Das wäre was: Deutschland setzt vollständig auf batterieelektrische Autos und Wagen mit Brennstoffzellen – und schon erreichen wir unsere ehrgeizigen Klimaschutzziele. So einfach ist es aber nicht, warnen jetzt mehrere Umweltverbände. Neben den CO2-armen Antrieben müsse die Politik sich viel stärker darauf konzentrieren, dass Verkehr vermieden wird und umweltfreundliche Verkehrsträger zum Einsatz kommen, fordern sie. In Berlin haben daher WWF, Bund, Nabu, Germanwatch und der Verkehrsclub Deutschland am Mittwoch ihr Konzept Klimafreundlicher Verkehr in Deutschland präsentiert.

Um das Regierungsziel zu erreichen, bis zum Jahr 2050 die CO2-Emissionen im besten Fall um 95 Prozent gegenüber 1990 zu verringern, müsste der Verkehr fast komplett CO2-frei werden. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Bisher hat der Verkehrssektor kaum zur Emissionsreduktion beigetragen. Nimmt man noch den Luft- und Seeverkehr hinzu, der von Deutschland aus startet, sind die Emissionen der Studie zufolge seit 1990 sogar gestiegen.

Das Ziel sei erreichbar, wenn der Energiebedarf im gesamten deutschen Verkehrssektor erheblich sinkt – den größten Anteil daran habe der Pkw-Verkehr (siehe Grafik). Müssen ausgerechnet wir Deutschen unsere geliebten Pkw also stehen lassen? Nein, keine Sorge, sagen die Verbände, die ihr Konzept zusammen mit dem Öko-Institut erarbeitet haben.

Zum einen spielen der demographische Wandel und sich ändernde, gesellschaftliche Prioritäten dem Ziel, den Verkehr fast frei von CO2-Emissionen zu machen, in die Hände. Wegen der schrumpfenden und alternden Bevölkerung werde der Personenverkehr bis zum Jahr 2050 um 15 Prozent abnehmen. Außerdem unterstellen die Autoren, dass sich die Zahl der Pkw in Deutschland bis 2050 auf gut 20 Millionen halbiere. "Flexibilität wird wichtiger als der Besitz eines eigenen Fahrzeugs", heißt es in der Studie.

Vor allem in den Ballungszentren fahre man dann mit Pedelecs, nutze einen gut vernetzten öffentlichen Verkehr und Carsharing-Fahrzeuge mit Elektromotor. Längere Strecken würden vor allem mit Bahn und Fernbussen zurückgelegt. Der Pkw-Anteil am Verkehr insgesamt sinke so von heute 59 Prozent auf 35 Prozent im Jahr 2050. Der Fahrradanteil steige von zehn auf 25 Prozent und der Anteil des öffentlichen Verkehrs verdoppele sich auf 16 Prozent (siehe folgende Grafik).

Auch der Güterverkehr werde sich in dem Szenario der Umweltverbände bis zum Jahr 2050 wandeln. Bis zum Jahr 2030 würden noch mehr Waren transportiert, dann aber sinke das Aufkommen bis 2050 wieder auf das heutige Niveau, heißt es im Report. Der Grund ist simpel: Die Transportkosten sind in der Zukunft einfach zu hoch, die Unternehmer lagern wieder viel mehr ein. Außerdem würden Nahrungsmittel und landwirtschaftliche Produkte vermehrt regional bezogen, was die durchschnittlichen Transportweiten erheblich verringere. Der Anteil des Güterverkehrs auf der Schiene und auf Wasserwegen nimmt in der Studie deutlich zu: Heute macht der Transport auf der Straße fast drei Viertel aus; in dem Zielszenario sinkt der Anteil bis 2050 auf 50 Prozent, der Anteil der Schiene wächst dagegen von 18 auf 38 Prozent.