Im Mai hat Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ein Sonderprogramm aufgelegt: Mit 1,06 Milliarden Euro soll der Verfall deutscher Brücken gestoppt werden. Doch das Programm hat offenbar nur begrenzte Wirkung. Wie die Welt am Sonntag berichtet, reicht das Geld für die Sanierung von 78 Brücken. Es geht unter anderem an zehn Großprojekte, die im kommenden Jahr begonnen werden sollen. Vier dieser Großprojekte liegen demnach in Bayern, der Heimat des Verkehrsministers. 

49 der bezuschussten Brücken sind so marode, dass sie komplett neu gebaut werden müssen. Die restlichen Bauten werden entweder wiederhergestellt oder so verstärkt, dass sich ihre Tragfähigkeit erhöht. "Die Modernisierung der Brücken ist eine Aufgabe, die weit über die Legislaturperiode hinausgeht", sagte Dobrindt der Welt am Sonntag."Damit habe ich klare Prioritäten gesetzt."

Verkehrsexperten kritisieren seit Langem, dass ein beträchtlicher Teil der rund 39.000 Brücken des Bundes in sehr schlechtem Zustand ist: Rund 6.000 werden als marode eingestuft. Die meisten Brücken wurden während des Wirtschaftsaufschwunges im Westen zwischen 1960 und 1985 errichtet. Belastet werden sie durch den rapide gewachsenen Straßenverkehr, der sich im Vergleich zu 1980 bis 2025 fast verzehnfachen wird. Immer mehr Brücken müssen inzwischen für den Schwerlastverkehr gesperrt werden. Auch Tausende Eisenbahnbrücken sind sanierungsbedürftig.

Nach Berechnungen der Welt am Sonntag reichen Dobrindts Sondermittel derzeit für 1,3 Prozent aller baufälligen Brücken aus. Wie lückenhaft das Programm sei, zeige das Beispiel der Autobahn 45. Auf der Sauerlandlinie müssten 56 Brücken schnell saniert oder neu gebaut werden, schreibt die Zeitung. Doch Dobrindt könne nur sieben Projekte finanzieren.

Besonders viele Projekte unterstützt der Bund in Hessen (15), Nordrhein-Westfalen (11) und Bayern (10). Darunter sind zwei Brücken auf der Autobahn A 7. Saniert werden soll auch die Werrebrücke der A 30 in Nordrhein-Westfalen und ein Autobahnkreuz auf der A 115 in Berlin. Neben dem Geld aus dem Sonderprogramm will Dobrindt die umstrittene Pkw-Maut zur Finanzierung der Projekte nutzen und Privatkapital mobilisieren.