Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Verkaufte Dacia im Jahr 2005 hierzulande gerade einmal 2.000 Fahrzeuge, sind es heute rund 50.000 Stück. Die Verantwortlichen bewiesen eine geschickte Hand beim Ausbau der Modellpalette und schafften es, aus dem vermeintlichen Billigheimer eine Marke zu kreieren, die für einfache, praktische Mobilität steht.

Der Aufstieg begann vor zehn Jahren: Im Spätsommer 2004 startete Dacia den Verkauf des kleinen Stufenheckmodells Logan in Osteuropa und der Türkei; der Basispreis lag bei rund 5.000 Euro. Zu diesem Zeitpunkt war der rumänische Hersteller längst Teil von Renault. Die Franzosen waren bereits seit Jahrzehnten mit Dacia verbandelt – schließlich waren schon Ende der 1960er Jahre die beiden Modelle Dacia 1100 und Dacia 1300 in Rumänien als Lizenzbauten von Renault 8 und Renault 12 auf den Markt gekommen. Im Jahr 1999 erwarb Renault die Mehrheitsanteile.

In Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern kam der Logan 2005 auf den Markt. Das Modell auf Basis des Renault Clio lief aber eher schlecht, weil Stufenhecks im Segment der Kompaktklasse hier kaum zu verkaufen sind. Drei Jahre später reagierte Dacia und führte die Schrägheckversion Sandero ein und die Zulassungszahlen sprangen nach oben. Inzwischen ist die Familie Logan/Sandero ergänzt um eine Kombivariante und auch die Version mit SUV-Optik, der Stepway, buhlt um Kunden.

Billig wirkt ein Dacia längst nicht mehr

Darüber hinaus hat Dacia sich in weitere Fahrzeugsegmente ausgedehnt. Seit 2010 bietet die rumänische Renault-Tochter ein kompaktes SUV an, den Duster. 2012 wurde der Kompaktvan Lodgy eingeführt und ein Jahr später kam ein Kombi mit Hochdach, der auf den Namen Dokker hört und auf dem Renault Kangoo basiert. An der Auswahl der Fahrzeugmodelle zeigt sich: Die Marke konzentriert sich auf jene Segmente mit hoher Preissensibilität für Familien mit begrenztem Budget. Dass laut Dacia 90 Prozent der Verkäufe privater Natur sind, untermauert diesen Eindruck.

Dem Billigheimer-Image entspricht ein Dacia allerdings nicht mehr. Die erste Generation des Logan machte noch durch einen tristen Innenraum mit viel billigem Plastik von sich reden, doch vom Lowcost-Charme hat sich der Hersteller inzwischen weit entfernt. Klar, edle Dekors oder Holztäfelungen sucht man hier vergebens, doch die Verarbeitung ist ordentlich – von Knarzen und Klappern keine Spur.

Die Kunst, Dacias günstig anbieten zu können, ist eine Konzeptfrage. Während die sogenannten Premium-Anbieter ihre Fahrzeuge ohne eine gewisse Mindestausstattung gar nicht auf die Straße lassen, geben die Rumänen dem Kunden die Möglichkeit, ein Basisauto zu kaufen, das diesen Namen auch verdient. Zum Beispiel den 4,49 Meter langen Kombi Logan MCV, den Dacia als "den günstigsten Kombi in Deutschland" bewirbt. Mit dem 55 kW (75 PS) starken Vierzylinder kostet er 7.990 Euro.