Der Platz vor dem Olympiastadion ist gelb, taxigelb. Dicht an dicht stehen die Wagen. Ihre Fahrer sind hierher in den Berliner Nordwesten gekommen, weil sie um ihre Zukunft bangen. Weil sie protestieren gegen neue Konkurrenz. "Es geht um unsere Jobs", sagt Ufuk Yesil. Bedroht sieht der Taxifahrer diese von Uber, einer amerikanischen Fahrgastvermittlung.

Via Smartphone-App bringt das US-Unternehmen Fahrer und Fahrgäste zusammen. "Uber revolutioniert die Art, wie wir uns fortbewegen", heißt es auf der deutschen Website der Firma. "Sie befolgt nicht die Gesetze", sagt Yesil.

Für Uber können auch Privatpersonen fahren, ohne Gewerbeschein, regelmäßigem Gesundheitscheck oder Personenbeförderungsschein. Mitmachen kann jeder, der älter ist als 21, einen Führerschein hat und ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorweisen kann. Versicherungsrechtliche Fragen sind offen – in einem Taxi ist der Fahrgast bei einem Unfall mitversichert. Unklar ist die Rechtslage, wenn der Fahrer nur privat haftpflichtversichert ist.

Yesil ärgert sich über Uber. "Wir müssen eine Prüfung ablegen, und die Leute laden einfach nur eine App runter." Kunden würden zwar bei Uber eventuell einen günstigeren Preis zahlen, allerdings hätten sie keinerlei Sicherheit. "Sie wissen gar nicht, mit wem Sie da mitfahren", sagt der Taxifahrer.

Keine Angst vor Wettbewerb

Wenn ein Kunde mit ihm unzufrieden ist, kann er sich einfach die Konzessionsnummer notieren und sich später beschweren. Auch bei den Preisen erlebe der Fahrgast keine Überraschungen, sagt Yesil. Die seien durch die Tarifbindung genau festgelegt. Bei Uber schwanken die Kosten – je nach Nachfrage können die Preise erheblich steigen. In New York zog das Unternehmen die Wut von Kunden auf sich, als im Winter in einem Schneesturm die Preise plötzlich kräftig nach oben schossen.

Die Taxifahrer wollen den unliebsamen und, wie sie finden, unfairen Konkurrenten nicht hinnehmen. Die sechs Berliner Berufsverbände haben den Protest organisiert – am selben Tag finden zur gleichen Zeit Demos gegen Uber und ähnliche Anbieter auch in Hamburg, Köln, München, London, Paris, Mailand, Madrid und Barcelona statt. Auch in Australien, den USA und Brasilien soll es Aktionen geben.

"Wir fürchten nicht den Wettbewerb", betont Richard Leipold, erster Vorsitzender der Berliner Taxivereinigung – solange dieser fair sei. Das Angebot von Uber sei aber illegal, sagt Leipold. Deshalb hat der Taxi-Unternehmer geklagt und im April dieses Jahres eine Einstweilige Verfügung gegen Uber erwirkt.

Leipold vollstreckt sie aber nicht, denn Uber hat angekündigt, den Richterspruch nicht zu akzeptieren und den Weg durch alle Instanzen zu gehen. Das könnte für Leipold teuer werden. Sein Gegner ist kein kleines Start-up – hinter der Firma aus San Francisco stehen große Investoren wie Goldman Sachs und Google. Leipold beschäftigt dagegen nach eigener Aussage weniger als zehn Mitarbeiter. Verlöre er den Rechtsstreit, müsste er Uber Schadensersatz für verlorenen Gewinn zahlen.