Südkreuz wird für das Geld momentan zu wenig geboten", kritisiert Schröter.

Zum Vergleich: Die Bahn verlangt am Südkreuz mit acht Euro pro Halt etwas mehr als der voll ausgebaute, topmoderne Busbahnhof an der Münchner Hackerbrücke. Allerdings auch deutlich weniger als der alte, 1966 eröffnete Berliner ZOB (13 Euro), der von einer Tochtergesellschaft der öffentlichen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) geführt wird.

Leserkommentare
  1. Letztere wurde nur unterdrückt. Busbahnhöfe machen einen Sinn; Kioske bringen weitere Einnahmen. Mit Bewirtschaftung kann schlicht gutes Geld verdient werden.

    Historisch wurde es nur unterdrückt, da vorher der Fernbusverkehr nicht gestattet wurde. Jetzt ist dieses gestattet und nun ist ein Bedarf an solchen Ziel-/Startpunkten vorhanden. Ebenso an Bewirtschaftungskonzepten und an sinnvollen Einbindungen in weitere Anbindungskonzepte (Taxenstand, car2go, Parkhaus, Fahrradstand, Bus/Bahn, etc.). Wichtig sind hier auch Diebstahlprävention (Kameraüberwachung), ein konsequente Sauberkeit und eine freundliche Architektur.

    • oh.stv
    • 19. Juni 2014 9:56 Uhr
    2. L.O.L.

    Paradox beschreibt es gut.

    Die Bahn, die durch ihre unterirdische Verlässlichkeit und ihre konstant rapide Steigende Ticket preise (im fall des Wochenendtickets bis zu 800%in 10 Jahren) den ganzen Boom erst ausgelöst hat, will nun also am Ergebnis ihrer Unzulänglichkeit "mitverdienen".

    Zum Vergleich, das wäre so ähnlich, wie wenn ein Atomkraftwerk Betreiber, dem sein Kraftwerk explodiert ist jetzt auf dem Blühenden Solar-markt mitmischen will.

    4 Leserempfehlungen
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    • 30c14
    • 19. Juni 2014 15:07 Uhr


    Neulich im ICE auf dem Weg zum FRA-Flughafen, Stop in Hildesheim, der schon 15min dauert...

    ... da kreischt es aus der Anlage sinngemäß: "Liebe Fahrgäste, soeben haben wir die Information erhalten, dass kurz vor Göttingen (sic!) Kinder auf den Gleisen spielen. Wir suchen nun nach einer Lösung!"
    ...
    15min später kreischt es wieder aus der Anlage: "Liebe Fahrgäste, wg. der kurz vor Göttingen auf den Gleisen spielenden Kindern wird unser Zug umgeleitet. (sic!). Wir haben die Betriebsunterlagen für die andere Strecke angefordert, und sobald diese angetroffen, werden wir die Fahrt fortsetzen!"
    ...
    15min später kreischt es wieder aus der Anlage: "Liebe Fahrgäste, Wir haben die Betriebsunterlagen für die andere Strecke bekommen, und setzen nun unsere Fahrt fort, die aktuelle Verspätung beträgt 40min."
    ...

    Ich fasse es zusammen: jemand beobachtet und meldet spielende Kinder auf den Gleisen. Statt Polizei/Feuerwehr/... hin zu schicken, ... wird zumal auf der Hauptachse Nord-Süd (!) ... der ganze Zugverkehr umgeleitet. Tausende Passagiere, die umsteigen, oder ihren Flug erreichen müssen, sitzen in der Falle.

    • DDave
    • 19. Juni 2014 10:09 Uhr

    ... aus dem Konzern Deutsche Bahn AG, alle Tochterunternehmen, welche für die Infrastruktur zuständig sind(,also DB Netze AG, DB Station&Service AG), herauszulösen und in ein neues, staatseigenes Unternehmen umzuwandeln. Dieses Unternehmen wäre dann dafür verantwortlich, die Schieneninfrastruktur in Stand zu halten und zu erweitern, sowie im Bahnhofsbereich Fernbus-Terminals zu errichten und in Stand zu halten.
    Desweiteren dürfen keinerlei Finanzmittel aus dem Unternehmen an den Staat abgeführt werden, sondern es bekommt ausschliesslich Geld vom Staat zur Erfüllung der obengenannten Aufgaben.(Im besten Falle finanziert sich die Infrastruktur von selbst, im schlechtesten Falle muss der Staat nachschießen.) Natürlich überprüft durch den Bundesrechnungshof, sowie einer Veröffentlichung aller Geschäftsunterlage zur Einsicht für deutsche Bundesbürger und Organisationen, wie z.B. pro Bahn.
    (Und natürlich einer Beschwerdestelle im Internet, wo man konstruktive Kritik anbringen kann, was man vll noch realisieren sollte, z.B. WLAN in Bahnhöfen, etc)

    Eine Leserempfehlung
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    Also wirklich. Wie können sie es nur wagen so etwas auch nur vorzuschlagen?! Solch ein zutiefst kommunistisches Modell kann man doch heutzutage niemals durchsetzen. Wo kämen wir denn hin, wenn der Staat sich um Grundbefdürfnisse wie bezahlbaren ÖP(N)V kümmern würde. Und das ohne private Beteiligung und Renditechancen für geldgierige Anleger. Das wäre ja ein nie dagewesenes System. Ach ne, gab's ja doch schon mal und hieß "Bundesbahn", mein Fehler.
    Man hofft ja immer wieder, dass sowas nochmal in Mode kommt, aber wenn man sich die Entwicklungen der letzten 20-30 Jahre so anschaut (Bundesbahn, Post etc.) sieht das für mich eher hoffnungslos aus.
    Aber Immerhin kommt diesen skrupellosen und korrupten Geschäftemachern jetzt die so oft gepriesene freie Marktwirtschaft in die Quere und sie bekommen immerhi etwas Konkurrenz durch die Fernbusse. So hatte man sich das bei der Privatisierung sicher nicht vorgestellt damals...

  2. Liebe Frau Löwenstein,

    was hat denn die Erreichbarkeit des S-Bahnhofes Schöneberg mit dem Busbahnhof am Bahnhof Südkreuz zu tun? Bahnhof Südkreuz ist doch selber S-Bahnhof, die Leute die zum Busbahnhof fahren doch zum S-Bahnhof Südkreuz und nicht Schöneberg?!

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    Redaktion

    Hallo Theodorilla,

    die Formulierung "S-Bahnhof in (!) Schöneberg" bezieht sich auf Südkreuz. Es ging darum, nicht-Berliner Ortsfremden zu vermitteln, in welchem Stadtteil der Bahnhof Südkreuz liegt. Aber wir formulieren die Stelle mal ein wenig klarer... Danke für den Hinweis.

    Gruß
    Matthias Breitinger

  3. Redaktion

    Hallo Theodorilla,

    die Formulierung "S-Bahnhof in (!) Schöneberg" bezieht sich auf Südkreuz. Es ging darum, nicht-Berliner Ortsfremden zu vermitteln, in welchem Stadtteil der Bahnhof Südkreuz liegt. Aber wir formulieren die Stelle mal ein wenig klarer... Danke für den Hinweis.

    Gruß
    Matthias Breitinger

    Antwort auf "S-Bahnhof Schöneberg"
    • 30c14
    • 19. Juni 2014 15:07 Uhr


    Neulich im ICE auf dem Weg zum FRA-Flughafen, Stop in Hildesheim, der schon 15min dauert...

    ... da kreischt es aus der Anlage sinngemäß: "Liebe Fahrgäste, soeben haben wir die Information erhalten, dass kurz vor Göttingen (sic!) Kinder auf den Gleisen spielen. Wir suchen nun nach einer Lösung!"
    ...
    15min später kreischt es wieder aus der Anlage: "Liebe Fahrgäste, wg. der kurz vor Göttingen auf den Gleisen spielenden Kindern wird unser Zug umgeleitet. (sic!). Wir haben die Betriebsunterlagen für die andere Strecke angefordert, und sobald diese angetroffen, werden wir die Fahrt fortsetzen!"
    ...
    15min später kreischt es wieder aus der Anlage: "Liebe Fahrgäste, Wir haben die Betriebsunterlagen für die andere Strecke bekommen, und setzen nun unsere Fahrt fort, die aktuelle Verspätung beträgt 40min."
    ...

    Ich fasse es zusammen: jemand beobachtet und meldet spielende Kinder auf den Gleisen. Statt Polizei/Feuerwehr/... hin zu schicken, ... wird zumal auf der Hauptachse Nord-Süd (!) ... der ganze Zugverkehr umgeleitet. Tausende Passagiere, die umsteigen, oder ihren Flug erreichen müssen, sitzen in der Falle.

    Antwort auf "L.O.L."
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    • dth
    • 19. Juni 2014 16:54 Uhr

    Was genau würden Sie in einem Stellwerk machen, wenn jemand Kinder auf der Strecke angibt?
    Die Bahn wird da sofort alle Signale auf Rot setzen und die Strecke sperren.
    Natürlich ruft die auch die Polizei (wobei vermutlich eher die Polizei das Stellwerk oder die Bahn informiert).
    Aber die braucht auch mal etwas, bis sie da ist und die Kinder gefunden hat.
    Sagen wir mal, das braucht 20-30 Minuten, bis die wissen, dass die Strecke wieder frei ist.
    Dann haben Sie erstmal einige stehende Züge auf der Strecke und etliche im Notfall auf Rot gestellte Signale. Da müssen dann bestimmte Protokolle ablaufen (Telefonate mit den Lokführern usw.) um den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Das braucht bestimmt auch nochmal etwas.
    Dann gibt es natürlich einen Rückstau an Zügen aus 30-45 Minuten und wenn das Netz zu der Zeit stark ausgelastet ist, müssen vielleicht auch mal Züge umgeleitet werden.

    Die Bahn hat zu wenig in die Zuverlässigkeit und Flexibilität ihrer Infrastruktur investiert. Die Infrastruktur und die Organisation des Fahrbetriebs sind einfach nicht so ausgebaut, dass sich Fahrpläne minutengenau einhalten ließen oder selbst kleinere Störungen kompensieren.
    Aber so einfach, wie Sie sich das vorstellen, ist das nicht.
    Solche absurden Vorwürfe an die Bahn helfen dann auch nicht weiter.

    • dth
    • 19. Juni 2014 16:54 Uhr
    7. Kinder

    Was genau würden Sie in einem Stellwerk machen, wenn jemand Kinder auf der Strecke angibt?
    Die Bahn wird da sofort alle Signale auf Rot setzen und die Strecke sperren.
    Natürlich ruft die auch die Polizei (wobei vermutlich eher die Polizei das Stellwerk oder die Bahn informiert).
    Aber die braucht auch mal etwas, bis sie da ist und die Kinder gefunden hat.
    Sagen wir mal, das braucht 20-30 Minuten, bis die wissen, dass die Strecke wieder frei ist.
    Dann haben Sie erstmal einige stehende Züge auf der Strecke und etliche im Notfall auf Rot gestellte Signale. Da müssen dann bestimmte Protokolle ablaufen (Telefonate mit den Lokführern usw.) um den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Das braucht bestimmt auch nochmal etwas.
    Dann gibt es natürlich einen Rückstau an Zügen aus 30-45 Minuten und wenn das Netz zu der Zeit stark ausgelastet ist, müssen vielleicht auch mal Züge umgeleitet werden.

    Die Bahn hat zu wenig in die Zuverlässigkeit und Flexibilität ihrer Infrastruktur investiert. Die Infrastruktur und die Organisation des Fahrbetriebs sind einfach nicht so ausgebaut, dass sich Fahrpläne minutengenau einhalten ließen oder selbst kleinere Störungen kompensieren.
    Aber so einfach, wie Sie sich das vorstellen, ist das nicht.
    Solche absurden Vorwürfe an die Bahn helfen dann auch nicht weiter.

    2 Leserempfehlungen
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    • 30c14
    • 19. Juni 2014 20:40 Uhr
    Antwort auf "Kinder"

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  • Schlagworte Bus | Deutsche Bahn | Fernverkehr | Bahnhof | Bahn | Berlin
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